SPIEGEL ONLINE

Biologie Der Krebs mit dem tödlichen Hammer

Erst schießen sie mit Gas-Torpedos, dann katapultieren Fangschreckenkrebse ihre Arme wie Geschosse auf ihre Opfer. Forscher konnten nun klären, warum die kleinen Keulen die Schläge unbeschadet überstehen.

Washington - Die räuberischen Fangschreckenkrebs dreschen mit einer Geschwindigkeit von rund 85 Kilometer pro Stunde auf ihre Opfer ein - und das unter Wasser. Mit keulenartigen Fangarmen zertrümmern sie die harten Schalen von Schnecken oder Muscheln und die Schädel kleiner Fische. Wie das vor sich geht, haben Forscher bereits geklärt. Offen blieb allerdings: Wie überstehen die Krebs-Keulen selbst die gewaltigen Schläge?

Das haben nun Wissenschaftler aus Singapur und den USA herausgefunden. Wie das Team im Fachblatt "Science"  schreibt, bestehen die Schlagarme aus mehreren Schichten, so dass die Energie des Aufschlages gedämpft und entstehende Risse gebremst werden. Ähnliche Konstruktionen könnten beim Auto- oder Flugzeugbau Verwendung finden, meinen die Forscher.

Die Clown-Fangschreckenkrebse (Odontodactylus scyllarus) leben im tropischen Pazifik. Die meiste Zeit verstecken sich die bunt schillernden Tiere mit den großen Stielaugen in Felsspalten oder in ihren Höhlen im Sand. Sie sind Einzelgänger und gelten als sehr aggressiv.

Bei Bedarf können die Tiere ihre unter dem Körper zusammengefalteten Fangarme blitzschnell hervorschleudern, um mit den keulenartig verdickten Ende auf ihre Opfer einzuhämmern. Der katapultartige Schlag trifft nach nicht einmal drei Tausendstel Sekunden. Die Keulen selber überstehen auch wiederholte Schläge weitgehend unbeschadet. Sie werden nur bei der regelmäßigen Häutung der Krebse erneuert.

Betäubt in den Tod

James Weaver von der Harvard University in Cambridge (US-Staat Massachusetts) und seine Mitarbeiter untersuchten die Keulen nun unter anderem mit dem Elektronenmikroskop. Es zeigte sich, dass die Keulen aus drei unterschiedlichen Schichten aufgebaut sind: Die Aufschlagfläche ist stark mineralisiert und besteht zum größten Teil aus kristallisiertem Hydroxyapatit und der Zuckerverbindung Chitosan. Unter der harten Aufschlagfläche befindet sich eine zweite Schicht aus einem stapelartig angeordneten, organischem Material namens Chitosan, das Risse stoppt. An den Seiten der Keulen befindet sich schließlich einen dritte Schicht, die die Energie eines Aufschlages dämpft.

Die Opfer bekommen von dem Schlag womöglich gar nichts mehr mit, meinen Experten: Die Fangbeine schießen derart schnell hervor, dass Gasbläschen im Meerwasser entstehen. Der Gas-Torpedo trifft den Gegner noch vor der Faust - und betäubt sie.

boj/dpa
Mehr lesen über Verwandte Artikel