Extremwetter-Vorhersage US-Forscher prognostizieren heftige Hurrikan-Saison

Mehr starke Stürme, mehr Hurrikane, häufiger als gewöhnlich werden sie auf Land treffen - Meteorologen sagen den USA eine heiße Wirbelsturm-Saison voraus. Verantwortlich: das Klimaphänomen El Niño.

Überdurchschnittlich viele tropische Wirbelstürme im Nordatlantik erwarten Forscher der Colorado State University in Fort Collins für die Hurrikan-Saison dieses Jahres. Zwar hatten sie bereits im Dezember prognostiziert: 2007 wird ein raues Jahr. Doch heute verschärften die Meteorologen Philip Klotzbach und William Gray ihre damalige Warnung nochmals. Ihre Prognose ist online zugänglich  (PDF).

Hurrikan "Wilma" (im Jahr 2005): Der Prognose nach wird die Wirbelsturmsaison 2007 für die USA nicht so schlimm, wie die Rekordjahre 2004 und 2005 - könnte aber deutlich über dem langjährigen Durchschnitt liegen

Hurrikan "Wilma" (im Jahr 2005): Der Prognose nach wird die Wirbelsturmsaison 2007 für die USA nicht so schlimm, wie die Rekordjahre 2004 und 2005 - könnte aber deutlich über dem langjährigen Durchschnitt liegen

Foto: AFP / NOAA

Demnach sollen von Juni bis November 17 tropische Wirbelstürme entstehen, die so stark sind, dass sie von Wetterbeobachtern mit einem Namen versehen werden. Neun davon werden der Vorhersage entsprechend zu Hurrikanen werden, fünf davon stark genug für die Kategorien 3, 4 oder 5 - mit Windgeschwindigkeiten von rund 180 Kilometern pro Stunde oder darüber. Nachdem die Hurrikan-Saison 2006 sehr ruhig verlaufen war, müssen die US-Golf- und Ostküste sich im kommenden Sommer und Herbst offenbar auf windige Zeiten einrichten.

"Das liegt über dem Durchschnitt", sagte Emily Wilmsen, Sprecherin der Universität, zu SPIEGEL ONLINE. "Vergangenes Jahr hatten wir wirklich Glück, weil keiner der Hurrikane über Land gezogen ist", sagte Forscher Klotzbach. Aber so etwas habe es seit 1945 in den USA nur zwölf Mal gegeben. In zwei aufeinander folgenden Jahren zog bloß 1981 und 1982 sowie 2000 und 2001 überhaupt kein Hurrikan über US-Festland.

Mehr Hurrikane, mehr Kontakt mit dem Festland

Im Durchschnitt des vergangenen Jahrhunderts betrug die Wahrscheinlichkeit für einen solchen "landfall" eines Hurrikans 52 Prozent. Für die kommende Saison gehen Klotzbach und Gray von 74 Prozent aus. Und tatsächlich liegt ihren Berechnungen zufolge auch die Gesamtaktivität deutlich über dem langjährigen Mittel: 185 Prozent.

Sturmjahre: Statistik für die Ost- und Golfküste der USA

Jahr(e) Wirbelstürme mit Namen davon Hurrikane davon Hurrikane der Stärken 3/4/5
2007 17 9 5
2006 10 5 2
2005 27 15 7
1900-1949
(50 Jahre)
189 101 39
1956-2005
(50 Jahre)
165 83 34
Langjähriges Mittel 9,6 5,9 2,3
(Quelle: Colorado State University, Zahlen für 2007 sind Vorhersagen)

Das muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass den USA eine Hurrikan-Saison wie in den Jahren 2004 und 2005 droht, als "Katrina" die Golfstadt New Orleans verwüstete. 2005 lag die Aktivität tropischer Wirbelstürme im Nordatlantik nach Angaben der Forscher aus Colorado um 275 Prozent über dem Mittel.

Klotzbach und Gray kombinieren ihre Vorhersage aus der Beobachtung von Wetterparametern und der lokalen Klimaphänomene El Niño und El Niña. Die Voraussetzungen seien für die Saison 2007 mit denen der Jahre 1952, 1964, 1966, 1995 und 2003 vergleichbar. Dementsprechend liegt die aktualisierte Vorhersage im Durchschnitt dieser fünf Jahre.

El Niño steuert die Hurrikan-Aktivität fern

Offenbar ist vor allem der El Niño im Südpazifik für die Warnung der Meteorologen bestimmend: "Im Dezember und Januar hatten wir nur schwachen bis mittleren El Niño im tropischen Pazifik", sagte Klotzbach. Wird dieses zyklische Phänomen schwächer, steigt im Nordatlantik die Wirbelsturmaktivität. Zusätzlich werden seit 1995 jährliche hohe Oberflächentemperaturen im Wasser des Nordatlantik gemessen - was ebenfalls die Bildung dieser Stürme begünstigt.

Gray verwahrt sich dagegen, die Wirbelsturmaktivität mit dem Trend globaler Erwärmung in Verbindung zu bringen. Zwar seien im letzten Jahrhundert und speziell während der letzten 30 Jahre die globalen Oberflächentemperaturen angestiegen. "Aber es gibt keine belastbaren Daten dafür, dass dies die Hurrikan-Frequenz oder -Intensität in einem der weltweit sieben Gebiete für tropische Wirbelstürme beeinflusst - außer im Nordatlantik während der letzten zwölf Jahre", sagte Gray. Andere Wissenschaftler sind jedoch der Ansicht, dass steigende Wassertemperaturen tatsächlich wenigstens die Intensität von Wirbelstürmen beeinflussen können.

Im September hatten Wissenschaftler entsprechende Ergebnisse nach dem Vergleich mehrerer Computersimulatioten veröffentlicht. Im August bereits hatten zwei anderer Forschergruppen gesagt: Wenigstens für das Rekordjahr 2005 könne man eine maßgebliche Mitverantwortung des Menschen nachweisen .

stx

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