Kraftstoffe EU-Umweltausschuss fordert Begrenzung von Biosprit

Stoppschild für das vermeintliche Öko-Benzin: Der EU-Umweltausschuss will den Anteil von Biosprit im Verkehrssektor begrenzen. Der Bauernverband tobt, Umweltschützer sind erleichtert - denn Biotreibstoffe genießen inzwischen einen äußerst zweifelhaften Ruf.
Deckel drauf: Künftig soll in der EU weniger Biokraftstoff in den Autotank

Deckel drauf: Künftig soll in der EU weniger Biokraftstoff in den Autotank

Foto: Robert Schlesinger/ picture alliance / dpa

Biosprit könnte in der EU in Zukunft eingeschränkt werden: Bis 2020 sollen Biokraftstoffe, die etwa aus Mais, Raps oder Palmöl hergestellt werden, nur 5,5 Prozent der erneuerbaren Energien im Verkehrssektor ausmachen. Das hat der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments heute in einer Vorentscheidung beschlossen.

Nach dem Beschluss werden Biokraftstoffe, deren Produktion mit unerwünschten Nebeneffekten für Nahrungsmittelsicherheit und die Umwelt verbunden sind, mit einem Malus belegt. Das erschwert ihre Anrechnung auf die Ziele der EU-Richtlinien. Bis 2020 sollen insgesamt zehn Prozent der im Transportsektor eingesetzten Energie aus erneuerbaren Quellen stammen.

Die Regelung soll verhindern, dass die Treibstoff-Produktion die Herstellung von Nahrungsmitteln beeinträchtigt. Denn Land, das zum Beispiel für den Anbau von Ethanol-Mais benutzt wird, steht folglich nicht mehr für den Anbau von Nahrungsmitteln zur Verfügung. Eine Studie hatte erst kürzlich gezeigt, dass die Hälfte des Landes, das inzwischen für den Anbau für Ethanol-Mais benutzt wird, vorher für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt wurde. Beim Weizen liegt diese Quote sogar bei 60 Prozent.

Auch in anderen Bereichen gilt Biosprit inzwischen als diskreditiert. In Sachen Klimaschutz schadet er mehr als er nützt, und auch zur Energiewende in Deutschland kann er kaum beitragen, wie eine Studie der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ergeben hat. Auch die Autofahrer möchten sich mit dem Biosprit nicht anfreunden: Obwohl der E10-Kraftstoff mit zehn Prozent Bioethanol-Anteil Anfang 2011 eingeführt wurde, haben Tankstellen 2012 schätzunsgweise sechsmal mehr E5-Benzin verkauft.

Umweltverbände wie der WWF begrüßen die Entscheidung des EU-Ausschusses: "Biosprit, so wie er heute hergestellt wird, muss an Europas Tankstellen ausgelistet werden", sagt Jenny Walther-Thoß vom WWF Deutschland. "Der Ausschuss hat durch die Deckelung des Einsatzes von landnutzungsbasierten Kraftstoffen den ersten grundsätzlichen Entschluss für mehr Nachhaltigkeit gefasst."

Noch Raum zum Schummeln

Auch der SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen lobte das Abstimmungsergebnis: "Wir beenden die Flächenkonkurrenz von Nahrungsmitteln und Treibstoffen, und dadurch sinken die Treibhausgas-Emissionen." Zudem fördere man so die Nutzung "wirklich klimafreundlicher Biokraftstoffe der zweiten Generation". Dazu zählten Rohstoffe, die nicht als Nahrungsmittel dienten – zum Beispiel Abfälle, Algen und Bakterien. Der aktuelle EU-Vorschlag sieht vor, dass bis 2020 zwei Prozent der Kraftstoffe aus solchen Quellen stammen.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) kritisierte dagegen das Votum: Er sprach von einem "faktischen Rückwärtsgang für heimische Biokraftstoffe". Der Umweltausschuss habe auf die "ideologisch geführte Debatte" um "Teller oder Tank" reagiert. Tatsächlich verbinde Agrarwirtschaft die Lebensmittel- und Energieversorgung miteinander.

Die Beschlussvorlage geht nun ins Plenum, das nach der Sommerpause darüber abstimmen soll. Das Europaparlament ist in der Frage gespalten. Nach der Abstimmung im Plenum beginnen die Verhandlungen mit dem Rat, in dem die 28 EU-Staaten vertreten sind. Auch dort gehen die Meinungen auseinander. Die Grünen-Vorsitzende Rebecca Harms erwartet schwierige Verhandlungen, nicht zuletzt wegen der "massiven Agrar-Lobby".

dal/AFP
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