Beschluss gegen Plastikbeutel EU will Umwelt vor Tüten behüten

EU-Staaten dürfen künftig Plastiktüten besteuern - oder gleich ganz verbieten. Das Ziel: Kunden sollen nur noch 40 Beutel pro Jahr verbrauchen.
Weggeworfene Plastiktüten (Archiv): Besteuern oder verbieten?

Weggeworfene Plastiktüten (Archiv): Besteuern oder verbieten?

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Brüssel/Hamburg - Die Europäische Union hat Plastiktüten den Kampf angesagt. Um die Zahl der umweltschädlichen Einwegtüten zu senken, dürfen die EU-Staaten künftig die Beutel besteuern oder national sogar verbieten. Das beschlossen die zuständigen Minister am Montag in Brüssel.

Zudem sollen sich die Staaten konkrete Ziele setzen, damit die Menschen ihre Einkäufe nicht mehr so häufig in Plastiktaschen nach Hause tragen. Jeder Bürger in Europa soll bis Ende 2025 im Schnitt nur noch 40 Beutel pro Jahr verbrauchen - im Jahr 2010 waren es noch 176 Einwegtüten.

Nicht betroffen von dem Vorhaben sind robuste Mehrfachtüten oder extrem dünne Tüten, die für Obst und Gemüse gebraucht werden. Die Pläne treten 20 Tage nach Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft, was in den nächsten Tagen erwartet wird.

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Plastikabfall: Der Müll im Meer

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Bei der Umsetzung der EU-Vorgaben gegen zu viele Plastiktüten prüft die Bundesregierung auch eine mögliche Tüten-Abgabe. "Die Maßnahmen können sowohl regulatorischer als auch freiwilliger Art sein", sagte eine Sprecherin von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Montag.

Die Regierung hat aber noch nicht entschieden, wie sie die Vorgabe umsetzen will, die auch Steuern oder Sondergebühren erlaubt. Das Umweltbundesamt (UBA) hatte vorgeschlagen, Plastiktüten etwa in Kaufhäusern und Bekleidungsgeschäften nicht mehr umsonst abzugeben.

"Nach dem endgültigen Inkrafttreten der Richtlinie werden wir im Dialog mit Umwelt- und Verbraucherverbänden, den Ländern sowie mit der betroffenen Wirtschaft mögliche Maßnahmen zur weiteren Senkung des Verbrauchs an Kunststofftragetaschen erörtern", sagte die Sprecherin. Es gebe positive Signale des Handels zur Kooperation.

Zunächst gibt es aber noch eine dreimonatige Einspruchsfrist für das Europaparlament, die die Bundesregierung abwarten dürfte. Im Januar war Hendricks eine von 118.000 Menschen unterzeichnete Petition zur Eindämmung des Tütenverbrauchs überreicht worden. Dabei geht es um eine Umweltabgabe auf alle Plastiktüten von 22 Cent. Allein 5000 Tüten würden innerhalb von zehn Minuten in Berlin ausgegeben.

Gefahr für Meereswesen

Plastikabfall verschmutzt unter anderem die Weltmeere und gefährdet Tiere. Der Großteil stammt von Schiffen und aus der Fischerei. Eines der größten Probleme: Es kann bis zu 450 Jahre dauern, bis sich die Kunststoffe zersetzen. Dabei gelangen Gifte in die Meeresumwelt.

Für viele Meerestiere werden Plastiktüten zur Bedrohung. Schildkröten zum Beispiel verwechseln sie mit Quallen, ihrer Lieblingsspeise, sie könnten ersticken. Seevögel und Seehunde halten kleinere Plastikpartikel für Nahrung, fühlen sich gesättigt und verhungern. Andere Meereslebewesen verheddern sich im Plastikmüll und kommen qualvoll ums Leben.

Ist der Müll im Laufe der Zeit in mikroskopisch kleine Partikel zerfallen, drohen weitere Gefahren. Denn sie binden bereits verbotene Pestizide oder Insektizide an ihrer Oberfläche und transportieren diese in die Nahrungskette - letztlich auch mit Folgen für den Menschen, der das Gift durch den Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten aufnimmt.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie wurden 2010 weltweit 275 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert. Die nachfolgende interaktive Karte zeigt den Anteil des Plastikmülls, der 2010 in die Umwelt gelangte, und die unsachgemäß entsorgte Plastikmenge je Person und Land.

boj/dpa