Erderwärmung China will gegen Klimawandel kämpfen - aber erst ab 2013

Die Uno warnt vor einem dramatischen Klimawandel - doch die größten Umweltsünder dieser Erde sehen weiter keinen Grund zur Aufregung. Australien bekräftigt umgehend sein "Nein" zum Kyoto-Protokoll. Und auch China hat beim Kampf gegen die Erderwärmung keine Eile.


Sydney/Tokio/Peking - Der weltweit zweitgrößte Luftverschmutzer China will sich einem Zeitungsbericht zufolge den Verhandlungen um eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Klimaschutzprotokoll anschließen. Ministerpräsident Wen Jiabao wolle dies am Rande seines Japan-Besuchs am Mittwoch bekanntgeben, berichtet die japanische Zeitung "Yomiuri Shimbun" heute. In einer geplanten gemeinsamen Erklärung würden Japan und China ihre politische Entschlossenheit zum Ausdruck bringen, an der Lösung des Problems der Klimaerwärmung durch internationale Kooperation mitzuarbeiten, hieß es unter Berufung auf einen Entwurf des Papiers.

Fabrik im Nordwesten Chinas: Kampf gegen den Klimawandel erst ab 2013
AFP

Fabrik im Nordwesten Chinas: Kampf gegen den Klimawandel erst ab 2013

Demnach wollten sich beide Länder vom Jahr 2013 an "proaktiv an der Schaffung eines effektiven Rahmenwerks" zum Klimaschutz beteiligen, berichtete das Blatt. Japan wolle zudem China beim Umweltschutz und Energiesparmaßnahmen helfen. Unter anderem seien Wasserreinigungsprojekte vorgesehen. Einzelheiten sollten bei einem Treffen von Wen Jiabao mit seinem japanischen Amtskollegen Shinzo Abe besprochen werden, hieß es.

China, das binnen eines Jahres die USA als größten Treibhausgas-Produzenten ablösen könnte, hat das bis 2012 laufende Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet. Experten fordern allerdings seit langem, große Luftverschmutzer wie China, die USA und Indien mit ins Boot zu holen, um einer Kyoto-Nachfolgeregelung zum Erfolg zu verhelfen. Die Regierung in Peking will ihren nationalen Plan gegen die globale Erwärmung Ende April vorstellen. Dabei soll es auch um eine Verringerung des Schadstoffausstoßes gehen.

Bislang hat China eine Begrenzung für den wegen seiner boomenden Wirtschaft rasch steigenden Treibhausgas-Ausstoß abgelehnt. Dabei verwies die kommunistische Führung darauf, dass die Erderwärmung vor allem auf den Energieverbrauch der Industrienationen zurückgehe und China das Recht habe, den gleichen Wohlstand wie in den westlichen Ländern aufzubauen.

Australien zeigte sich als einer der größten Umweltsünder im pazifischen Raum vom neuesten Weltklimabericht der Vereinten Nationen unbeeindruckt. Premierminister John Howard sah heute in dem Bericht "wenig Neues" und bekräftigte das Nein seiner Regierung zum Kyoto-Protokoll.

Nach Darstellung von Umweltminister Malcolm Turnbull sei eine Begrenzung des Schadstoffausstoßes für Australien wenig verständlich, wenn zugleich von Entwicklungsländern wie Indien oder China keine Einschränkung der Emissionen erwartet werde. "Wir können ein globales Problem nicht lösen, wenn die größten Schadstoff-Produzenten der Welt nicht Teil der Lösung sind."

IPCC - der Klimarat der Vereinten Nationen
Ziele
ESA 2004
Der Intergovernmental Panel on Climate Change, zu Deutsch der zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaveränderungen mit Sitz in Genf, wurde 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und der World Meteorological Organization (WMO) gegründet, die ebenfalls zur Uno gehört. Der Inder Rajendra Kumar Pachauri ist seit Mai 2002 Vorsitzender des IPCC.

Der auch als Weltklimarat bezeichnete IPCC soll umfassend, objektiv und ergebnisoffen die wissenschaftlichen, technischen und sozioökonomischen Informationen über den von Menschen verursachten Klimawandel bewerten. Das Gremium, dem Hunderte von Wissenschaftlern in aller Welt zuarbeiten, soll die Folgen und Risiken der Klimaveränderung abschätzen und ausloten, wie man sie abschwächen oder sich an sie anpassen kann.

Der IPCC führt keine eigenen Forschungsprojekte durch, sondern analysiert die Ergebnisse wissenschaftlicher Veröffentlichungen, die dem Peer-Review-Verfahren - der Prüfung von Fachartikeln durch unabhängige Gutachter - gefolgt sind. Mehr auf der Themenseite...
Arbeitsgruppen
Der IPCC hat bisher 1990, 1995, 2001 und 2007 Berichte über den Stand der Klimaforschung abgegeben. An dem Bericht sind drei Arbeitsgruppen beteiligt: Arbeitsgruppe I stellt den Stand der Klimaforschung dar, fasst Daten und Computersimulationen zusammen und trifft Aussagen über die künftige Entwicklung. Arbeitsgruppe II berichtet über die möglichen Folgen der Erwärmung für Mensch und Umwelt, Arbeitsgruppe III über mögliche Gegenmaßnahmen.
Ergebnisse bisher
Im ersten Klimareport des IPCC von 1990 war noch von einem natürlichen Treibhauseffekt die Rede, der von Emissionen des Menschen verstärkt werde. Der Bericht von 2007 aber gab die Verantwortung eindeutig dem Menschen - und sorgte so weltweit für Schlagzeilen.

Der Report basiert auf Hunderten Modellrechnungen, ausgefeilten Computermodellen, zahllosen Studien und Messreihen. 450 Hauptautoren liefern die bisher genaueste Beschreibung dessen, was die Temperatur der Atmosphäre etwa seit dem Jahr 1800 in die Höhe treibt. Am letzten Bericht des IPCC haben 2500 Experten sechs Jahre lang gearbeitet.

Scharfe Kritik an dieser Haltung der australischen Regierung kam von der Opposition. Die Regierung nehme den Klimawandel "überhaupt nicht ernst", sagte Labor-Umweltexperte Peter Garrett. "Die Haltung zeigt, dass die Regierung Howard nach zehn Jahren Untätigkeit in diesem Bereich sehr schlecht aufgestellt ist, um sich den im Weltklimabericht aufgezeigten Risiken entgegenzustellen."

Der Bericht hat unter anderem einen "bedeuten Verlust an Bio- Diversität" in Australiens Great Barrier Reef bis 2020 vorausgesagt. Umweltminister Turnbull siedelte dagegen ein Verschwinden des Riffs "so ziemlich am Ende der möglichen Szenarien" an. Australiens Schadstoff-Emission ist sehr hoch, da das Land über 80 Prozent seiner Elektrizität aus Kohlekraftwerken produziert.

Immerhin will sich Australien gemeinsam mit den USA verstärkt für den Schutz der Wälder einsetzten. Dies sei äußerst wichtig, um der drohenden Erderwärmung entgegen zu wirken, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung beider Länder. Das Dokument wurde gestern Abend in Washington vom australischen Umweltminister Turnbull und der amerikanischen Unterstaatssekretärin Paula Dobriansky vorgestellt.

Darin wird festgestellt, dass die Abholzung von Wäldern für etwa 20 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich sei. Deshalb sei ein Erhalt des noch vorhandenen Waldbestands vordringlich für den Klimaschutz, heißt es. Die australische Regierung hat unlängst eine Kampagne zum gezielten Schutz der einheimischen Wälder eingeleitet, was bei den USA jetzt auf viel Lob stieß. Wie Australien haben auch die USA das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet.

phw/AP/reuters/dpa



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