Erdüberlastungstag 2020 Ab Samstag lebt die Menschheit ökologisch auf Pump

Wegen der Coronakrise rückt der Erdüberlastungstag erstmals seit Jahren weiter nach hinten: Am 22. August sind alle erneuerbaren Ressourcen verbraucht, die auf der Erde in diesem Jahr zur Verfügung stehen.
Schornstein eines Heizkraftwerks in Sachsen

Schornstein eines Heizkraftwerks in Sachsen

Foto: Michael Schöne / STAR-MEDIA / imago images

Der weltweite Ausbruch des Coronavirus hat Natur und Umwelt dieses Jahr ein wenig geschont. Für Deutschland hatte das am Mittwoch der Klimaschutzbericht gezeigt, denn plötzlich scheinen die Ziele der Bundesregierung zur Einsparung von Treibhausgasen für dieses Jahr wieder in Reichweite.

Einen ähnlichen Effekt offenbart nun der internationale Erdüberlastungstag, dessen Datum sich 2020 erstmals seit einigen Jahren wieder nach hinten verschoben hat. Er wird dieses Jahr am kommenden Samstag, den 22. August sein, teilten das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und mehrere Umweltschutzorganisationen mit. Ohne den Einbruch von Wirtschaft und öffentlichem Leben wäre der sogenannte Erdüberlastungs- oder Welterschöpfungstag dieses Jahr schon auf den 22. Juli gefallen.

Mit dem Tag berechnen Wissenschaftler, wann alle erneuerbaren Ressourcen, die die Erde innerhalb eines Jahres zur Verfügung stellen kann, theoretisch aufgebraucht sind. Die Idee ist, den Ressourcenverbrauch der Menschheit nach dem Vorbild eines unternehmerischen Buchhaltungssystems zu erfassen. Es soll eine belastbare Aussage darüber getroffen werden, wann das Konto nicht mehr gedeckt ist. Bis Ende Dezember wird die Menschheit deshalb auf Pump über ihre Verhältnisse leben. Allein für die eigene Nahrungsmittelversorgung beansprucht sie demnach bereits mehr als die Hälfte der gesamten irdischen Biokapazität.

Das Datum verlagerte sich in den vergangenen 20 Jahren nahezu kontinuierlich weiter nach vorn. Im Jahr 2000 fiel der Tag noch auf den 23. September, 2009 auf den 18. August und im vergangenen Jahr bereits auf den 29. Juli. Forscher berechnen auch einen nationalen Tag zum ökologischen Fußabdruck, den Deutschland hinterlässt. Würden alle Menschen so leben wie hierzulande, wären die Ressourcen 2019 bereits am 3. Mai aufgebraucht gewesen.

Der Ressourcenverbrauch liegt aktuell fast zehn Prozent unter dem des Vorjahres. Das sei eine direkte Folge des wirtschaftlichen Corona-Lockdowns in den meisten Ländern. Die wichtigsten Faktoren waren dabei nach PIK-Angaben der Rückgang des Holzschlags und der CO2-Emissionen. Die Menschheit verbraucht nach den Kalkulationen der Forscher derzeit aber immer noch 60 Prozent mehr Ressourcen als durch die Natur regenerierbar sind.

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Zum Erdüberlastungstag: Jeder Einzelne ist das Problem

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Die Berechnungen zum Weltüberlastungstag erstellen das Global Footprint Network, einer 2003 von Experten gegründeten international tätigen Nachhaltigkeitsorganisation mit Sitz in den USA, und die York University. Sie basieren auf dem Konzept des ökologischen Fußabdrucks. Für ihn werden zwei rechnerische Größen gegenübergestellt: Zum einen die biologische Kapazität der Erde zum Aufbau von Ressourcen sowie zur Aufnahme von Müll und Emissionen, zum anderen der Bedarf an Wäldern, Flächen, Wasser, Ackerland und Fischgründen, den die Menschen derzeit für ihre Lebens- und Wirtschaftsweise verbrauchen. Gegenwärtig machen die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brenn- und Treibstoffe 57 Prozent des ökologischen Fußabdrucks der Menschheit aus.

joe/dpa
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