Erderwärmung Neue Statistik soll Skeptiker überzeugen

Nur rund ein Drittel aller US-Bürger glaubt an eine vom Menschen verursachte Erderwärmung. Mit einem Blindtest versuchen Statistiker jetzt, die Skeptiker vom Gegenteil zu überzeugen. Unterdessen sieht Australiens Regierung die Küsten durch den Klimawandel bedroht.

Steigende Meeresspiegel: Leben an Australiens Küsten könnte gefährlich werden
REUTERS

Steigende Meeresspiegel: Leben an Australiens Küsten könnte gefährlich werden


Washington/Sydney - In den USA nimmt die Zahl der Klima-Skeptiker zu: Einer aktuellen Studie des Pew Research Center zufolge glauben nur noch 57 Prozent, dass es handfeste Beweise für einen Temperaturanstieg auf der Welt gibt. Im April 2008 waren es noch 71 Prozent. Gleichzeitig nimmt die Zahl derer ab, die den Menschen als Ursache für die Erderwärmung sehen: Derzeit sind es nach Angaben des unabhängigen US-Meinungsforschungszentrums Pew nur noch 36 Prozent der Befragten, vergangenes Jahr waren es 47 Prozent.

Die kontroverse Diskussion und die große Skepsis über die globale Klimaerwärmung stellt ein großes Problem für die US-Klimapolitik dar: Der Umfrage nach hält es nur noch die Hälfte der US-Bürger für sinnvoll, den Ausstoß von Treibhausgasen politisch zu beschränken. Zudem behaupten einige Skeptiker sogar, die Erde würde sich nicht erwärmen sondern abkühlen.

Abkühlung nicht in Sicht

Jetzt meldet sich die internationale Nachrichtenagentur AP zu Wort und versucht, die Kritiker vom Gegenteil zu überzeugen. AP beauftragte vier unabhängige Statistiker mit einer Datenanalyse. Die Statistiker überprüften zwei Zusammenstellungen von Temperaturaufzeichnungen. Der Test erfolgte blind, die Wissenschaftler wussten also nicht, dass es sich bei den Datensätzen um Temperaturangaben handelte. Ihre Aufgabe war es lediglich, einen Trend aus den Zahlenreihen zu ermitteln. Außerdem arbeiteten die Statistiker getrennt voneinander. Diese Form des Blindversuchs gilt als geeignetes Mittel in der Statistik, die persönlichen Einstellungen und Ansichten der Forscher außen vor zu halten.

Die Analyse umfasste zwei Datenpakete. Grundlage waren einerseits Daten der US-Behörde für Meere und Atmosphäre (NOAA) über die Bodentemperaturen der vergangenen 130 Jahre sowie Satelliten-Daten aus dem Zeitraum von 1979 bis heute, die von Wissenschaftlern der Universität Alabama gesammelt werden und tendenziell eher niedriger sind als die Bodenwerte und daher häufig von Skeptikern als Referenzgröße angegeben werden.

Alle vier Forscher kamen zu dem gleichen Ergebnis: Sie konnten keinen Trend feststellen, wonach die Temperatur weltweit sinken würde. Vielmehr erwärmt sich die Erde immer weiter. Daten der US-Regierung zufolge werden die vergangenen Jahre einschließlich 2009 das wärmste Jahrzehnt in 130 Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen sein. 2005 war demnach das wärmste jemals registrierte Jahr.

Die Ergebnisse über einen weltweiten Temperaturrückgang werden meistens aus den Wetterberichten der letzten Jahre gezogen. Den US-Daten nach war es letztes Jahr im Durchschnitt kühler als in den Jahren zuvor. Zudem lägen superheiße Jahre wie 1998 oder 2005 schon eine Weile zurück, so die Skeptiker. Und seit 1998 sei die Temperatur weltweit gefallen.

Klimawandel bedroht Australiens Küste

Unterdessen hat ein aktueller Regierungsbericht die Klimadebatte in Australien in eine andere Richtung gelenkt: Demnach bedrohen der Klimawandel und der damit einhergehende steigende Meeresspiegel laut einer Studie die Küsten Australiens. Deshalb erwäge die Regierung, das Wohnen in gefährdeten Gebieten zu verbieten. Eine unabhängige Organisation werde die Sachlage prüfen. Im Küstenbereich leben 80 Prozent der Bevölkerung des Kontinents.

Die Frage sei von nationaler Bedeutung, und die Zeit zum Handeln sei gekommen, erklärte der Ständige Ausschuss für Klimawandel, Wasser, Umwelt und die Künste. Der Ausschuss sprach zugleich 47 Empfehlungen aus, wie sich das Land besser auf die Auswirkungen des Klimawandels vorbereiten könne. Dem Bericht gingen 18-monatige Forschungsarbeiten voraus.

cib/AP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.