Globale Fischereistudie "Immer mehr Schiffe jagen immer weniger Fische"

Die Zahl der Schiffe in der Fischerei hat sich seit 1950 weltweit mehr als verdoppelt. Vor allem in Asien sind viele kleine Boote unterwegs. Die Fischbestände könnten dadurch weiter schwinden.

Fischer vor der Küste Nordfrankreichs (Archivbild)
Pascal Rossignol/ REUTERS

Fischer vor der Küste Nordfrankreichs (Archivbild)


Dieses Jahr sollen sich die Kabeljau-Bestände in der Nordsee erholen. So strebt es die EU durch die Festlegung der jährlichen Fangquoten an. Und an die müssen sich die Nordseefischer halten.

In Europa werden Entscheidungen zu solchen Regulierungen auf der Grundlage der Fischbestände getroffen. Doch in anderen Teilen der Welt mangelt es am Schutz von Fischbeständen. Denn zumindest global gibt es bei der Fischerei ein Problem, legt eine neue Studie nahe. "Immer mehr Schiffe jagen immer weniger Fische", fasst Yannick Rousseau von der University of Tasmania in Australien die Ergebnisse zusammen.

Für die Untersuchung, die in den "Proceedings" der Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS") der USA veröffentlicht wurde, haben Forscher um Rousseau sich die Entwicklung von Fischereiflotten angeschaut. Das Ergebnis: Die Zahl der Schiffe hat sich seit 1950 mehr als verdoppelt - von 1,7 Millionen auf 3,7 Millionen im Jahr 2015. Die Forscher werteten die Schiffsbestände von mehr als 150 Staaten aus. Außerdem sichteten sie Datenbanken und Fachliteratur.

Grundsätzlich unterschieden sie zwischen Schiffen mit und ohne maschinellen Antrieb sowie industriellen Schiffen. In den vergangenen 65 Jahren sei nicht nur die Zahl der Schiffe und Boote gestiegen, sondern auch der Anteil und die Leistung derjenigen mit Motor. Demnach waren 2015 gut zwei Drittel der Schiffe (68 Prozent) motorisiert.

Für die Studie werteten die Forscher auch die Menge kleinerer Boote zur traditionellen Fischerei aus. Hier stellten sie starke regionale Unterschiede fest. Während die Zahl der Schiffe in Asien um gut 400 Prozent zunahm, verzeichneten Europa und Nordamerika einen Rückgang. Hier verdoppelte sich die Flotte von 1950 bis in die Achtzigerjahre zunächst, ab 2010 registrierten die Forscher einen deutlichen Rückgang.

Auch der Aufwand, den die Fischer für ihre Fangmengen betreiben müssen, ist gestiegen, ergab die Auswertung des CPUE-Index ("catch per unit of effort"). "Trotz der fortgeschrittenen Technologie und steigenden Schiffszahlen muss die moderne motorisierte Flotte härter arbeiten, um weniger Fisch zu fangen", so Rousseau. Das sei vor allem in Südostasien, Lateinamerika und dem südlichen Mittelmeer deutlich geworden.

Zudem werten die Forscher den höheren Aufwand als Zeichen für Überfischung. "Man kann nicht pauschal sagen, dass die Weltmeere überfischt sind. Aber natürlich gibt es Regionen, auf die das zutrifft", sagt der stellvertretende Leiter des Thünen-Instituts für Fischereiökologie in Rostock, Uwe Krumme. So gebe es etwa in Asien durch die steigende Bevölkerung immer mehr kleine Fischer, die sich ein Boot kauften, um damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Auch wenn die Fischbestände zurückgingen, würden diese Boote und Schiffe genutzt - Regulierungen würden kaum durchgesetzt. Ohne vernünftiges Fischereimanagement, das es in Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland gebe, steige der Druck auf die Fischbestände, sagt Krumme.

Generell kritisiert Krumme, die Forscher hätten nicht zwischen verschiedenen Fangarten differenziert - etwa der Fischerei nach Bodenfischen und nach Schwarmfischen. Zudem sage die Zahl der Boote und Schiffe allein nur wenig aus über die globale Fangkapazität.

Die australischen Forscher gehen davon aus, dass sich der von ihnen berichtete Trend in den kommenden Jahren weiter verschärft. Sie rechnen bis Mitte des 21. Jahrhunderts mit einer weiteren Million Fischereischiffe auf den Ozeanen und zudem mit einem Anstieg von deren Motorleistung. Das könne auch einen Anstieg der Fangmengen bedeuten. Fischer können in kürzerer Zeit größere Meeresgebiete erreichen und befischen. "Diese Veränderungen werden die nachhaltige Nutzung der Fischressourcen in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen stellen", sagt Rousseau.

Dies gelte besonders für Regionen wie Südostasien, wo sich große Teile der Bevölkerung durch traditionelle Fischerei versorgen. "Zusätzliche Maßnahmen zum Fischereimanagement werden daher dringend benötigt", urteilen die Wissenschaftler.

joe/dpa

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insgesamt 28 Beiträge
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Edenjung 04.06.2019
1. Greenpeace
hat den Fischratgeber als App, damit kann man immer kucken welcher Fisch nicht überfischt ist oder bedroht und kann danach einkaufen. Ist super. https://www.greenpeace.de/themen/meere/app-fuer-nachhaltigen-fisch
transatco 04.06.2019
2. Es gibt keine Rettung für die Fischbestände mehr!
Es sei denn der Mensch schafft sich ab! Denn wenn sich die Zahl der Fisachereiboote seit 1950 verdoppelt hat, so wuchs die Weltbevölkerung seit damals 2,5 Mrd auf heute mehr als das dreifache an (ca. 8 Mrd. Stand 2019)! So gesehen sind pro Kopf sogar weniger Fischer unterwegs! Die Erde wird aber dieses Wachstum der Spezies Mensch niemals auf Dauer verkraften! Wer ganz am Ende den kürzeren zieht, kann sich jeder selbst ausrechnen! Aber lieber weiter voran im Wachstum, Konsum und Raubbau an der Natur, und schon unsere Enkel werden wohl die letzte Generation sein! Wir haben nicht einmal mehr 100 Jahre! Da bin ich sicher!!
4magda 04.06.2019
3.
Immer mehr Mäuler wollen gestopft werden. Eine biologische Masseeinheit ohne natürliche Feinde wird irgendwann an sich selbst zugrunde gehen. Dann kann sich die Natur und der Fischbestand wieder erholen.
Portugiese 04.06.2019
4. Portugal und Azoren
Hier haben die Fangbeschränkungen zuerst für einen Abbau der Flotte und höhere Arbeitslosigkeit gesorgt, jetzt aber gibt es mehr Fisch und ide verbleibenden Boote arbeiten wirtschaftlicher - Probleme machen spanische und russische Trawler, die immer wieder beim Schwarzfischen erwischt werden - das wird sich noch verschlimmern. Die Verbraucherpreise sind mittlerweile Weltmarktpreise und sind weiter am steigen, aber immerhin gibt es wieder besseren Fisch.
PriseSalz 04.06.2019
5. Ein mieser Teaser!
"Die Zahl der Schiffe in der Fischerei hat sich seit 1950 weltweit mehr als verdoppelt." Die Zahl der Schiffe ist völlig unerheblich. Die Fangkapazität (Größe der Netze etc.) ist ausschlaggebend. Danach hat sich die Effizienz der Fangflotten seit 1950 mehr als verzehnfacht. Noch ne Null dran wäre wahrscheinlicher. "Die Fischbestände könnten dadurch weiter schwinden." könnten"? Keine Möglichkeitsform. Tun sie. Manche Fischarten, 1950 noch reichlich anzutreffen wie der Kabeljau, sind praktisch weg. Tunfisch, Hering, Scholle - Nur noch Delikatessen für die Reichen. Die Armen fressen Masthühner.
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