Fischerei im Atlantik Kommission beschließt Hai-Schutz

Der Rote Thunfisch ist durch Überfischung extrem gefährdet, doch die zuständige internationale Kommission konnte sich nicht einigen, die Fangquoten zu drosseln. Immerhin wird der Schutz mehrerer Haiarten und Meeresschildkröten verbessert.

Hammerhai im Zoo: Mehrere Haiarten im Atlantik dürfen nicht mehr gefangen werden
dpa

Hammerhai im Zoo: Mehrere Haiarten im Atlantik dürfen nicht mehr gefangen werden


Paris - Die Fangquoten für den bedrohten Roten Thunfisch bleiben fast unverändert. Darauf einigten sich am Wochenende die Delegierten der Konferenz der Internationalen Kommission für den Schutz des Atlantischen Thunfischs (Iccat). Die Mehrheit der 48 Mitgliedstaaten beschloss, dass die jährliche Thunfisch-Fangmenge um lediglich vier Prozent auf 12.900 Tonnen gesenkt wird. Die Neuverhandlung verschiedener Fangquoten zog sich über zehn Tage. Umweltschützer hatten auf ein Verbot des Thun-Fangs gehofft. 2009 war die Quote um 8500 Tonnen auf 13.500 Tonnen (im laufenden Jahr) gekürzt worden.

Im Juni hatte die EU-Kommission die diesjährige Fangsaison im Mittelmeer und im Ostatlantik aus Sorge um die Bestände vorzeitig beendet. Im März war bei einer Konferenz der Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites) ein Vorschlag Monacos abgelehnt worden, den internationalen Handel mit dem Blauflossen-Thunfisch, wie die Art auch genannt wird, zu verbieten. In der EU verfügen vor allem Frankreich, Spanien, Malta und Italien über große Thunfischflotten. Hauptabnehmer ist Japan, wo 80 Prozent des im Ostatlantik und im Mittelmeer gefangenen Roten Thuns verbraucht werden.

Die Pariser Einigung sieht eine leichte Umverteilung des Fangquoten-Anteils unter den betroffenen Ländern vor, insbesondere unter Algerien, Libyen, der Türkei und Ägypten. Die EU-Staaten behalten ihren Anteil von 56 Prozent an der Fangquote.

Umweltschützer sind enttäuscht. "Dem Roten Thunfisch wurde erneut der Schutz verweigert, den er dringend benötigt", sagte Sue Lieberman von der US-Umweltorganisation Pew Environment Group in Paris. Die Organisation Oceana erklärte, die Konferenz bedeute für den Roten Thunfisch "ein deutliches Scheitern". Die in Paris anwesenden Staaten seien "nicht in der Lage gewesen, die Arten zu schützen, für die sie zuständig sind", sagte der Oceana-Vertreter Michael Hirshfield.

Besserer Schutz für bedrohte Haie

Geschützt sind im Atlantik künftig ein halbes Dutzend Haiarten: Weißspitzen-Hochseehaie sowie verschiedene Arten des Hammerhais dürfen nicht mehr gefangen werden. Haie im Atlantik sind durch die steigende Nachfrage nach Haifischflossensuppe auf dem asiatischen Markt bedroht.

Ein Antrag der Europäischen Union, den im nordöstlichen Atlantik und im Mittelmeer bedrohten Heringshai unter denselben Schutz zu stellen, wurde dagegen abgelehnt. "Kanada hat darauf beharrt, den Heringshai nicht aufgeben zu wollen", sagte die Meereswissenschaftlerin Elizabeth Wilson von Oceana. Die USA scheiterten mit ihrem Antrag auf Fangquoten für den Kurzflossen-Mako. Die Hälfte der Teilnehmerländer seien dagegen gewesen, sagte Wilson.

Beim industriellen Fischfang wurden 2008 einem jüngsten Bericht zufolge 1,3 Millionen Haie aus dem Atlantik gezogen. Die Dunkelziffer soll jedoch weit darüber liegen.

Nach einem Beschluss der Iccat müssen Fischer im Atlantikraum künftig eine Spezialausrüstung bei sich tragen, mit der sie Meeresschildkröten von Angelhaken befreien könnten.

wbr/dpa/dapd/AFP



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wwwwalter 28.11.2010
1. Nichts dazugelernt - die Strafe folgt in Kürze !
Wieder mal ein Armutszeugnis und eine Schande für die Menschheit. Ich habe inzwischen jede Hoffnung auf Vernunft und Umkehr aufgegeben. Hai- und Meeresschildkrötenschutz sind nur ein kleines Feigenblatt, da wirtschaftlich nicht wirklich bedeutend. Solange noch ein bischen Profit lockt, wie beim Thunfisch, wird weitergefischt. Aktuell erleben wir aber den Beginn des Endes unseres liebgewordenen Systems von Konsum im Überfluss. In spätestens 20 Jahren wird das Meer sowieso leergefischt sein, und die Erwärmung der Meere durch den Klimawandel wird dem Fischfang weitgehend ein Ende setzen. In den kommenden Jahrzehnten steuern wir mit großer Sicherheit auf unkontrollierbare Naturkatastrophen zu, wenn die Temperatur sich um mehrere Grad erwärmen sollte. Infolgedessen wird der globale Welthandel, so wie wir ihn aktuell kennen, zusammenbrechen, es wird Kriege um die Süßwasserresourcen geben, kurzum, es wird richtig ungemütlich für uns alle. Schadensbegrenzung ist alles, was die Politiker dann in der Zukunft noch antreiben wird. Großprojekte wie S21 werden schon in ein, zwei Jahrzehnten der Vergangenheit angehören. Es gilt dann ressourcenschonend zu wirtschaften, und das zu erhalten, was wir haben. Von dem auf ständiges Wachstum ausgerichtete kapitalistische Wirtschaftssystem werden wir uns trennen müssen, daran führt kein Weg vorbei. Aber aktuell ist kein Politiker imstande, uns reinen Wein einzuschenken, alle denken sie nur in den Dimensionen einer Legislaturperiode. Das ist schon dramatisch.
Geheimagent 28.11.2010
2. Geld Geld Geld
Zitat von sysopDer Rote Thunfisch*ist durch Überfischung extrem gefährdet, doch die zuständige internationale Kommission konnte sich nicht einigen, die Fangquoten zu drosseln. Immerhin wird der Schutz mehrerer Haiarten und Meeresschildkröten verbessert. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,731586,00.html
Langsam frage ich mich was man eigentlich noch schützen will. Die Küstengewässer des Mittelmeeres sind so gut wie leergefischt und bei Hochseefischen sieht es nicht viel besser aus. Es wir alles rausgeholt was nicht durch die Maschen schlüpfen kann und wenn nichts mehr in den Netzen ist, werden die Maschen einfach nochmals verkleiner bis auch noch der kleinste Fisch rausgeholt wird. Ich könnte mich als passionierter Taucher jedesmal so aufregen wenn ich irgendetwas von vermeindlichen Kommissionen zum Artenschutz lese. Die bekommen doch eh nichts auf die Reihe und letztendlich geht es ihnen doch sowieso nur ums Geld. Nachdem in Asien bereits alles leergefischt ist, machen sich Japaner und Chinesen auch noch über die europäischen Fanggründe her und locken mit exorbitanten Abnahmepreisen. Holen wir doch einfach alles raus, dann brauchen wir auch keine solch blödsinnigen Kommissionen mehr die eh nur Geld kosten und nichts bringen.
dawncore 28.11.2010
3. ein Titel für den Umweltschutz!
Richtig, es wird gefischt werden, bis die Fanggründe leergefegt sind, Profit sei dank. Leider stehen Organisationen, die für die Erhaltung & Rehabilitation der Bestände stehen und kämpfen einer übergroßen Lobby gegenüber, die jegliche Vernunft vermissen lässt, auf Ethik wird sowieso gesch*ssen. Man mag gar nicht an die Szenarien denken, wie sie wwwwalter beispielsweise entwirft, da wird es einem ganz übel. Womöglich gibt es noch eine Resthoffnung, dass mit steigender Exlusivität für verschiedene Fischarten eine Abkehr von der Überfischung stattfindet, weil der Bedarf nicht mehr gedeckt werden kann. Dass dies eine Vision der Bombe, die 1 Sekunde vor der Explosion entschärft wird, ist, mindert die Tragik dennoch auch nicht.
Geheimagent 29.11.2010
4. Bedarf ?
Zitat von dawncoreRichtig, es wird gefischt werden, bis die Fanggründe leergefegt sind, Profit sei dank. Leider stehen Organisationen, die für die Erhaltung & Rehabilitation der Bestände stehen und kämpfen einer übergroßen Lobby gegenüber, die jegliche Vernunft vermissen lässt, auf Ethik wird sowieso gesch*ssen. Man mag gar nicht an die Szenarien denken, wie sie wwwwalter beispielsweise entwirft, da wird es einem ganz übel. Womöglich gibt es noch eine Resthoffnung, dass mit steigender Exlusivität für verschiedene Fischarten eine Abkehr von der Überfischung stattfindet, weil der Bedarf nicht mehr gedeckt werden kann. Dass dies eine Vision der Bombe, die 1 Sekunde vor der Explosion entschärft wird, ist, mindert die Tragik dennoch auch nicht.
Das Problem ist nur, dass mittlerweile sehr viele Hochseefische gefangen werden, bevor sie geschlechtsreif sind. Das heisst, es dürften also nur Fische ab einer bestimmten Größe und Alter gefangen werden, damit sie sich überhaupt noch fortpflanzen können. Man müsste ja nicht mal ein grundsätzliches Fangverbot verhängen, sondern lediglich die Fangmethoden ändern und dementsprechend kontrollieren aber diese Kommissionen kennen scheinbar nur ein Ja oder Nein, wie ein Computer der auch nicht versteht was er eigentlich tut. Ein weiterer Schritt wäre punktuelle Lebensräume in den Küstengewässern auszuweisen und diese mit einem strikten Fangverbot zu belegen. Diese Habitate würden als Erholungsgebiet und als Lebenskeim für das marine Leben fungieren, wobei sich die Bestände auch relativ schnell wieder erholen könnten. Wenn ich mir allerdings lediglich das Mittelmeer ansehe, so gibt es solche Habitate so gut wie überhaupt nicht und wenn, dann dienen sie rein dem Tauchtourismus einzelner Länder. Die EU ist nicht einmal fähig kleinste Vorschriften zur Arterhaltung zu erlassen. Es ist einfach eine Schande so lange zu warten, bis sich die Fischbestände überhaupt nicht mehr erholen können, da es bald einfach nicht mehr genug Fische gibt. Allerdings kann jeder einzelne von uns auf dieses Verhalten der Fischereiindustrie Einfluss nehmen, indem er entweder weniger Fisch isst, oder nur bestimmte Sorten, die nicht auf dem Index stehen. Einfach Hirn einschalten vor dem Kauf und im Fischführer vom WWF nachsehen: http://www.wwf.de/themen/meere-kuesten/fischerei-und-fischzucht/jeder-kann-handeln/neu-fischratgeber/
companion 30.11.2010
5. Weniger Meeresfische essen
Ich esse schon seit Jahren aus diesen Gründen keinen Meeresfisch mehr, aber leider reichen Einzelaktionen nicht aus, wie die Erfahrung zeigt. Meines Erachtens müssen sich die großen Umweltschutzorganisationen zu ausgesprochenen, breit kommunizierten Boykott-Aufrufen durchringen, auch wenn das politisch vielleicht nicht einfach ist.
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