Fataler Klimawandel Erderwärmung bringt neue Epidemien

Vom weltweiten Klimawandel könnten vor allem Krankheitserreger und ihre Überträger profitieren. In Zukunft drohen Menschen, Tieren und Pflanzen häufige Epidemien, so eine US-Studie.

Mit den Temperaturen könnte auch die Zahl der Krankheiten steigen: Die Erderwärmung begünstige Epidemien bei Tieren, Pflanzen und auch beim Menschen, berichtet ein US-Forscherteam um Drew Harvell und Andrew Dobson von der Cornell University in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Science".

"Es geht nicht mehr nur um das Ausbleichen von Korallen oder die Zunahme von Malaria. Es ist erstaunlich, wie viele Epidemien zugenommen haben", sagt Harvells Mitautor Richard Ostfeld vom Institute of Ecosystem Studies in Millbrook. Zusammen mit seinen Kollegen hat der Forscher in einer zweijährigen Studie den Zusammenhang zwischen Klimaveränderungen und dem Auftreten von Infektionskrankheiten untersucht.

In vielen Ökosystemen, so das Ergebnis, scheinen Krankheiten und ihre Überträger vom Klimawandel zu profitieren. So breiteten sich auf Hawaii in den vergangenen Jahren Moskitos in höhere Berglagen aus und übertrugen Vogelmalaria auf die seltenen einheimischen Kleidervögel. Im australischen Great Barrier Reef erkrankten und starben weite Bestände von Korallen: Ursache war ein Mikroorganismus, der sich bei Erwärmung stark ausbreitet.

An der Ostküste der USA erkrankten den Wissenschaftlern zufolge Austernbestände durch einen einzelligen Parasiten, der bisher nur in wärmeren, südlicheren Meeresteilen vorkam. Ebenfalls von steigenden Temperaturen begünstigt sei der Befall von Eichen im Mittelmeerraum durch einen parasitischen Pilz.

Auch Krankheiten des Menschen könnten der Studie zufolge zunehmen. In Ostafrika rechnen die Forscher infolge verstärkter Regenfälle mit neuen Ausbrüchen des Rift-Valley-Fiebers, das erst 1998 zu Tausenden Toten geführt hatte. Ostfeld: "Es gibt klare Hinweise darauf, dass diese Krankheit besonders in den so genannten El-Niño-Jahren auftritt, und diese werden zunehmen."

Besonders häufig könnten von Insekten übertragene Krankheiten werden. Die Zahl der Überträger wird oft durch harte Winter begrenzt. Werden diese milder, so die Wissenschaftler, dann können sich Mücken und Zecken stärker vermehren und Krankheiten stärker verbreiten.

Da die Artenvielfalt in den Ökosystemen der gemäßigten Breiten geringer ist als in den Tropen, würden sich Infektionskrankheiten auf weniger Spezies mit jeweils vielen Individuen konzentrieren und könnten damit größere Schäden anrichten. Der Klimawandel könnte außerdem zu Stress bei Pflanzen und Tieren führen, so dass sie anfälliger werden für Infektionen.

Um sich besser gegen Krankheitsausbrüche wappnen zu können, sollte den Wissenschaftlern zufolge der Einfluss des Klimas stärker beachtet und erforscht werden: "Wir müssen die globale Klimaveränderung sehr ernst nehmen", so die Schlussfolgerung von Andrew Dobson. "In der Zukunft wird die Welt nicht nur wärmer, sondern auch kränker sein."

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