Frankreich Fleisch von Gentechnik-Lamm in Paris verkauft

In Frankreich ist offenbar gentechnisch manipuliertes Fleisch in den Handel gelangt und verspeist worden. Die Staatsanwaltschaft ist informiert.

Benoit Malpaux: Der Präsident des Inra will den Fall gerichtlich klären lassen
AFP

Benoit Malpaux: Der Präsident des Inra will den Fall gerichtlich klären lassen


Das Fleisch eines Lamms aus einem französischen Gentechnik-Labor ist verbotenerweise verkauft und wahrscheinlich verspeist worden. Das Tier stamme von einer gentechnisch veränderten Mutter ab, teilte das französische Bundesinstitut für Agrarwissenschaft (Inra) mit. Das Institut versicherte aber, dass keine Gefahr für Mensch oder die Umwelt bestand.

Nach einem Bericht der Zeitung "Le Parisien", die den Fall aufgedeckt hatte, war das Lamm namens "Rubis" im Herbst 2014 zusammen mit anderen, normalen Tieren in einen Schlachthof gebracht worden. Sein Fleisch wurde dann zum Verkauf angeboten und von einem Verbraucher im Großraum Paris gekauft.

Mitarbeiter wollte Fall offenbar verschleiern

Das Inra schaltete wegen des Verstoßes gegen das Umweltgesetz die Staatsanwaltschaft ein, wie es aus Justizkreisen hieß. Die Vorgänge seien drei Monate lang von einigen Mitarbeiter "verschleiert" worden, teilte die Inra mit. Die eingeschaltete Staatsanwaltschaft gab den Fall inzwischen an ein Gericht in Paris ab.

Ein Vorgesetzter in der betroffenen Abteilung wurde infolge einer internen Untersuchung bereits suspendiert, wie Inra-Chef von Jouy-en-Josas sagte. Weitere Sanktionen könnten folgen. Vor allem ein Tiertechniker wird beschuldigt. Der Hintergrund der Vorgänge ist aber noch unklar. Malpaux sagte, dass möglicherweise die Arbeitsatmosphäre in der Abteilung der Grund für das Verhalten gewesen sein könnte.

Als Konsequenz aus der Affäre wurden auch weitere Vorsichtsmaßnahmen getroffen. So stoppte das Institut jeglichen Verkauf von Fleisch aus der Abteilung sowie die Experimente mit gentechnisch veränderten Tieren. Durch einen Aktionsplan sollen künftig die Kontrollen verstärkt werden.

Das Tier stammte aus einem Programm, das Zelltransplantationen am Herzen untersucht. Die Schafe dort werden gentechnisch so verändert, dass sie das grün fluoreszierende Quallen-Protein GFP herstellen können, das biochemische Prozesse in Organismen durch sein grünes Leuchten sichtbar macht. Bei dem Lamm selbst zeigte sich das Quallen-Protein aber nicht.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass das Lamm womöglich so verändert war, dass es die GFP-Proteine produzieren konnte. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass das nicht der Fall war. Wir haben den Text aktualisiert.

jme/AFP/dpa



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