Fleischfressende Pflanze Der schnellste grüne Jäger

Blitzschnell schnappt die Falle zu, sobald die Beute dem Wasserschlauch zu nahe kommt. Die fleischfressende Wasserpflanze nutzt einen Unterdruck-Trick, um sich zu ernähren. Dabei stellt sie einen botanischen Rekord auf. 
Kleiner Wasserschlauch (Illustration, Mitte): Wasserpflanze fängt Tierchen

Kleiner Wasserschlauch (Illustration, Mitte): Wasserpflanze fängt Tierchen

Foto: Hulton Archive/ Getty Images

Fleischfressende Pflanzen faszinierten schon Charles Darwin. Doch ihre ausgeklügelten Fangmechanismen zu untersuchen, stellte Botaniker lange vor ein Problem, da manche Prozesse binnen Millisekunden ablaufen. Jetzt hat ein deutsch-französisches Forscherteam im Detail geklärt, wie sogenannte Wasserschläuche, im Wasser lebende Karnivoren, ihre Beute einfangen.

Die Pflanzen erzeugen einen starken Unterdruck in ihren Fangblasen, durch den sie ihre Beute regelrecht einsaugen. Berühren ahnungslose Kleinstlebewesen die feinen Borsten an der Pforte der tödlichen Falle, öffnet sich diese, das Wasser wird mit dem Opfer in die Fangblase gesaugt und diese wieder geschlossen. Dabei benötigen die Gewächse weniger als eine Millisekunde, um die kleinen Beutetiere zu erwischen. Die Wasserschläuche sind demnach die schnellsten Fänger unter den fleischfressenden Pflanzen, berichten die Wissenschaftler um Thomas Speck von der Universität Freiburg im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B"  . Den ausgeklügelten Fangmechanismus der Wasserschläuche haben die Forscher mit Hilfe spezieller Videoaufzeichnungen beobachtet und biophysikalisch untersucht.

Die Wasserschläuche sind eine der artenreichsten Gattungen fleischfressender Pflanzen: Es gibt mehr als 220 Arten dieser im oder am Wasser lebenden Pflanzen, die fast auf der ganzen Welt verbreitet sind. Sie verzichten auf Wurzeln, um an Nährstoffe zu gelangen - stattdessen fangen sie Beutetiere.

Binnen einer Stunde ist die Falle aktiv

Die Pflanzen besitzen Drüsen, die das gesamte Wasser aus der linsenförmigen Saugfalle pumpen, zeigten die Analysen. Dadurch entsteht ein Unterdruck im Inneren der Falle, und es wird zugleich Energie in ihren Wänden gespeichert. Eine Klappe, an der sich feine Borsten befinden, verschließt die Saugfalle dann so fest, dass kein Wasser nach innen dringen kann. Diese Vorbereitungsphase dauert insgesamt etwa eine Stunde. Ist sie abgeschlossen, muss die Pflanze nur noch auf Beute warten. Sie produziert zusätzlich Lockstoffe, um Tierchen in ihre Nähe zu lotsen. Berührt ein Kleintier die Borsten an der Fallenklappe, wird die Klappe leicht nach innen gedrückt und geöffnet. Infolge entspannt sich die Fallenwand, so dass Wasser in die Blase strömt und das Beutetier mit hineingerissen wird. Die hohe Geschwindigkeit macht ein Entkommen für das Beutetier unmöglich.

In der Saugfalle gefangen, zersetzt die Pflanze das Tier allmählich mit Hilfe von Verdauungsenzymen. Um wieder fangbereit zu werden, pumpt sie dann erneut das Wasser aus der Saugfalle heraus und baut so den Unterdruck wieder auf. Die Wissenschaftler konnten beobachten, dass die Fallenklappe während des Ruhezustandes anders gekrümmt ist als in der Phase, in der sie sich öffnet. Diese komplexe Veränderung läuft in mehreren Schritten ab und wird durch spezielle Anpassungen der Klappenstruktur ermöglicht. Mit diesen Beobachtungen sei es erstmals gelungen, den raffinierten Beutefangmechanismus der Wasserschläuche detailliert zu verfolgen und ihn zu beschreiben, betonen die Wissenschaftler.

wbr/dapd
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