Fund in Wiesbaden Exotische Mückenart siedelt sich in Hessen an

In Deutschland hat sich offenbar eine Stechmückenart aus den Tropen angesiedelt. Forscher konnten die Tiere in Wiesbaden nachweisen. Sie seien potenzielle Krankheitsüberträger.
Ein Weibchen der neu in Wiesbaden entdeckten Mückenart

Ein Weibchen der neu in Wiesbaden entdeckten Mückenart

Foto: Dorian D. Dörge / Senckenberg & Goethe-Universität

Sie reisen in Blumenkübeln, in Stapeln von Altreifen oder in Zügen: In den vergangenen Jahren sind mindestens zwei exotische Mückenarten nach Deutschland eingewandert.

Und obwohl sie eigentlich aus tropischeren Gefilden kommen, können die Larven der Asiatischen Tigermücke und der Asiatischen Buschmücke auch in kälterer Umgebung überleben. Wie es aussieht, haben die Insekten nun Gesellschaft von einer weiteren Mückenart derselben Gattung bekommen.

Forscher der Senckenberg Gesellschaft und der Goethe-Universität Frankfurt am Main berichten im Fachmagazin "Parasitology Research"  von Beobachtungen aus Wiesbaden. Dort scheint sich die tagaktive, blutsaugende Mückenart Aedes koreicus über mehrere Jahre etabliert zu haben. "Es ist wahrscheinlich, dass in Hessen eine ganze Population überwintert hat und diese Mücke langsam anfängt, sich in Deutschland auszubreiten", sagt Sven Klimpel, einer der beteiligten Wissenschaftler.

Eine einzelne Mücke der betreffenden Art war bereits 2015 in der Nähe von Augsburg gefunden worden. In den Jahren 2017 und 2018 konnten Klimpel und Kollegen das Insekt dann im Rahmen des bundesweiten Stechmücken-Monitorings in Hessen nachweisen, 400 Kilometer nordwestlich des ersten Fundorts.

Erster Nachweis in Belgien

In anderen Ländern Europas haben Forscher die Art Aedes koreicus bereits nachgewiesen, darunter in einem Industriegebiet in Belgien . Hier gab es 2008 die erste Beobachtung. Später wurden die Tiere unter anderem auch in Italien und Ungarn nachgewiesen. (Eine Übersichtskarte des Europäischen Seuchenzentrums ECDC zur Verbreitung finden Sie hier .)

Ausbreitungspotenzial und klimatischen Vorlieben von Aedes koreicus ähnelten denen der bereits in Deutschland heimischen Asiatischen Tigermücke und Asiatischen Buschmücke, so Antje Steinbrink, Co-Autorin des Artikels. Die Insekten kommen eigentlich aus Ostasien und sind in unter anderem in Korea, Japan, China und in Teilen Russlands zu finden.

Die Mücken sind potenzielle Krankheitsüberträger, so können sie das Virus der Japanischen Enzephalitis übertragen, die in einem schweren Verlauf zu einer Gehirnentzündung führen kann. Laborversuche belegten auch die Verbreitung des Chikungunya-Virus, so die beteiligten Wissenschaftler. Darüber hinaus könnten die Mücken Menschen auch mit Fadenwürmern (Dirofilarien) infizieren. (Eine längere Analyse zur Gefahr der Krankheitsübertragung durch exotische Mücken finden Sie hier.)

Die Wissenschaftler wollen die Mückenpopulation von Wiesbaden genau im Blick behalten. Derzeit sei es auch noch denkbar, gezielt gegen die Tiere vorzugehen. "Haben sich die Mücken erst großflächig ausgebreitet, ist diese Chance jedoch vertan", so Forscher Klimpel.

Beim Kampf gegen Stechmücken ist ein klassischer Ansatz, den Tieren die Brutplätze zu entziehen, dazu gehören jegliche Wasseransammlungen wie etwa Regentonnen. Forscher hatten außerdem versucht, die Tigermücke in Süddeutschland mit einer Massensterilisationzurückzudrängen.

chs
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.