Domestizierung Wie der Wolf zum Hund wurde

Stammt er aus Europa oder doch aus Asien? Forscher diskutieren schon lange über die Domestizierung des Hundes. Nun gibt es einen neuen Beitrag zur Debatte.
Ein Husky neben einem ausgestopften Wolf (r.)

Ein Husky neben einem ausgestopften Wolf (r.)

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Heute gilt der Hund als der beste Freund des Menschen - soviel ist sicher. Vermutlich haben Jäger und Sammler irgendwann damit begonnen, Wölfe zu zähmen und so den Beginn der Entwicklung zum Hund eingeleitet. Doch unklar war bisher, wo diese Freundschaft begann. Darüber diskutieren Forscher schon lange.

Der bislang letzte Beitrag stammte von Wissenschaftlern der britischen Universität Oxford, sie sind der Meinung: Der Hund wurde an zwei Orten unabhängig von einander domestiziert - sowohl in Europa als auch in Ostasien. Eine neue Arbeit, an der auch Forscher der Universitäten in Mainz und Bamberg beteiligt waren, hält nun dagegen: Vorfahren aus nur einer Weltregion haben den Wolf gezähmt - und damit zum Hund gemacht. Bereits zuvor hatten Wissenschaftler um den Evolutionsgenetiker Olaf Thalmann behauptet: Der Hund stammt aus Europa und wurde damit an nur einem Ort gezähmt.

Der neuen Untersuchung zufolge lief der Übergang vom Wolf zum Hund vor 20.000 bis 40.000 Jahren ab, das geht aus einer genetischen Analyse imFachblatt "Nature Communications"  hervor. Auch dieses Ergebnis unterscheidet sich von den vorigen. Denn ältere Studien gingen für diesen Vorgang vom Zeitraum von 19.000 bis 32.000 Jahren aus.

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Wo genau in Asien und Europa der Übergang vom Wolf zum Hund stattgefunden hat, konnten die Forscher allerdings nicht herausfinden - nur, dass es "in einem Landstrich, in einer Region war", sagt die Mainzer Forscherin Amelie Scheu.

Die Arbeit nahm DNA mehrerer Hunde aus der Jungsteinzeit unter die Lupe. Unter anderem sequenzierten die Forscher das Erbgut eines Hundes, der vor 7000 Jahren lebte und dessen Überreste bei Herxheim in Rheinland-Pfalz gefunden wurden. Auch 4700 Jahre alte Überreste eines Tieres aus der Kirschbaumhöhle in Oberfranken flossen in die Untersuchung ein. Zudem wurden die Daten eines 5000 Jahre alten Hundes aus Irland berücksichtigt.

Es zeigten sich große Übereinstimmungen der prähistorischen Hunde mit heute lebenden Tieren, schreiben die Forscher. "Wir schließen auf eine kontinuierliche Hundepopulation von der Jungsteinzeit bis zu heutigen Rassehunden", sagte Scheu. Zwar sähen Chihuahuas oder Deutsche Doggen sicherlich ganz anders aus als ihre Vorfahren vor Tausenden von Jahren. "Aber genetisch sind sie überraschend ähnlich."

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Die Forscher sequenzierten das komplette Genom der Hunde. Darin liege der große Unterschied zu älteren Studien, sagte der Evolutionsgenetiker Thalmann, der nicht an der Untersuchung beteiligt war. Er und seine Kollegen untersuchten vor vier Jahren mitochondriale DNA von Hunden, die viel weniger genetische Informationen enthält. "Die Aussagekraft ist um ein Vielfaches höher, wenn man nicht nur einen Datenpunkt hat, sondern sehr viele Punkte", sagte Thalmann.

Um die Zähmung geografisch und zeitlich weiter einzugrenzen, sei die Sequenzierung der Genome weiterer prähistorischer Funde aus Eurasien nötig, heißt es in der aktuellen Studie. Thalmann ergänzt, die neuen Erkenntnisse seien ein "großer Fortschritt" - dennoch aber nur ein kleiner Teil im großen Mosaik der Hundedomestizierung. "Wir sind noch weit davon entfernt, die ganze Komplexität zu verstehen."

Etwas weiter ist die Forschung bei Katzen: Erst kürzlich hatte ein DNA-Untersuchung gezeigt, dass die Tiere wohl in zwei Wellen gezähmt wurden. Die ersten Tiere gelangten aus dem Gebiet der heutigen Türkei vor 4400 Jahren vor Christus nach Südosteuropa. Im ersten Jahrtausend vor Christus kam dann eine weitere genetische Linie hinzu. So breiteten sich während des Römischen Reichs domestizierte Katzen aus dem Alten Ägypten aus. Sie erreichten Nordeuropa entlang der Handelsrouten im Mittelmeerraum. Heute findet sich das Genmaterial beider Linien in unseren Hauskatzen.

joe/dpa
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