Eruption auf Island Vulkanasche stoppt Flugverkehr in Großbritannien

Die Vulkaneruption auf Island hat gravierende Folgen für den Flugverkehr in Europa: Wegen kilometerhoher Aschewolken wurde der Luftraum in Großbritannien und Norwegen komplett gesperrt, auch Lufthansa-Flüge fallen aus. Finnland, Schweden und Dänemark melden erste Probleme.


London - Erst war nur Nordschottland betroffen, dann eskalierte die Lage. Nun steht fest: Der gesamte britische Luftraum wird wegen des Vulkanausbruchs in Island ab 13 Uhr gesperrt -das teilten die Behörden am Donnerstag mit. Hunderte Flüge in Großbritannien, Irland und Skandinavien wurden wegen der Asche aus dem Vulkan Eyjafjallajökull abgesagt. Der Eyjafjallajökull war am Mittwoch zum zweiten Mal binnen vier Wochen ausgebrochen. Dampf und Rauch stiegen kilometerweit in die Höhe. Vulkanasche stelle eine bedeutende Bedrohung für die Sicherheit von Flugzeugen dar, erklärte die britische Flugsicherung.

Wegen des Vulkanausbruchs auf Island hat die Lufthansa mehrere Flüge nach Großbritannien und Skandinavien gestrichen. Ab etwa 12 Uhr werde es auch keine Flüge mehr zum Londoner Großflughafen Heathrow geben, sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow am Donnerstag. Auf der Langstrecke nach Nordamerika gebe es teilweise Verspätungen von wenigen Flugminuten, da die Rauchwolken des Vulkans südlich umflogen werden müssten.

Gestrichen werden mussten auch Flüge nach Birmingham und Manchester in Großbritannien sowie Stavanger in Norwegen. Nach Heathrow fliegt die Lufthansa normalerweise etwa 30 Mal am Tag. Die Deutsche Flugsicherung in Langen bei Frankfurt erklärte, die Piloten würden über geschlossene Luftraum-Sektoren informiert. Lufthansa empfahl ihren Kunden, sich über die Webseite www.lufthansa.com zu informieren.

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Vulkanausbruch in Island: Asche behindert Flugverkehr
Auch Norwegen hat seinen Luftraum bereits geschlossen. Die Behörden in Schweden und Dänemark kündigten ähnliche Schritte als möglich an. Ein Sprecher der Fluggesellschaft SAS sagte, dass die Verbote "schlimmstenfalls über mehrere Tage gelten können". Auch die finnischen Behörden meldeten Beeinträchtigungen wegen der Asche auf Strecken über Wasser zwischen Norwegen, Nordschweden, Nordfinnland und Großbritannien.

In Schweden ist seit den frühen Morgenstunden der Luftverkehr im nördlichen Landesteil gestoppt, in Dänemark über der Nordsee. Aus beiden Ländern verlautete, dass je nach Windentwicklung bis zum Abend die komplette Schließung des Luftraums nicht auszuschließen sei.

Auf Island mussten 800 Anwohner in Sicherheit gebracht werden. Die Eruption unter den rund 200 Meter dicken Gletschermassen ließ Eis tauen; schwarzer Rauch und weißer Dampf stiegen über dem Krater auf. Das Schmelzwasser flutete die Täler.

Die Wassermassen drohten, eine Schnellstraße und mehrere Brücken zu beschädigen. Um die Fluten abzuleiten und Druck abzubauen, seien an mehreren Stellen Durchbrüche durch den Straßendamm gegraben worden. Aus drei noch am Morgen sichtbaren Löchern in der Eisdecke des Gletschers habe sich ein durchgehender, zwei Kilometer langer Riss gebildet, sagte ein Behördenvertreter.

Am 21. März hatte es zuletzt größere Eruptionen unter dem Eyjafjallajökull-Gletscher gegeben, ohne dass Menschen zu Schaden kamen. Er war erst am Montag erloschen, wie der staatliche Rundfunk berichtete.

Wie lang der neuerliche Ausbruch andauern wird, lässt sich nicht vorhersagen. Örtliche Geoforscher fürchten, die Vulkanaktivitäten könnten den nahe gelegenen Vulkan Katla wachrütteln. Katla liegt unter einer dicken Eisschicht. Würde hier ein Ausbruch stattfinden, drohten starke Überschwemmungen und explosionsartige Stöße.

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Vulkanausbruch auf Island: Feuer im Eis

boj/itz/AFP/dpa-AFX/Reuters



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