Spinnenfäden Elektrische Ladung statt Klebstoff

Ultradünn und aufgeladen: Die hauchdünne Fangwolle der Federfußspinne ist ein ganz besonderer Stoff. Wie sie den herstellt, haben Forscher jetzt herausgefunden - die Technik soll auch der Industrie nützen.

University of Oxford/ Katrin Kronenberger/ University of Southampton/ David Johnston

Nicht alle Spinnennetze kleben. Die Federfußspinne macht sich eine andere Technik zunutze: Um ihre Beute zu fangen, lädt sie ihre hauchdünnen Fäden elektrostatisch auf. Forscher von der University Oxford haben jetzt herausgefunden, wie sie das macht.

Katrin Kronenberger und Fritz Vollrath untersuchten den Spinnapparat der Federfußspinne Uloborus plumipes, die in warmen Klimazonen heimisch ist. Sie baut Netze mit spiralförmig angeordneten Fangwollfäden. Die Fäden der Spinne sind nur einige Nanometer dünn, also Millionstel Millimeter. Mithilfe neuer Präpariermethoden und hoch auflösender Mikroskopbilder konnten die Forscher den Spinnvorgang nun rekonstruieren.

Ladung durch Reibung

Wie Kronenberger und Vollrath in den "Biology Letters" der britischen Royal Society schreiben, bestehen die Spinnwarzen der Federfußspinne aus Hunderten winziger Drüsen. Sie sind gefüllt mit einer sehr flüssigen Spinnseide. Kurz vor der Austrittstelle ist der Drüsenkanal an mehreren Stellen verdickt. Die Forscher vermuten, dass diese kleinen Kammern als Reservoirs sicherstellen, dass der Spinnfaden nicht abreißt.

Wenn die behaarten Hinterbeine der Spinne den Faden aus der Öffnung ziehen, bleiben die perlenartigen Verdickungen in der Spinnseide oft erhalten. Durch die ständige Reibung laden die Haare an den Hinterbeinen die Spinnfäden elektrostatisch auf.

Fäden auf diese Weise herzustellen sei zwar aufwendiger als die Produktion klebriger Spinnseide, schreiben die Wissenschaftler. Der Vorteil für die Spinne sei jedoch, dass die Fangwolle wesentlich länger haltbar ist, als die Fäden mit den Leimtröpfchen, die schnell austrocknen und häufig erneuert werden müssen.

Die Ergebnisse könnten auch der Industrie nutzen. Bisher produzieren Ingenieure Nanofasern nach dem Spinnenfadenvorbild durch Elektrospinnen. Dabei werden die hauchdünnen Fäden durch Anlegen eines elektrischen Feldes aus einer Polymerlösung gezogen. Das Verfahren ist aber wenig produktiv. Mit der Technik der Federfußspinne - in der Fachsprache Extrusionstechnik genannt - könnte das besser klappen, so die Forscher. Dabei müsste die Polymerlösung unter Druck aus einer formgebenden Öffnung gepresst werden.

khü/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
l/d 28.01.2015
1. Toll,
was sich alles so durch puren Zufall und dessen Bewährung entwickelt. Na gut, wir selbst sind ja auch so ein Zufall - der allerdings noch vor seiner Bewährungsprobe steht.
trompetenmann 28.01.2015
2. Elektrostatische Ladung
Hält die Beute im Netz? Oder wie muss ich das verstehen? Und die Ladung "hält" länger als die Klebetröpfchen? Kann icb fast nicht glauben!
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