Europawetter Sommer 2010 knackt den Hitzerekord

Die Hitzewelle im vergangenen Jahr war noch stärker als die von 2003. Die beiden Sommer gehören in Europa zu den extremsten im vergangenen halben Jahrtausend. Hitzewellen erwarten Forscher nun häufiger - doch ein Sommer wie 2010 dürfte sich nicht so schnell wiederholen.
Juli 2010: Hitze am Nordseestrand

Juli 2010: Hitze am Nordseestrand

Foto: Axel Heimken/ APN

Es war ein Sommer der Extreme: Nach einer ausgeprägten Schafskälte setzte eine langanhaltende Hitzewelle ein. Im Juli stieg das Thermometer sogar auf den ostfriesischen Inseln über 30 Grad. In vielen ICE der Deutschen Bahn versagten die Klimaanlagen wegen der Hitze. Erst im August regnete es wieder, dafür aber richtig: Es wurde der regenreichsten August seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881.

Jetzt zeigt eine neue Auswertung für ganz Europa: Die Hitzewelle des vergangenen hat die aus dem Jahr 2003 sogar noch übertroffen. Einer im Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlichten Studie  zufolge zählen diese beiden extrem heißen Sommer wahrscheinlich zu den wärmsten der vergangenen 510 Jahre auf diesem Kontinent.

Im Sommer 2010 lagen die gemessenen Temperaturen europaweit zwischen 6,7 bis 13,3 Grad Celsius über dem Durchschnittswert. Ferner habe sich die Hitzewelle auf eine Fläche von rund zwei Millionen Quadratkilometern und damit über ein Gebiet erstreckt, welches knapp sechsmal so groß ist wie Deutschland. Die Daten stammen von einem internationalen Forscherteam um David Barriopedro von der Universität von Lissabon in Portugal.

Temperaturdaten seit 1871

Allein in Russland starben den Autoren zufolge im Sommer 2010 mehr als 55.000 Menschen an den Folgen der extremen Hitze. Ausgedehnte Brände zerstörten Wälder, etwa ein Viertel der Ernte wurde vernichtet. In Moskau waren Temperaturen über 38 Grad Celsius gemessen worden. Hitzewelle und Waldbrände in Russland seien wahrscheinlich auf natürliche Klimaschwankungen zurückzuführen, berichten Forscher der amerikanischen Wetterbehörde NOAA. Ihre Berechnungen hatten gezeigt, dass das extreme Waldbrandwetter auch in der Vergangenheit regelmäßig eingetreten sei.

Für die Europa-Studie untersuchte das Team um David Barriopedro nun überwiegend Temperaturschwankungen seit dem Jahr 1871. Auch Jürg Luterbacher von der Universität Gießen war an den Erhebungen beteiligt. Nach Modellrechnungen schätzen die Wissenschaftler, dass große Hitzewellen in den kommenden 40 Jahren fünf bis zehn Mal häufiger auftreten könnten als zuvor. Mit einem so extrem heißen Sommer wie im Jahr 2010 rechnen sie in der gleichen Region jedoch nicht vor dem Jahr 2050 - der Fall sei "sehr unwahrscheinlich".

Im Januar hatte die US-Weltraumbehörde Nasa gemeldet, dass 2010 zusammen mit 2005 das wärmste Jahr seit dem Beginn exakter Wetteraufzeichnungen war.

wbr/boj/dpa/dapd
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