Exportverbot Es darf nicht immer Kaviar sein

Eine Delikatesse soll vorerst aus dem Verkehr gezogen werden: Die Internationale Artenschutzkonferenz hat den Handel mit Wildkaviar verboten, um die bedrohten Stör-Bestände zu schützen. Schmuggler und Gourmets dürfte das allerdings kaum kümmern.


Genf - Der Stör ist zunehmend gefährdet, was nach Ansicht von Experten vor allem am Hunger des Menschen liegt: Zu Tausenden werden die Fische wegen ihrer als Delikatesse gehandelten Eier, dem Kaviar, abgeschlachtet. Die Internationale Artenschutzkonferenz Cites (Convention on International Trade in Endangered Species) hat jetzt die Notbremse gezogen: Ab sofort darf kein Kaviar mehr exportiert werden, wenn er aus multinational befischten Gewässern stammt, teilte das bei den Vereinten Nationen in Genf angesiedelte Cites-Sekretariat mit.

Kaviar-Entnahme aus einem Stör: Artenschützer verhängen Exportverbot
AP

Kaviar-Entnahme aus einem Stör: Artenschützer verhängen Exportverbot

In der Praxis bedeutet das ein generelles Exportverbot, von dem nur Kaviar aus Zuchtbeständen ausgenommen ist. "Das Sekretariat sieht sich außerstande, die Exportquoten für 2006 für Kaviar und andere Störprodukte zu billigen, solange die Exportstaaten nicht mehr Informationen über die Nachhaltigkeit liefern", erklärte die Behörde. Eine nachhaltige Nutzung soll den langfristigen Bestand der Störe sichern.

Betroffen von der Entscheidung sind vor allem Russland, China und osteuropäische Staaten. Große Stör-Brutgewässer sind etwa das Kaspische Meer und das Schwarze Meer mit je mehreren Anrainern, der Fluss Amur zwischen Russland und China sowie die untere Donau in Rumänien und Bulgarien. Keines dieser Gewässer gehört zum Gebiet nur eines einzigen Landes.

Die Artenschutzkonferenz, der 169 Unterzeichnerstaaten angehören, hatte die Fangquoten der Kaviar-Exportländer für 2006 abgelehnt, weil sie "nicht vollständig die Verringerung der Bestände und nur unzureichend die illegale Fischerei" berücksichtigt hätten. Das Exportverbot soll vor allem den Stör-Bestand im Kaspischen Meer schützen. Von dort stammten rund 90 Prozent des weltweit verzehrten Kaviars, sagte David Morgan, Chef des Cites-Wissenschaftssekretariats. Russland, Iran und Kasachstan beuten dort die Kaviarvorkommen aus.

Tonnenweise Schmuggelware beschlagnahmt

Der Chef des Verbands der Internationalen Kaviar-Importeure, Armen Petrossian, erklärte, er sehe die Entscheidung noch nicht als definitiv. Eine Abschaffung der Fangquoten komme nicht in Frage. Die Exporte sollten bis zu einer endgültigen Entscheidung der Artenschutzkonferenz aber vorerst eingestellt werden.

Ohnehin dürfte das Exportverbot nur begrenzt wirksam sein. Denn die Artenschutzkonferenz ist nicht in der Lage, auch die Schmuggelware zu kontrollieren, die große Teile des Kaviarhandels ausmacht. Morgan schätzt, dass der illegale Handel um ein Vielfaches über den legalen Verkaufsmengen liegt.

Nach Angaben des französischen Umweltministeriums wird der französische Markt, der größte für Kaviar in der EU, zu 90 Prozent mit Schmuggelware beliefert. Insgesamt wurden in den vergangenen fünf Jahren EU-weit nahezu zwölf Tonnen Schmuggel-Kaviar beschlagnahmt. Die Artenschutzkonferenz appellierte daher an Ex- und Importländer, schärfere Kontrollen einzuführen.



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