Erste Hominiden Schon früh ging's aufrecht durchs Leben

Vor sechs Millionen Jahren waren die ersten Vormenschen kaum von den Schimpansen zu unterscheiden. Doch schon damals pflegten, wie Forscher nun in Kenia entdeckt haben, einige Hominiden den aufrechten Gang.


Forscher Eckhardt, Homoniden-Knochen: "Beginn der menschlichen Linie"
Penn State, Greg Grieco

Forscher Eckhardt, Homoniden-Knochen: "Beginn der menschlichen Linie"

Erst die Computeranalyse brachte es an den Tag: Der versteinerte Oberschenkelknochen, den Forscher vor vier Jahren aus der Erde Kenias gegraben hatten, wies deutliche Spuren des aufrechten Ganges auf.

Im Prinzip nichts Ungewöhnliches für einen Hominiden, einen frühen Vorfahren der heutigen Menschen: Auch das wohl berühmteste Hominiden-Skelett, die 1974 in Äthiopien entdeckte "Lucy", zeigt eindeutige Anpassungen an den aufrechten Gang. Doch während "Lucy" gerade einmal drei Millionen Jahre alt ist, sind die in Kenia entdeckten Knochen mit sechs Millionen Jahren rund doppelt so alt.

"Wir haben eindeutige Hinweise darauf, den frühesten aufrechten Gang eines Hominiden entdeckt zu haben", sagt Robert Eckhardt von der Pennsylvania State University. Zusammen mit Kollegen aus Frankreich und den USA berichtet der Paläontologe im Fachmagazin "Science" von den erstaunlichen Knochenstrukturen, die bei der Untersuchung im Computertomographen sichtbar wurden.

Aufrechte Vormenschen

Demnach weist der Oberschenkel des frühen Hominiden eindeutige Spuren der Belastung durch eine aufrechte Haltung auf. Während sich die Statur des Vormenschen kaum von der eines Affen unterschieden hat, werden beim Oberschenkel deutlich Abweichungen sichtbar - der Knochen ähnelt sogar dem eines modernen Menschen.

"Bei den heutigen Schimpansen und Gorillas sind die oberen und unteren Teile des Oberschenkelkopfes praktisch gleich dick", erklärt Eckhardt, "bei den heute lebenden Menschen ist das Oberteil dagegen um den Faktor vier dünner als der darunter liegenden Abschnitt." Beim sechs Millionen Jahre alten Oberschenkel aus Kenia haben die Forscher einen Faktor drei ermittelt.

Offensichtlich war der frühe Hominid auf seinem Weg vom vierfüßigen zum aufrechten Gang beinahe am Ziel angekommen. Für Eckhardt und sein Team ist jedenfalls klar: Die Knochenfunde von Kenia deuten auf eine Population hin, die "den Beginn der menschlichen Linie einleitet".



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