Zu hoher Phosphorverbrauch Aquakulturen gefährden die Nahrungssicherheit

Ohne Phosphor können Menschen, Tiere und Pflanzen nicht leben. Doch für die Fischzucht werden riesige Mengen des endlichen Rohstoffs als Dünger versenkt. Jetzt warnen Forscher vor einer Verknappung der Ressource.
Aquakultur in der Türkei (Archivbild): "Sicherstellen, dass für zukünftige Generationen genügend Phosphor verfügbar ist"

Aquakultur in der Türkei (Archivbild): "Sicherstellen, dass für zukünftige Generationen genügend Phosphor verfügbar ist"

Foto: Anadolu Agency/ Getty Images

Ob für den Aufbau von Zellen oder für die Energiespeicherung: Menschen, Tiere und Pflanzen benötigen den Mineralstoff Phosphor dringend zum Leben. Er ist in fast allen unseren Nahrungsmitteln enthalten und wird dem Körper als Phosphat zugeführt. Doch der Rohstoff ist knapp: Erst 2014 nahm die Europäische Union Phosphor in die Liste der 20 kritischen Rohstoffe auf, deren Versorgungssicherheit gefährdet ist.

Weil auf der Erde immer mehr Menschen leben und die Nachfrage nach Nahrungsmitteln steigt, hat sich auch der Phosphorverbrauch drastisch erhöht. Die größten Vorkommen an Phosphatmineralien finden sich in Marokko, der Westsahara, in China und im US-Bundesstaat Florida. Diese Vorkommen können abgebaut werden und reichen Schätzungen zufolge noch für wenige Jahrzehnte.

Besonders problematisch: Von den rund 100 Millionen Tonnen Phosphor, die jedes Jahr weltweit gefördert werden, dienen etwa 90 Prozent der Herstellung von Düngemitteln. Während neue Vorschriften die Verwendung von Phosphor in der Landwirtschaft bereits eingedämmt haben, ist die Verschwendung des Mineralstoffs in der Fischzucht noch immer enorm.

Nur etwa ein Viertel des Phosphors, der beim Aquafarming zum Einsatz kommt, wird tatsächlich mit dem Fisch geerntet - der Rest verbleibt im Wasser und ist potenziell schädlich für andere Ökosysteme. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die in der Fachzeitschrift "Natur Communications"  veröffentlicht wurde. Das internationale Forscherteam um Yuanyuan Huang von der australischen Universität Queensland warnt vor einer Verknappung der Ressource Phosphor und den Auswirkungen auf die zukünftige Ernährungssicherheit.

Forscher fordern mehr Effizienz in der Fischzucht

"Der Phosphor, der in Flüsse und Ozeane gelangt, kann als verloren angesehen werden, da es äußerst schwierig ist, ihn wiederzugewinnen", sagt Daniel Goll von der Universität Augsburg, einer der Co-Autoren der Studie. "Solche Verluste sollten vermieden werden, um sicherzustellen, dass auch für zukünftige Generationen genügend Phosphor verfügbar ist."

Während frei lebende Fische ihren Phosphorbedarf dadurch decken, dass sie andere Fische oder Plankton fressen, müssen Fische in Aquakulturen auf anderem Weg versorgt werden: Der Rohstoff ist einerseits in Fischfutter enthalten und wird andererseits dem Dünger für Futterpflanzen zugesetzt.

Weil der Anteil von Fischen aus Aquakultur für den menschlichen Verzehr von unter fünf Prozent in den Fünfzigerjahren auf etwa 50 Prozent in den vergangenen zehn Jahren gestiegen ist, hat sich der sogenannte Phosphorfluss den Forschern zufolge umgekehrt: Während vor der Hochphase des Aquafarmings mehr Phosphor aus den Gewässern an Land gelangt sei als andersherum, lande mittlerweile deutlich mehr Phosphor vom Land in den Gewässern - und zwar in Form von Dünge- und Futtermitteln.

Die Studienautoren fordern deshalb mehr Effizienz in der Fischzucht. So müsse sich der Anteil an Phosphor, der über die Fische aus Aquakulturen wieder an Land geholt werde, bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln, um eine nachhaltige Phosphorproduktion zu ermöglichen. "Wir sollten uns überlegen, wie wir Phosphor in der Fischwirtschaft recyceln und wiederverwenden können, um damit mehr Feldfrüchte anzubauen. Gleichzeitig sollten wir den Phosphor, den wir in der Aquakultur ins Wasser geben auf ein Minimum reduzieren", sagt Huang.

jki