Studie Forscher weisen viel Mikroplastik in deutschen Flüssen nach

In deutschen Flüssen treibt viel Plastik: An 52 Messstellen in 25 Gewässern haben Forscher die künstlichen Partikel nachgewiesen. Sie stammen von weggeworfenem Plastik oder aus Waschmitteln und Kosmetika.
Untersuchung von Flusswasser: Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller auf einem Schiff in Lauffen am Neckar

Untersuchung von Flusswasser: Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller auf einem Schiff in Lauffen am Neckar

Foto: Inga Kjer/ picture alliance / dpa

Winzige Plastikmüllpartikel kommen nahezu flächendeckend an der Wasseroberfläche von Fließgewässern vor. Zu diesem Ergebnis kommt eine länderübergreifende Pilotstudie, die neben Baden-Württemberg die Bundesländer Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen einbezieht.

Dafür wurden von den jeweiligen Landesumweltämtern zwischen Herbst 2014 und Herbst 2015 an 52 Messstellen überwiegend im Einzugsgebiet von Rhein und Donau Wasserproben entnommen, teilte die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) am Donnerstag mit.

Insgesamt seien 19.000 darin gefundene Partikel analysiert worden - mehr als 4300 waren kleine Plastikteilchen. Sie stammen von weggeworfenem Plastik oder aus Waschmitteln und Kosmetika.

Insgesamt wurden in den Bundesländern 25 Flüsse und Binnengewässer im Einzugsgebiet von Rhein (37 Messstellen) und Donau (16) sowie der Weser (1) untersucht. Die darin gefundenen Plastikteilchen wurden hinsichtlich ihrer Größe, Form und Beschaffenheit analysiert.

"Zivilisatorische Grundlast"

Den Angaben zufolge handelt es sich bei der Studie um einen der größten vergleichbaren Datensätze zu Mikroplastikpartikeln in Fließgewässern. Plastik fanden die Forscher um den Tierökologen Christian Laforsch von der Universität Bayreuth an jeder Messstelle. "Es muss von einer zivilisatorischen Grundlast von Mikroplastik in den Gewässern ausgegangen werden", hieß es. Bei den allermeisten Teilchen handelte es sich um sogenanntes Mikroplastik mit einer Größe von weniger als fünf Millimetern.

Über die Auswirkungen des Mikroplastiks auf Mensch und Umwelt ist noch wenig bekannt, die Forschung dazu jung. Weitere Forschungen seien dringend nötig und müssten auf Bundes- und EU-Ebene vorangetrieben werden.

Die Kunststoffpartikel befinden sich in Reinigungsmitteln wie Waschpulver, Shampoo sowie in Kosmetik und gelangen über das Abwasser in die Umwelt. Außerdem entstehen sie, wenn sich weggeworfene Plastiktüten oder Plastikflaschen zersetzen oder wenn sie beim Waschen aus Synthetik-Kleidung gelöst werden.

Der Minimüll findet sich nicht nur in Flüssen und Meeren, sondern wurde auch bereits in arktischem Eis, fernab von menschlicher Besiedelung, nachgewiesen.

boj/dpa
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