Fisch-Fossil Seit 375 Millionen Jahren an der Nabelschnur

Der Nachwuchs hängt an der Nabelschnur - und das schon seit fast 400 Millionen Jahren: Forscher haben in Australien ein spektakuläres Fossil entdeckt. Der versteinerte Panzerfisch und sein Jungtier sind der bislang älteste Beweis für Lebendgeburten.


Gogo Station mag ein lustiger Name sein, aber Paläontolgen nehmen den australischen Ort ernst: Er ist für Aufsehen erregende Fossilienfunde bekannt. Hier haben Paläontologen vom Museum Victoria in Melbourne auch die versteinerten Überreste eines Panzerfischs entdeckt, die jetzt beweisen, dass es Lebendgeburten bereits seit knapp 400 Millionen Jahren gibt. In dem Fossil fanden die Forscher die Überreste eines Embryos, der durch eine Nabelschnur mit dem Muttertier verbunden war.

Panzerfisch mit Nachwuchs (Grafik): Ältester Beweis für Lebendgeburten
NPG

Panzerfisch mit Nachwuchs (Grafik): Ältester Beweis für Lebendgeburten

Die Fossilien sind mindestens 200 Millionen Jahre älter als alle bislang bekannten Funde von schwangeren Wirbeltieren. Damit sei der Fisch namens Materpiscis attenboroughi der bislang älteste Beweis für Lebendgeburten, schreiben die Forscher um John Long in der Fachzeitschrift "Nature" (Bd. 453, S. 650).

Das etwa 25 Zentimeter große Skelett stammt aus der Zeit des Devon, das vor rund 416 Millionen Jahren begann und vor etwa 360 Millionen Jahren endete. Aufgrund der umgebenden Gesteinsschichten schätzen die Wissenschaftler das Alter des Panzerfischskeletts auf 375 bis 380 Millionen Jahre.

Die mittlerweile ausgestorbenen Panzerfische waren im Devon weit verbreitet. Bislang galten sie als primitive Vertreter der Wirbeltiere. Nach dem Fossilienfund müsse diese Annahme allerdings überdacht werden, schreiben Long und seine Kollegen. Für die Forscher liefert der jetzt entdeckte Embryo Hinweise auf die komplexen Fortpflanzungsstrategien mancher Panzerfische. So sieht Long in dem Fund den ältesten Beleg für eine Kopulation unter Wirbeltieren, denn nur so sei die für eine Lebendgeburt nötige Befruchtung zu bewerkstelligen.

Ein weiterer Fund aus der Region untermauert die These von den schwangeren Panzerfischen: In einem versteinerten Skelett der Panzerfischart Austroptyctodus gardineri, das ebenfalls aus dem Devon stammt, fanden die Paläontologen Überreste kleinerer Fische. Weil die Forscher auch hier Strukturen entdeckten, die an Nabelschnüre und Dottersäcke erinnern, gehen sie davon aus, dass Austroptyctodus gardineri nicht etwa kleinere Artgenossen gefressen hat, sondern ebenfalls schwanger war.

hda/ddp



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