Silvester-Bilanz So viel Feinstaub verursachte die Knallerei

Kaum Wind, viel Geballer: Feuerwerke trieben die Feinstaubwerte in Deutschland an Silvester in die Höhe. Betroffen war vor allem der Süden.
Silvesterfeuerwerk in Berlin: Raketen steigen hinter der Oberbaumbrücke in den Himmel (Aufnahme mit Langzeitbelichtung)

Silvesterfeuerwerk in Berlin: Raketen steigen hinter der Oberbaumbrücke in den Himmel (Aufnahme mit Langzeitbelichtung)

Foto: Paul Zinken/ dpa

Raketen und Böller haben in der Silvesternacht vor allem in Großstädten erhebliche Mengen Feinstaub erzeugt. Wegen der Wetterlage gab es besonders in Süddeutschland hohe Partikelbelastung in der Luft.

Messpunkte sind allerdings dünn gesät, selbst Metropolen verfügen nur über wenige Stationen. Das Umweltbundesamt hat nun die höchsten gemessenen Werte für die Stunde nach Mitternacht an Silvester veröffentlicht.

Die bundesweit höchste Konzentration gab es in Berlin-Friedrichshain: Dort wurden 853 Mikrogramm Feinstaub der Partikelgröße PM10 pro Kubikmeter gemessen. Dahinter folgte eine Station in Reutlingen mit 805 Mikrogramm pro Kubikmeter und eine in der Innenstadt von Leipzig mit 781 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der Grenzwert für das Tagesmittel beträgt 50 Mikrogramm pro Kubikmeter

Mit größerem Abstand folgten dann Messstationen in Ottweiler (488), Karlsruhe (468), Darmstadt (467), Würzburg (452) und Friedrichshafen am Bodensee (450). Auch in Köln, München und anderen größeren Städten wurden stark erhöhte Feinstaubwerte um ein Uhr nachts am 1. Januar gemessen.

Feinstaubwerte um ein Uhr am 1. Januar (Messungen gibt es nur an den Punkten, die Werte in den übrigen Regionen wurden davon abgeleitet.)

Feinstaubwerte um ein Uhr am 1. Januar (Messungen gibt es nur an den Punkten, die Werte in den übrigen Regionen wurden davon abgeleitet.)

Foto: Umweltbundesamt

Besonders Orte in Tälern im Süden hätten stundenlang unter erhöhter Feinstaubbelastung gelitten, berichtet Ute Dauert vom Umweltbundesamt (UBA).

Im Gegensatz zu Süddeutschland sorgte in Norddeutschland Luftbewegung dafür, dass die Staubwolken rasch verflogen. "Vielerorts wehte kräftiger Wind und mancherorts hat es geregnet", sagt Dauert. "Das dünnt aus und wäscht aus." Drei Stunden nach Mitternacht seien die Werte an den meisten Stationen wieder im Normalbereich gewesen.

Feinstaubwerte im Durchschnitt über den gesamten 1. Januar

Feinstaubwerte im Durchschnitt über den gesamten 1. Januar

Foto: Umweltbundesamt

Lediglich an 18 der bundesweit mehr als 300 Messstationen wurde am 1. Januar der zulässige Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten, es waren fünf Orte mehr als Neujahr 2018. Darunter waren Stationen in Berlin-Friedrichshain, Reutlingen, drei Stationen in Stuttgart, eine in Darmstadt und eine in Frankfurt.

Die Gesamtmenge an Feinstaub, die in Deutschland vom Feuerwerk an Silvester verursacht wird, ist beträchtlich. Sie entspricht etwa einem Siebtel der Menge, die der Autoverkehr hierzulande im Jahr freisetzt.

Foto: SPIEGEL ONLINE

In Deutschland setzen Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und weitere Sektoren insgesamt rund 220.000 Tonnen PM10-Feinstaub pro Jahr frei. Der Anteil des Silvesterfeinstaubs beträgt also rund zwei Prozent.

Im Video: Silvester in Berlin-Neukölln (SPIEGEL TV 2016)

SPIEGEL.TV
boj
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.