Fledermaussterben Tod im Windrad

Naturschützer schlagen Alarm: Eine Viertelmillion Fledermäuse sterben Schätzungen zufolge pro Jahr an Windrädern in Deutschland. Auch Nahrungsmangel und Monokulturen dezimieren den Bestand der Tiere.
Fledermaus auf der Jagd nach Insekten

Fledermaus auf der Jagd nach Insekten

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Windkraftanlagen sind eine große Gefahr für Fledermäuse. Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo und Wildtierforschung schätzt, dass an den mehr als 26.000 Windrädern in Deutschland jährlich mehr als 250.000 Fledermäuse sterben.

Ruth Petermann vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) hält das für realistisch: "Es könnten allerdings auch 100.000 Fledermäuse mehr oder auch weniger sein" - es handele sich um eine grobe Hochrechnung.

Der Trend, die Anlagen zunehmend auch in Wäldern aufzustellen, könnte die Zahlen erhöhen, fürchtet Voigt.

Tödlich seien nicht nur Kollisionen mit den Rotorblättern: "Viele Tiere sterben auch durch die starken Luftdruckänderungen in der Nähe der Anlagen. Dadurch zerreißen die inneren Organe und die Fledermäuse verbluten innerlich."

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Foto: DPA/ C.C.Voigt/ Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung

In einer Pilotstudie fanden die Forscher heraus, dass vor allem Weibchen von den Anlagen angezogen werden. "Eine Erklärung dafür ist, dass die baumbewohnenden Tiere nach der Wochenstubenphase, in der sie ihre Jungen aufziehen, neue Quartiere suchen und die Anlagen fälschlicherweise für große, abgestorbene Bäume halten."

"Getötete Fledermäuse fehlen in einer Population schmerzlich, denn die Tiere vermehren sich nur sehr langsam", betont Voigt. Außerdem seien sie nützlich. Neben Mücken vertilgen sie auch massenweise Käfer und Raupen an Nutzpflanzen. "Sie vollbringen damit eine enorme Ökosystemdienstleistung, die Landwirte sehr schätzen sollten."

"Fledermausfreundliches Haus"

Auch Nahrungsmangel machte den Tieren zu schaffen. Pestizide reduzierten die Zahl der Insekten und somit die Nahrungsquelle. Durch die Monokulturen in den Wäldern gebe es zudem zu wenige alte Höhlenbäume, die Fledermäusen Unterschlupf bieten.

Der Umweltverband Nabu vergibt seit Jahren die Plakette "Fledermausfreundliches Haus" an Menschen, die den Nachtschwärmern etwa in Kellern oder auf Dachböden Quartiere bieten. Für Kirchgemeinden, die Tiere in Kirchtürmen leben lassen, gibt es ebenfalls Ehrungen.

Umweltschutzverbände setzten sich seit den Achtzigerjahren verstärkt für Fledermäuse ein, deren Bestände zuvor durch intensive Land- und Forstwirtschaft sowie Insektizide stark minimiert worden waren.

In Deutschland kommen laut Bundesverband für Fledermauskunde etwa 25 von weltweit knapp 1400 bekannten Fledermausarten vor, die hierzulande alle streng geschützt sind. Der Bestand von 18 von ihnen ist nach Angaben von Experten gefährdet.

Wie viele Fledermäuse in Deutschland leben, ist unklar. Die nachtaktiven Jäger sind schwer zu beobachten.

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boj/dpa