Schlafen in der Luft Alpensegler fliegen sieben Monate

Der europäische Alpensegler verbringt seine Winterreise in der Luft. Mehr als sieben Monate fliegt der Vogel - selbst im Schlaf. Lediglich Stopps von wenigen Minuten wollen Forscher nicht ausschließen.
Alpensegler: Position immer wieder der Luftströmung anpassen

Alpensegler: Position immer wieder der Luftströmung anpassen

Foto: Daniele Occhiato

Europäische Alpensegler (Tachymarptis melba) brechen im September von ihren Brutplätzen in der Schweiz auf ins tropische Afrika. Dabei verbringen sie nicht nur die mehr als 3000 Kilometer lange Reise in der Luft, sondern auch die restliche Zeit in ihrem Winterquartier, schreibt das Team um Felix Liechti im britischen Journal "Nature Communications".

Bis zu sieben Monate im Jahr verbringen Alpensegler demnach fast pausenlos in der Luft. Die Vögel scheinen sogar im Fliegen schlafen zu können, wie Schweizer Forscher herausfanden.

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler vom Ornithologischen Institut in Sempach sechs Tiere in der Schweiz mit Sendern und Sensoren zur Überwachung der Körperaktivitäten ausgestattet. Nach ihrer Rückkehr an die Schweizer Brutstätten konnten die Daten von drei der Alpensegler ausgewertet werden.

Bis zu sieben Monate waren die Vögel demnach fast dauerhaft in der Luft, nur Stopps von wenigen Minuten schließen die Forscher nicht aus. Schon länger vermuteten Ornithologen, dass es Vögel gibt, die einen Großteil ihres Lebens in der Luft verbringen. Bisher fehlte für diese Vermutung allerdings der wissenschaftliche Beweis.

Abnahme des Flügelschlags in der Nacht

Die Forscher vermuten, dass die Vögel sich im Flug regenerieren oder sogar schlafen können. Unterstützt wird diese Annahme durch die Messung von Bewegungen und Körperaktivitäten. So stellten die Forscher eine Abnahme des Flügelschlags innerhalb der Nacht fest.

"Zusätzliche längere Schlafphasen am Boden scheinen aber die Alpensegler nicht nötig zu haben", schreiben die Forscher in ihrem Artikel. Dabei galt das Fliegen lange als eine Fortbewegung, die vor allem aktive Kontrolle voraussetzt und damit längere Ruhephasen nicht erlaubt. Bisher war die Verknüpfung von Bewegung und Schlaf den Angaben zufolge nur von Meerestieren wie Delfinen bekannt.

Die meisten Vögel machen nach der Jagd oder einer langen Wanderung auf dem Boden oder dem Wasser Rast, um zu regenerieren. Die Fortbewegung in der Luft gilt als energieaufwendiger als auf der Erde oder im Wasser. In der Luft fehlt eine passive Stabilität, die das eigene Körpergewicht trägt. Die Vögel müssen deshalb ihre Position immer wieder der Luftströmung anpassen.

boj/dpa
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