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04. Juni 2019, 13:40 Uhr

Globale Fischereistudie

"Immer mehr Schiffe jagen immer weniger Fische"

Die Zahl der Schiffe in der Fischerei hat sich seit 1950 weltweit mehr als verdoppelt. Vor allem in Asien sind viele kleine Boote unterwegs. Die Fischbestände könnten dadurch weiter schwinden.

Dieses Jahr sollen sich die Kabeljau-Bestände in der Nordsee erholen. So strebt es die EU durch die Festlegung der jährlichen Fangquoten an. Und an die müssen sich die Nordseefischer halten.

In Europa werden Entscheidungen zu solchen Regulierungen auf der Grundlage der Fischbestände getroffen. Doch in anderen Teilen der Welt mangelt es am Schutz von Fischbeständen. Denn zumindest global gibt es bei der Fischerei ein Problem, legt eine neue Studie nahe. "Immer mehr Schiffe jagen immer weniger Fische", fasst Yannick Rousseau von der University of Tasmania in Australien die Ergebnisse zusammen.

Für die Untersuchung, die in den "Proceedings" der Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS") der USA veröffentlicht wurde, haben Forscher um Rousseau sich die Entwicklung von Fischereiflotten angeschaut. Das Ergebnis: Die Zahl der Schiffe hat sich seit 1950 mehr als verdoppelt - von 1,7 Millionen auf 3,7 Millionen im Jahr 2015. Die Forscher werteten die Schiffsbestände von mehr als 150 Staaten aus. Außerdem sichteten sie Datenbanken und Fachliteratur.

Grundsätzlich unterschieden sie zwischen Schiffen mit und ohne maschinellen Antrieb sowie industriellen Schiffen. In den vergangenen 65 Jahren sei nicht nur die Zahl der Schiffe und Boote gestiegen, sondern auch der Anteil und die Leistung derjenigen mit Motor. Demnach waren 2015 gut zwei Drittel der Schiffe (68 Prozent) motorisiert.

Für die Studie werteten die Forscher auch die Menge kleinerer Boote zur traditionellen Fischerei aus. Hier stellten sie starke regionale Unterschiede fest. Während die Zahl der Schiffe in Asien um gut 400 Prozent zunahm, verzeichneten Europa und Nordamerika einen Rückgang. Hier verdoppelte sich die Flotte von 1950 bis in die Achtzigerjahre zunächst, ab 2010 registrierten die Forscher einen deutlichen Rückgang.

Auch der Aufwand, den die Fischer für ihre Fangmengen betreiben müssen, ist gestiegen, ergab die Auswertung des CPUE-Index ("catch per unit of effort"). "Trotz der fortgeschrittenen Technologie und steigenden Schiffszahlen muss die moderne motorisierte Flotte härter arbeiten, um weniger Fisch zu fangen", so Rousseau. Das sei vor allem in Südostasien, Lateinamerika und dem südlichen Mittelmeer deutlich geworden.

Zudem werten die Forscher den höheren Aufwand als Zeichen für Überfischung. "Man kann nicht pauschal sagen, dass die Weltmeere überfischt sind. Aber natürlich gibt es Regionen, auf die das zutrifft", sagt der stellvertretende Leiter des Thünen-Instituts für Fischereiökologie in Rostock, Uwe Krumme. So gebe es etwa in Asien durch die steigende Bevölkerung immer mehr kleine Fischer, die sich ein Boot kauften, um damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Auch wenn die Fischbestände zurückgingen, würden diese Boote und Schiffe genutzt - Regulierungen würden kaum durchgesetzt. Ohne vernünftiges Fischereimanagement, das es in Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland gebe, steige der Druck auf die Fischbestände, sagt Krumme.

Generell kritisiert Krumme, die Forscher hätten nicht zwischen verschiedenen Fangarten differenziert - etwa der Fischerei nach Bodenfischen und nach Schwarmfischen. Zudem sage die Zahl der Boote und Schiffe allein nur wenig aus über die globale Fangkapazität.

Die australischen Forscher gehen davon aus, dass sich der von ihnen berichtete Trend in den kommenden Jahren weiter verschärft. Sie rechnen bis Mitte des 21. Jahrhunderts mit einer weiteren Million Fischereischiffe auf den Ozeanen und zudem mit einem Anstieg von deren Motorleistung. Das könne auch einen Anstieg der Fangmengen bedeuten. Fischer können in kürzerer Zeit größere Meeresgebiete erreichen und befischen. "Diese Veränderungen werden die nachhaltige Nutzung der Fischressourcen in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen stellen", sagt Rousseau.

Dies gelte besonders für Regionen wie Südostasien, wo sich große Teile der Bevölkerung durch traditionelle Fischerei versorgen. "Zusätzliche Maßnahmen zum Fischereimanagement werden daher dringend benötigt", urteilen die Wissenschaftler.

joe/dpa

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