Evolution der Tiere Größer ist besser

Im Durchschnitt sind die Tiere im Zuge der Evolution immer größer geworden, zeigt eine riesige Datenanalyse. Der Grund: Großen Tieren fällt es offenbar leichter, sich zu immer neuen Arten weiterzuentwickeln.

Urpferd (aus Grube Messel): Zu Beginn der Evolution waren Tiere noch sehr klein
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Urpferd (aus Grube Messel): Zu Beginn der Evolution waren Tiere noch sehr klein


Lässt sich Evolution vorhersagen? Würden sich alle Tiere noch einmal genauso entwickeln, wenn man die Zeit zurückdrehen könnte? Seit vielen Jahren versuchen Forscher diese Frage zu beantworten. Nun zeigt eine der größten Vergleichsstudien von Meereslebewesen: Zumindest bei der Größe folgt die Evolution einem klaren Trend.

Jonathan Payne von der Stanford University und Kollegen untersuchten Fossiliendaten von über 17.200 Tiergattungen aus dem Meer, die die vergangenen 542 Millionen Jahre umfassen. Demnach sind die Tiere seit dem Kambrium im Durchschnitt 150-mal größer geworden.

Die Größenentwicklung variierte dabei stark: Einzelne Arten schrumpften auf ein Zehntel ihrer Länge. Andere hingegen vergrößerten sich um den Faktor Hunderttausend.

Bereits im 19. Jahrhundert hatte der Paläontologe Edward Cope eine Regel formuliert, nach der Tiere mit der Evolution immer größer werden. Damals diente unter anderem die Entwicklung des Urpferdes zu den heute lebenden Arten als Beleg. Kritiker bemerkten allerdings, dass nicht alle Tiere in dieses Muster passen: Vögel wurden im Zuge der Evolution beispielsweise kleiner. Ob es insgesamt einen Größentrend gibt, blieb offen.

Größe begünstigt Vielfalt

"Unsere Studie ist der umfassendste Test des Copeschen Gesetzes, den es je gab", sagt Noel Heim, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. "Fast 75 Prozent der ausgestorbenen marinen Gattungen und knapp 60 Prozent aller Tiergattungen, die jemals gelebt haben, sind in dem Datensatz erhalten."

So konnten die Forscher zeigen, dass zwar nicht alle Abstammungslinien in der Evolution immer größer wurden, das Größenwachstum aber dennoch bestimmten Regeln zu folgen scheint. Tiere, die vergleichsweise groß waren, entwickelten sich laut Analyse mit größerer Vielfalt weiter - sie spalten sich mit der Zeit in mehr Arten und Unterarten auf, berichten die Forscher im Fachmagazin "Science". Das erklärt auch, weshalb die Tierwelt im Durchschnitt größer wurde.

Warum sich allerdings ausgerechnet die großen Tiere in so viele Arten aufgespalten haben, ist unklar. Die Forscher vermuten, dass ein großer Körper evolutionäre Vorteile bietet. So konnten die Tiere etwa schneller vor Fressfeinden weglaufen, tiefere Höhlen graben und größere Beute jagen.

jme



insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
hammer-u-den 20.02.2015
1. Aha, deswegen!
gibt es so "wenige" Bakterienarten, Insektenarten usw. Wie soll ein Elephant oder Blauwal mit seiner bescheidenen Geburtenrate sich die Evolution überhaupt schnell zu Nutze machen?
vox veritas 20.02.2015
2.
Wo sind die riesigen Dinosaurier abgeblieben? Denen hat ihre Größe nicht geholfen.
vantast64 20.02.2015
3. Das höhere Größenwachstum könnte auch am größeren Sauerstoffgehalt liegen,
den die Erde in verschiedenen Zeiten durchlebt hat. Es gab auch Zeiten mit hohem und geringem CO2-Anteil und den entsprechenden frostigen und heißen Zeiten.Es waren turbulente Jahrtausende.
alex300 20.02.2015
4. ?
Und warum haben die kleinen Ratten die großen Dinosaurier besiegt, von denen nur die Krokodile übrig geblieben sind? Und wo ist das ganze Ediacara-Fauna? Wo ist das Großtierfauna von vor 50.000 Jahren hin?
dröhnbüdel 20.02.2015
5. Auch wir!
Auch wir Menschen werden in letzter Zeit immer größer, mein Sohn überragt mich fast schon um Haupteslänge. Das hat ihm bisher aber eher Nachteile gebracht. Klamotten größerer Größen sind oft teurer. Aber Kleidung war in unserem Evolutionsplan wohl nicht vorgesehen.
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