Ethik-Streit Protestanten stellen sich gegen therapeutisches Klonen

Die evangelische Kirche stellt sich kategorisch gegen das Klonen menschlicher Zellen - ob es medizinischen Zwecken dient oder der Reproduktion, ist ihr egal. Weltweit wird nach dem jüngsten Forschungserfolg zweier Koreaner heftigst über Stammzellenforschung gestritten - US-Präsident Bush kündigte an, eine Lockerung der US-Gesetze per Veto zu blockieren.


Erster europäischer Klon-Embryo aus Großbritannien: Umstrittener Fortschritt
DPA

Erster europäischer Klon-Embryo aus Großbritannien: Umstrittener Fortschritt

Hamburg/Washington - Die jüngste Wortmeldung ind er Diskussion stammt vom Vizepräsidenten des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Hermann Barth. Im NDR lehnte er das therapeutische Klonen ab. Er verwies darauf, dass für das therapeutische und reproduktive Klonen dieselben Verfahren angewandt würden. In beiden Fällen würden Embryonen geschaffen, die voll entwicklungsfähig seien.

"Ich finde das eine etwas eigentümliche Spannung, dass wir weltweit eine Bestrebung haben, das reproduktive Klonen zu ächten und gleichzeitig genau die Technik, mit der man das machen könnte, über den Weg des sogenannten therapeutischen Klonens entwickeln", sagte der Theologe. Er gehört auch dem Nationalen Ethikrat in Deutschland angehört. Diese Art der "verbrauchenden Embryonenforschung" sei ethisch nicht akzeptabel.

Südkoreanische Forscher hatten erstmals embryonale Stammzellen gewonnen, indem sie menschliche Eizellen mit Körperzellen unheilbar Kranker verschmolzen und damit eine neue Ethik-Debatte ausgelöst. Nahezu zeitgleich gelang Forschern an der britischen University of Newcastle die Erzeugung des ersten europäischen Klon-Embryos. Auch der US-Präsident reagierte darauf und kündigte am Abend an, mit seinem Vetorecht würde er jedes Gesetz zu Fall bringen, das die staatliche Förderung des Klonens menschlicher Embryos wieder erlauben würde. "Das Klonen macht mich äußerst betroffen", sagte er. "Und ich sorge mich über eine Welt, in der das Klonen akzeptiert wird." Trent Duffy, stellvertretender Sprecher des Weißen Hauses, warf den südkoreanischen Forschern um Hwang Woo Suk vor, einzig aus Forschungsgründen Menschen zu klonen. "Der Präsident ist dagegen", sagte Duffy.

Bushs Attacke, vorgetragen beim "National Catholic Prayer Breakfast", hatte durchaus aktuellen Anlass. Das Repräsentantenhaus soll kommende Woche über einen brisanten Gesetzentwurf entscheiden, der Bushs 2001 verhängtes Verbot der staatlichen Finanzierung von Forschung an embryonalen Stammzellen aufheben würde. Dass die Abstimmung knapp ausgehen könnte, zeigt schon die Tatsache, dass neben der Demokratin Diane DeGette auch Mike Castle für den Gesetzentwurf verantwortlich zeichnet - ein Parteifreund Bushs.

Weniger dogmatisch als im Weißen Haus gibt man sich dagegen im Berliner Kanzleramt. Nachdem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet hatte, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wolle das Embryonenschutzgesetz lockern und für unbeschränkte Stammzellforschung in Deutschland eintreten, signalisierte die Regierung heute Bewegungsbereitschaft.

Eine grundsätzliche Öffnung der Stammzellenforschung sei zwar nicht geplant, sagte Regierungssprecher Bela Anda. Aber schon in zwei Jahren sollen die gesetzlichen Regelungen überprüft werden. "Deutschland ist bereit, sich in diesem sensiblen Bereich zu bewegen", sagte Anda. Derzeit ist in Deutschland das Klonen menschlicher Embryonen und deren Benutzung zur Gewinnung von Stammzellen grundsätzlich verboten.

Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) präzisierte später die Pläne der Regierung: Sollten therapeutische Anwendungen des therapeutischen Klonens künftig möglich sein, "muss auch im Bundestag die Debatte über gesetzliche Regelungen neu geführt werden".



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.