Feige Fische Piranhas sind nicht gern allein

Ihr Ruf ist furchterregend, sie gelten als gefährliche Killer und Menschenfresser. Dennoch fühlen sich Piranhas nur gemeinsam stark: Sind sie alleine, verhalten sie sich schreckhaft und ängstlich, wie ein Forscherteam jetzt zeigen konnte.

Das Image des Roten Piranhas (Pygocentrus nattereri) ist eigentlich eher furchteinflößend als furchtsam: Nicht zuletzt dank zahlreicher Auftritte in Hollywoodfilmen gelten die Raubfische als gnadenlose Jäger, die ihre Beute einkreisen und mit Hilfe ihres kräftigen Gebisses bis auf die Knochen abnagen. Doch Biologen vermuten schon seit längerer Zeit, dass sich Piranhas nicht zum Jagen zusammenrotten, sondern weil sie Schutz suchen. Den haben die Fische in den überschwemmten Amazonasgebieten, in denen sie hauptsächlich leben, nämlich bitter nötig - schließlich haben sie dort eine ganze Reihe natürlicher Feinde wie Delfine, Kaimane, größere Raubfische und fischfressende Vögel.

Und in der Tat sind vereinzelte Piranhas ängstlich und nervös. Erst, wenn die Fische Rückendeckung von einem Schwarm Artgenossen haben, verlieren sie das furchtsame Benehmen und lassen sich auch von einem Angriff nicht irritieren. Das berichten Anne Magurran von der schottischen St. Andrews University und ihr brasilianischer Kollege Helder Queiroz in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society: Biology Letters" (Online-Vorabveröffentlichung). Wahrscheinlich haben die Tiere ihr Schwarmverhalten zumindest teilweise als Verteidigungsstrategie gegen Feinde wie Kaimane und Kormorane entwickelt, so die Wissenschaftler.

Panische Reaktionen bei vereinzelten Fischen

Um genauer zu untersuchen, warum Piranhas in Schwärmen leben, testeten Magurran und Queiroz, wie wohl sich die Fische alleine und in Gruppen fühlten. Einsamkeit schlägt den Tieren sofort aufs Gemüt, stellten die Forscher dabei fest: Wurden die Fische einzeln oder paarweise vom Schwarm abgesondert, zeigten sie deutliche Anzeichen von Stress. In Gruppen von vier oder acht Individuen blieben sie dagegen ziemlich entspannt. Simulierten die Forscher zusätzlich einen Angriff durch einen Kormoran, war dieser Unterschied noch ausgeprägter: Die einzelnen Tiere gerieten geradezu in Panik und konnten sich auch eine ganze Zeit später nicht beruhigen, während die größeren Gruppen recht schnell wieder zur Tagesordnung zurückkehrten.

Die Piranhas fühlen sich offenbar selbst dann in der Gruppe deutlich sicherer, wenn kein Feind in der Nähe ist, schreiben die Forscher. Der Schwarm ermöglicht ihnen dabei einerseits eine höhere Wachsamkeit, während er andererseits das individuelle Risiko für jeden Fisch vermindert.

Ihren mörderischen Ruf haben Piranhas übrigens kaum verdient: Dass sie Menschen oder große Säugetiere anfallen, ist äußerst selten. Ureinwohner des Amazonasgebietes schwimmen häufig in von Piranhas bewohnten Gewässern, ohne auch nur einen Kratzer davonzutragen.

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