Erfolgsmeldung von BP Mission Schlammspritze geglückt

Monatelang sprudelte Öl in den Golf von Mexiko - jetzt meldet BP einen entscheidenden Erfolg im Kampf gegen die Umweltkatastrophe. Die "Static Kill"-Aktion zur Versiegelung des Lecks sei erfolgreich verlaufen. Sicherheitshalber sollen die zusätzlichen Entlastungsbohrungen aber weitergehen.


New Orleans - Es ist der wahrscheinlich letzte Akt der Ölpest im Golf von Mexiko. Seit Dienstagabend versucht der Ölkonzern BP, die leckende Ölquelle im Golf von Mexiko mit dem "Static Kill"-Verfahren abzudichten. Dabei werden mit hohem Druck zuerst Spezialschlamm und dann Zement in das provisorisch abgedichtete Bohrloch gepumpt.

Nun meldet BP einen Erfolg der Aktion, bereits wenige Stunden nach dem Beginn der Arbeiten. Der Druck des Bohrlochs werde durch den eingepumpten Schlamm "kontrolliert", hieß es in der Pressemitteilung der Firma. Der Einsatz habe das gewünschte Ergebnis erbracht. Mehr als drei Monate nach der Explosion der Plattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko scheint das defekte Bohrloch nun also zumindest zeitweise verschlossen.

Doch die Erfolgsmeldung von BP ist durchaus mit Vorsicht zu genießen, denn vieles kann noch schiefgehen. Man beobachte die Ölquelle ständig, möglicherweise müsse man weiteren Schlamm nachpumpen, erklärte das Unternehmen. Läuft alles weiter nach Plan, muss als Nächstes Zement in das Bohrloch gepumpt werden.

Um auf Nummer sicher zu gehen, verfolgt BP weiterhin einen zweiten Ansatz zur Versiegelung der Quelle, einen "Bottom Kill". Dabei werden durch eine Entlastungsbohrung auch am unteren Ende der Bohrleitung Schlamm und Zement eingefüllt. Seit fast drei Monaten arbeiten Ingenieure an den zwei Entlastungsbohrungen. Für den Fall, dass die erste Bohrung ihr Ziel verfehlt, soll die zweite Bohrung in einigen Wochen eine weitere Chance offenhalten. Für den "Bottom Kill" veranschlagen Experten einige Tage bis mehrere Wochen.

Bereits jetzt steht fest, dass die Explosion der "Deepwater Horizon" am 20. April die größte Ölkatastrophe in Friedenszeiten ausgelöst hat. Laut dem US-Krisenstab strömten innerhalb von drei Monaten rund 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer. Davon konnten demnach rund 127 Millionen Liter abgefangen werden. Erst im Juli konnte das Leck mit einer riesigen Verschlusskappe provisorisch abgedichtet werden.

Gemessen an den neuen Schätzungen über die ausgelaufenen Ölmenge droht BP eine Entschädigungsforderung der US-Regierung in Höhe von 17,6 Milliarden Dollar (rund 13 Milliarden Euro). Pro Barrel ausgelaufenen Rohöls kann laut US-Recht eine Strafe von bis zu 4300 Dollar fällig werden. Bislang bildete BP Rücklagen in Höhe von 32,2 Milliarden Dollar.

Einen Teil der Kosten will BP offenbar auf Subunternehmer abwälzen. Nach eigenen Angaben stellte BP den Partnerfirmen Mitsui und Anadarko Rechnungen in Höhe von insgesamt knapp 1,3 Milliarden Dollar aus. Die wirtschaftlichen und ökologischen Gesamtschäden lassen sich bislang kaum abschätzen.

Die zehn größten Öl-Unfälle auf dem Meer

Datum Bezeichnung Eigner Unglücksort Freigesetzte Ölmenge (Tonnen) Ursache
April 2010 Deepwater Horizon BP Golf von Mexiko 670.000 (Stand 2. August 2010) Unglück auf Bohrinsel Deepwater Horizon. Blowout.
Juni 1979 Ixtoc I Pemex Golf von Mexiko 450.000 bis 480.000 Unglück auf einer Ölplattform. Blow-out.
Juli 1979 Atlantic Empress griechisches Schiff, in Liberia registriert vor Tobago, Karibische Inseln 287.000 Tankerunglück. Kollision mit dem Tanker "Aegean Captain".
Februar 1983 Nowruz-Ölfeld ? Persischer Golf 260.000 Kollision Tanker mit Bohrinsel, Kriegsfolgen des ersten Golfkriegs.
August 1983 Castillo De Bellver ? Saldanha Bay, Südafrika 252.000 Tankerunglück. Brand.
März 1978 Amoco Cadiz BP (GB) / Amoco (USA) vor der bretonischen Küste 223.000 Tankerunglück. Ruderausfall mit anschließendem Felsenauflauf.
Mai 1991 ABT Summer ? 1000 km vor Angola 49.000 bis 255.000 Tankerunglück.
April 1991 Haven Amoco (USA) Golf von Genua, Italien 144.000 Tankerunglück. Brand.
November 1988 Odyssey ? Kanada 132.000 Tankerunglück. Brand.
März 1967 Torrey Canyon Unocal (USA), gechartert von BP (GB) vor der Küste Südenglands 119.000 Tankerunglück. Kollision mit Riff.

Quelle: Wikipedia

chs/mmq/apn/AFP/dpa

insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
baschy 04.08.2010
1. Münchhausen...
...läßt grüßen. Ich glaub von diesen Meldungen erst etwas wenn Unabhängige an die "Unglückstelle" können und ihre eigenen Untersuchungen anstellen dürfen. Und dann zum Ergebnis kommen: Das Bohloch sei verschlossen! Abgesehen davon ist das Verhalten von BP in den nächsten Jahren mit viel Aufmerksamkeit zu betrachten, ob diese Kreaturen wirklich Ihren Verpflichtungen nachkommen Geld in die Säuberung und bekämpfung der Spätfolgen ausgeben. Und wenn ja wieviel und wofür. Ich denke da wird es einige schöne Geschichten geben...
frubi 04.08.2010
2. .
Zitat von sysopMonatelang sprudelte Öl in den Golf von Mexiko - jetzt meldet BP einen entscheidenden Erfolg im Kampf gegen die Umweltkatastrophe. Die "Static Kill"-Aktion zur Versiegelung des Lecks sei erfolgreich verlaufen. Sicherheitshalber sollen die zusätzlichen Entlastungsbohrungen aber weitergehen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,710039,00.html
Kann bitte jedes Wort das irgendwie mit "ERFOLG" zu tun hat, im Zusammenhang mit dem Öl-Leck weggelassen werden? Wo bitte ist das ganze denn ein Erfolg? Selbst wenn das Loch zu sein sollte wäre das ganze trotzdem immer noch eine Katastrophe.
Baracke Osama, 04.08.2010
3. --
Zitat von baschy...läßt grüßen. Ich glaub von diesen Meldungen erst etwas wenn Unabhängige an die "Unglückstelle" können und ihre eigenen Untersuchungen anstellen dürfen. Und dann zum Ergebnis kommen: Das Bohloch sei verschlossen! Abgesehen davon ist das Verhalten von BP in den nächsten Jahren mit viel Aufmerksamkeit zu betrachten, ob diese Kreaturen wirklich Ihren Verpflichtungen nachkommen Geld in die Säuberung und bekämpfung der Spätfolgen ausgeben. Und wenn ja wieviel und wofür. Ich denke da wird es einige schöne Geschichten geben...
Ich bin mehr als enttäuscht von SPON, die stolz darüber berichten, dass das Leck zu ist. Dabei wissen viele nicht, dass es in Wirklichkeit 2 Lecks sind. Das ist eauch belegbar. BP zeigt nur die Bilder, welche die ahnungslosen "Zuschauer" sehen dürfen. Nachdem wir erfahren haben, dass die Bilder manipuliert wurden, sollte man genauer hinschauen, und siehe da, wenn man die Koordinaten des Lecks (linke obere Ecke) vergleich, stellt man Abweichungen fest. Wandert das Leck durch die Gegend? Mir liegt auch ein Dokument vor, in dem von 2 "Exploration Drills" (und nicht Öl-Förder-Bohrungen) die Rede ist. Warum werden wir nicht richtig informiert?
cesimbra 04.08.2010
4. Angeblich falsche Positionsdaten; Bohrungstyp
Zitat von Baracke OsamaIch bin mehr als enttäuscht von SPON, die stolz darüber berichten, dass das Leck zu ist. Dabei wissen viele nicht, dass es in Wirklichkeit 2 Lecks sind. Das ist eauch belegbar. BP zeigt nur die Bilder, welche die ahnungslosen "Zuschauer" sehen dürfen. Nachdem wir erfahren haben, dass die Bilder manipuliert wurden, sollte man genauer hinschauen, und siehe da, wenn man die Koordinaten des Lecks (linke obere Ecke) vergleich, stellt man Abweichungen fest. Wandert das Leck durch die Gegend? Mir liegt auch ein Dokument vor, in dem von 2 "Exploration Drills" (und nicht Öl-Förder-Bohrungen) die Rede ist. Warum werden wir nicht richtig informiert?
Beide Quellen waren Explorationbohrungen, die Deepwater Horizon war eine Explorationsplattform und nie zur Produktion geeignet. Die Angaben zu den sich angeblich ändernden Lokationen des Lecks sind schlichtweg falsch. Vermutlich hat da jemand nicht zwischen Northings und Eastings in feet bzw. Meter unterscheiden oder hat sogar schlichtweg überhaupt keinen Plan oder arbeitet mit falschen Daten -- ich vermute Zweiteres (keinen Plan, aber Maul aufreissen). Wir beobachten die ROV-Feeds von Anfang an seit Monaten in einer nicht kleinen Community, so einige von uns -- ja, da schliesse ich mich ein -- dürften mittlerweile mehr davon verstehen als die meisten Journalisten, die üer das Thema schreiben -- jede irreführende Behauptung über vorgeblich inkonsistente Ortsangaben wurde bisher gründlich "debunked". Haben Sie eine Quelle für Ihre Behauptung, die Sie hier anführen können? Es wird mir höchstwahrscheinlich ein Leichtes sein, Ihre Quelle innerhalb weniger Minuten komplett zu zerlegen. cu Thomas
bgmk1 04.08.2010
5. Erfolgsmeldung von BP: Mission Schlammspritze geglückt
Ist doch Quatsch: static kill - bottom kill. Wenn tatsächtlich "Static kill" mit Erfolg durchgefuehrt werden sollte, ist "Bottom kill" durch die sog. Entlastungsbohrung nicht mehr möglich, da dies eine nach oben offene Bohrung erfordert . Die "Entlastungsbohrungen" sind ganz normale Förderbohrungen um dann, wenn "Gras" ueber die Sache gewachsen ist oder auch frueher, das Feld auszubeuten. Schliesslich muss ja der Schaden bezahlt werden. "Schoen, dass die Oeffentlichkeit darueber richtig informiert wird!!:)"
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.