Berlin - Die globale Erwärmung macht sich nicht überall auf so spektakuläre Art bemerkbar wie mit dem Abschmelzen der Arktis oder mit Naturkatastrophen in tropischen Gebieten. Tausende Tier- und Pflanzenarten werden einen stillen Tod sterben - auch in Deutschland, wie jetzt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) warnt.
"Besonders betroffen von der Erderwärmung sind Arten, die in Gewässern, Mooren, im Hochgebirge oder an den Küsten leben", sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel der "Berliner Zeitung". Auch Zugvögel wie der Pirol oder der Gartenrotschwanz seien stark gefährdet. Als Gründe nennt Deutschlands oberste Naturschutzbehörde unter anderem die zu erwartende zunehmende Trockenheit und die sinkenden Grundwasserspiegel.
Für ebenso bedenklich wie den Artenschwund hält das BfN den Zuzug neuer Arten, die zumeist aus dem Süden nach Deutschland kommen, sowie die zunehmende Verbreitung von Krankheitsüberträgern. "Das Auftreten von Moskitos und Zecken wird zunehmen und damit auch Krankheiten wie Borreliose oder Hirnhautentzündungen", sagte Jessel.
Neu eingeschleppte Pflanzen könnten zudem das Allergierisiko für den Menschen erhöhen. Auch werde es mehr Borkenkäfer geben, die die heimischen Wälder schädigten. "Der Zuzug und das Verschwinden bestimmter Arten lassen sich nicht mehr aufhalten", sagte Jessel. "Denn der Klimawandel findet bereits statt."
Verschärft wird der dramatische Befund durch die ohnehin schrumpfenden Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen. So würden immer mehr Böden zubetoniert und Landschaften durch Straßen zerschnitten, so die Behörde. Auch die intensive Land- und Forstwirtschaft wirke sich negativ aus.
Konkrete Zahlen dazu liefert laut BfN die aktuelle Rote Liste zu den unterschiedlichen Lebensräumen in Deutschland. Danach gelten
mehr als 70 Prozent der untersuchten Biotope als gefährdet oder akut gefährdet. Von den rund 14.000 erfassten Pflanzenarten sind fast 30 Prozent in ihrem Bestand bedroht, knapp vier Prozent gelten als ausgestorben oder verschollen.