Esa-Teleskop "Planck"ergründet die Geschichte des Universums

Woher kommt unser Universum? Wohin geht es? Im März veröffentlichte die Esa Messungen ihres Weltraumteleskops "Planck". Sie sollen dabei helfen, diese fundamentalen Fragen zu klären - und brachten ein paar neue Rätsel.

Esa/ Planck Collaboration

Manch einer hatte auf eine Revolution in der Kosmologie gehofft - und wurde in gewisser Weise enttäuscht. Als die Europäische Weltraumorganisation (Esa) im März die Ergebnisse ihres Weltraumteleskops "Planck" vorstellte, ging es um nicht weniger als die Fragen, woher unser Universum kommt und wohin es geht. Der Satellit hatte eine hochpräzise Karte des Mikrowellen-Hintergrundes im Universum geliefert. Darauf zu erkennen: extrem schwache Temperaturschwankungen, die aus der Zeit unmittelbar nach dem Urknall stammen.

Bei der Pressekonferenz in Paris zeigte sich: "Plancks" Messungen waren so genau wie nie zuvor - und sie bestätigten im Wesentlichen eine bisherige Annahme: Das All dehnt sich seit dem Urknall aus. Für eine revolutionäre neue Physik schien es in den Daten keine Argumente zu geben. Wissenschaftler, die etwa mit der Idee eines zyklischen Universums liebäugeln, also einem Ort, der sich immer wieder ausdehnt und zusammenzieht, werden es in Zukunft wohl schwerer haben.

Die "Planck"-Daten zeigten, dass unser Weltall mit 13,82 Milliarden Jahren wohl etwas älter ist als bisher vermutet. Außerdem ist es etwas anders zusammengesetzt:

  • Dunkle Materie: 26,8 Prozent (bisher vermutet: 22,7 Prozent)
  • Gewöhnliche Materie: 4,9 Prozent (bisher vermutet: 4,5 Prozent)
  • Dunkle Energie: 68,3 Prozent (bisher vermutet: 72,8 Prozent)

Doch das ist längst nicht alles, denn "Planck" warf auch einige ziemlich anspruchsvolle Fragen auf. Da gibt es zum Beispiel eine verblüffende Asymmetrie, die sich laut den Messungen bei den Durchschnittstemperaturen in entgegengesetzten Himmelsrichtungen zeigt. Eigentlich sollte das Universum gleich aussehen, egal in welche Richtung man schaut. Doch die "Planck"-Daten geben das nicht her.

Warum, das muss noch geklärt werden. Und das ist längst nicht die einzige beobachtete Anomalie. Auf der Suche nach Antworten soll auch die nächste Lieferung kosmologischer Daten helfen, die für Anfang 2014 vorgesehen ist. Sie müssen mühevoll aus dem Rohmaterial aufbereitet werden.

Inzwischen ist "Plancks" Karriere als Datensammler allerdings zu Ende. Weil dem Teleskop das flüssige Helium zur Kühlung der Instrumente ausgegangen war, wurde es Ende Oktober endgültig abgeschaltet. Zuvor hatte auch nur noch eines der beiden Messgeräte funktioniert.

Nun zieht das verdienstvolle Observatorium etwa 1,5 Millionen Kilometer außerhalb der Erdbahn still dahin, am sogenannten Lagrangepunkt 2. Und zwar für lange Zeit. Bei der Esa hat man ausgerechnet, dass das Schwerefeld der Erde "Planck" in frühestens 300 Jahren wieder einfangen dürfte.

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chs



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