Feuersbrünste in USA Brandbeschleuniger Klimawandel

Die dramatische Zunahme der Waldbrände in den USA ist laut einer Studie eine Folge des Klimawandels. Die Forscher warnen vor einem Teufelskreis: Je mehr Bäume verbrennen, desto weniger Kohlendioxid wird absorbiert - und die Erde erhitzt sich immer schneller.


Die Klimaerwärmung erlebt in der öffentlichen Wahrnehmung der USA derzeit einen rasanten Wandel - von einem Phänomen, das sich erst in Jahrzehnten, wenn nicht gar Jahrhunderten bemerkbar macht, hin zu einer realen Bedrohung der Gegenwart. Forscher haben bereits Dürren in weiten Teilen der USA, Hitzewellen und darauf folgende Energiekrisen sowie die verstärkte Hurrikan-Intensität mit der globalen Erwärmung in Verbindung gebracht.

Ob es immer diesen direkten Zusammenhang gibt, ist zwar noch nicht in jedem Detail geklärt. Jetzt aber ist eine weitere Naturgewalt unter den potentiellen Klimawandel-Folgen angekommen: Flächenbrände, die in den USA jedes Jahr Hunderttausende Hektar Wälder vernichten, zahlreiche Häuser zerstören und immer wieder Todesopfer fordern. Allein die Bekämpfung der Brände kostet in den USA Schätzungen zufolge jedes Jahr rund 1,7 Milliarden Dollar, die Schäden belaufen sich auf rund eine Milliarde Dollar.

Zahl der großen Feuersbrünste vervierfacht

Seit 1970 hat sich die Zahl der großen Feuersbrünste in den Vereinigten Staaten vervierfacht. Eine Erklärung dafür war bisher, dass die Bevorzugung bestimmter Baumarten durch die Forstwirtschaft die schnelle Ausbreitung von Feuern begünstige. Doch US-Forscher haben das jetzt offenbar widerlegt: Sie fanden nach eigenen Angaben heraus, dass die Brände ausgerechnet in den Wäldern der nördlichen Rocky Mountains am stärksten zunahmen - wo der Mensch kaum in die natürlichen Bestände eingegriffen habe. Die Zunahme der Brände lasse sich dort nur mit den gestiegenen Temperaturen und der früheren Schneeschmelze erklären, die zu größerer Trockenheit und damit Feuergefahr geführt hätten.

Das Team um Anthony Westerling von der University of California in Merced hat die Daten der US-Forstbehörde über 1166 Flächenbrände von jeweils mehr als 400 Hektar analysiert. Um 1987 kam es demnach zu einem Wechsel von gelegentlichen Bränden, die etwa eine Woche dauerten, zu häufigeren Feuern, die fünf Wochen oder länger anhielten. Vor 1987 vergingen demnach im Schnitt siebeneinhalb Tage, bis man einen einmal entdeckten Brand unter Kontrolle hatte. Zwischen 1987 und 2003 lag der Mittelwelt dagegen bei mehr als 37 Tagen. Die Fläche verwüsteten Landes sei zwischen den beiden Zeiträumen um das 6,5-Fache gestiegen.

Einen Zusammenhang gebe es auch mit den Temperaturen im Frühjahr und Sommer: In wärmeren Jahren verzeichnete die Statistik mehr Brände als in kühleren. Im Frühling und Sommer der Jahre 1987 bis 2003 sei es in den westlichen US-Bundesstaaten im Mittel mehr als 1,5 Grad wärmer gewesen als in den 17 Jahren davor, schreiben Westerling und seine Kollegen im Fachblatt "Science". Die Temperaturen zwischen 1987 und 2003 seien sogar die höchsten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1895 gewesen. Auch eine frühere Schneeschmelze erhöht der Studie zufolge die Gefahr von Waldbränden.

"Das passt mit dem Klimawandel zusammen"

Die drastisch gestiegene Zahl der Waldbrände sei "einer der ersten großen Indikatoren für die Auswirkungen des Klimawandels in den USA", sagte Thomas Swetnam von der University of Arizona, ein Mitglied des Forscherteams. "Science" hat den Artikel auf seiner Internetseite frei zugänglich gemacht.

Auch Forschungsleiter Westerling brachte die Feuersbrünste mit dem Klimawandel direkt in Zusammenhang. "Die Waldbrand-Saison beginnt früher und dauert länger", sagte Westerling der "Los Angeles Times". "Das passt mit dem Klimawandel zusammen."

Ähnlich äußerte sich Steven Running von der University of Montana in Missoula, der die Studie in "Science" kommentierte. Die Waldbrände seien für den Westen der USA "das Gegenstück zu den Hurrikanen an der Ostküste" und "die Illustration einer Naturkatastrophe, deren Intensität mit der globalen Erwärmung zunimmt".

Westerling und seine Kollegen warnen nun vor einem Teufelskreis: Die Klimaerwärmung führe zu mehr Waldbränden, weshalb es immer weniger Bäume gebe, die das Treibhausgas Kohlendioxid aufnehmen könnten. Zugleich setze das Abfackeln der Bäume gewaltige Mengen an CO2 frei. Beides führe zu einer noch schnelleren Erwärmung der Atmosphäre.

In diesem Jahr schon 60.000 Brände

Im vergangenen Jahr erlebten die Amerikaner die schlimmste Waldbrand-Saison aller Zeiten: Rund 34.500 Quadratkilometer - das entspricht in etwa der Fläche Nordrhein-Westfalens - fielen den Bränden zum Opfer. In diesem Jahr registrierte der National Interagency Fire Center in Idaho bereits mehr als 60.000 Feuersbrünste, die fast 16.000 Quadratkilometer verbrannt haben.

"Viele Menschen glauben, dass der Klimawandel und die ökologischen Folgen 50 bis 100 Jahre in der Zukunft liegen", sagte Swetnam. "Aber das ist falsch. Sie finden schon jetzt statt - als Feuer in den Wäldern."

In den kommenden Jahren könnte es noch weit ungemütlicher werden, wie 2007 im nächsten Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Uno zu lesen sein wird. Alle sieben Simulationen der Klimaentwicklung hätten in einem Punkt zu einem ähnlichen Ergebnis geführt, erklärt Running: Im westlichen Nordamerika werden die Durchschnittstemperaturen im Juni, Juli und August bis spätestens 2069 um zwei bis fünf Grad steigen.

Das sei das Dreifache dessen, was Westerling und seine Kollegen als Ursache der heutigen Waldbrand-Entwicklung ausgemacht hätten. Und über den ebenfalls im IPCC-Bericht prognostizierten Rückgang der Niederschläge um 15 Prozent habe man da noch gar nicht geredet.

mbe/dpa/AP

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