Extremwetter Hitze wie im Rekordsommer 2003

Er ist erst halb vorbei - und hat noch das Zeug zum Rekordsommer. Mit den Extremwerten von 1947 und 2003 konnte die Hitze dieses Jahres bislang mithalten. Unangenehm ist sie, weil kühle Unterbrechungen fehlen. Darin sehen Klimaforscher ein neues Wetter-Phänomen.

Jahrhundertsommer, Jahrhundertwinter, Jahrhundertflut - "ich finde all diese Redewendungen idiotisch", sagte Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. "Einen statistischen Hintergrund kann man durch solche Beziehungen nicht absichern."

Einzelne extrem heiße Tage interessieren da wenig. In Potsdam vergleichen die Wissenschaftler die Profile ganzer Sommer miteinander. Momentan sieht es so aus, als hätte die Sommerhitze 2006 das Zeug zum Rekordbrecher. "Wir sind nicht weiter als 2003 - aber auch nicht dahinter zurück", sagte Gerstengarbe zu SPIEGEL ONLINE. Mit 33 Sommertagen mit mindestens 25 Grad Celsius im Schatten und 12 heißen Tagen von mindestens 30 Grad Celsius zähle der diesjährige Sommer zwar erst halb soviel wie vor drei Jahren - aber der Juli sei ja noch nicht vorbei, und der August komme auch noch.

Sommer ohne Kühlung häufen sich

Der Sommer 2003 - wie viele andere als "Jahrhundertsommer" bezeichnet - gilt als eines der extremsten Wettereignisse der letzten 100 Jahre. Er hatte europaweit rund 35.000 Hitzetote gefordert. Zwar zeigt das Potsdamer Archiv der Tagestemperaturen für den Sommer 1947 sogar noch drei Sommertage mehr, als es 2003 gab. Allerdings kam die Hitze "in Scheibchen" über das Nachkriegsdeutschland, sagte Gerstengarbe. Die ununterbrochene Folge von Sommertagen und heißen Tagen mache "das Ganze erst so unangenehm".

Während es einzelne Jahre mit ähnlich heißen Sommern schon früher gegeben habe, sei die direkte Abfolge neu. Seit 1893 werden in Potsdam die Temperaturen ununterbrochen gemessen. "Von den zehn heißesten Sommern lagen sechs in den letzten zwei Jahrzehnten", sagte Gerstengarbe. In Westdeutschland, besonders am Oberrhein würden höhere Einzeltemperaturen gemessen. Übers Jahr gerechnet und für ganz Deutschland seien die Messungen in der Potsdamer Station aber ein guter Mittelwert.

Rekordsommer

Jahr Sommertage(25°C oder mehr) Heiße Tage(30°C oder mehr)
1947 71 26
2003 68 23
bislang 2006 33 12
Quelle: Potsdam-Insitut für Klimafolgenforschung

Ob dieser Sommer die Rekorde von 1947 und 2003 aber übertreffen wird, lässt sich erst klären, wenn die Marke von 69 beziehungsweise 72 Sommertagen in den Büchern der Potsdamer erreicht sind. Klimaforscher kennen auch solche Sommer, die stark starten, um dann in Dauerregen und Kälte zu vergehen.

Bis Mitte nächster Woche rechnen Meteorologen mit keiner Wetteränderung. Wie es danach jedoch weitergeht, ist unklar. Als Faustregel für Wettervorhersagen gilt: Drei Tage kann man gut vorhersagen, sechs Tage schlecht, alles weitere überhaupt nicht. "Was im August abgeht, ist offen", sagte Gerstengarbe.

stx

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