Evolution Gefiederte Saurier konnten Flügel anlegen

Vögel haben eine praktische Besonderheit: Weil ihre Handgelenke extrem flexibel sind, können sie ihre Flügel zum Schutz an den Körper legen. Bisher dachten Forscher, dass erst Vögel diese Fähigkeit entwickelten. Eine neue Studie legt jetzt nahe, dass auch schon so mancher Dinosaurier das konnte.

Raubsaurier Deinonychus: Konnte Arme anlegen wie heutige Vögel ihre Flügel
John Conway

Raubsaurier Deinonychus: Konnte Arme anlegen wie heutige Vögel ihre Flügel


London - Die Handgelenke von Vögeln haben eine besondere Struktur. Diese ist wichtig, denn nur so können sie ihre Flügel auch mal anlegen, wenn sie nicht gerade durch die Lüfte schwingen. Ein internationales Forscherteam ist jetzt zu der Erkenntnis gekommen, dass sich diese Gelenkstruktur bereits bei gefiederten, aber noch flugunfähigen Raubsauriern entwickelt hat.

Bis jetzt waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass sich die spezielle Handgelenkstruktur und damit die Grundlage für effizientes Fliegen und das Zusammenklappen der Flügel erst bei den Vögeln ausgeprägt haben. Das Forscherteam um Corwin Sullivan von der Chinese Academy of Sciences in Peking verglich mehrere Fossilien und berichtet im Fachmagazin "Proceedings oft the Royal Society B" nun über eine andere Theorie.

Vogelschwingen zeichnen sich durch eine extreme Flexibilität des Handgelenkes aus: Es lässt sich nach außen um nahezu 90 Grad Richtung Ellbogen abknicken. Diese einseitige Beweglichkeit ermöglicht ein effizientes Fliegen und den Schutz der Flügel, wenn sie nicht gebraucht werden. Bis jetzt war nur bekannt, dass sich das faltbare Handgelenk im Laufe der Evolution der Vögel immer stärker ausbildete.

Nun fanden die Forscher aber heraus, dass diese Entwicklung schon viel früher begann: "Unsere Studie zeigt, dass sich das Vogel-Handgelenk bereits bei einigen noch flugunfähigen Raubsauriern entwickelte", sagt Corwin Sullivan.

Ermöglichte faltbares Handgelenk längere Federn?

Sullivan und seine Kollegen leiten das aus dem Vergleich gut erhaltener Fossilien von Theropoden ab, den Vorfahren der heutigen Vögel. Der Schlüsselfaktor war dabei ein bestimmter Handgelenkknochen: Eine deutlich verbesserte Flexibilität konnten die Forscher demnach bereits bei einigen Theropoden ausmachen, die zwar eine Art Federkleid besaßen, aber noch nicht fliegen konnten, sondern sich höchstens gleitend von Baum zu Baum durch die Luft fortbewegten. Je näher ein Theropoden-Fossil in der zeitlichen Abfolge bei den Vögeln eingeordnet werden konnte, desto flexibler wurde das Handgelenk.

Zeitgleich zur Entwicklung hin zu einem faltbaren Handgelenk konnte auch eine zunehmende Länge der Federn festgestellt werden. Wahrscheinlich kein Zufall, sind doch längere Federn auch stärker der Beschädigung oder Verschmutzung ausgesetzt. "Ihr Schutz durch die Einfaltung war deshalb für die befiederten Dinosaurier genauso wichtig, wie er für die heutigen Vögel ist", erklärt der Co-Autor David Hone.

Die Frage bleibt aber noch offen, ob das faltbare Handgelenk längere Federn ermöglichte, oder ob umgekehrt längere Federn ein faltbares Handgelenk notwendig machten. Sicher ist aber, dass sich der Urvogel Archaeopteryx bereits mit einem sehr flexiblen Handgelenk in die Lüfte schwang, und dieses später nur noch leicht verfeinert wurde.

cib/ddp



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