Flüssiger Vorrat Vesuv ruht auf riesigem Magmabecken

Der Vesuv verfügt über ein gewaltiges Magma-Reservoir. Wie Forscher entdeckt haben, erstreckt sich tief unter dem Vulkan ein riesiges Becken mit flüssigem Gestein.


Erhebt sich über einem Magmabecken: Der Vesuv (Infrarot-Aufnahme aus dem Jahr 1943)
AP

Erhebt sich über einem Magmabecken: Der Vesuv (Infrarot-Aufnahme aus dem Jahr 1943)

An Magma leidet der Vesuv keinen Mangel: Seismische Daten lassen auf ein mindestens 400 Quadratkilometer breites Reservoir unter dem Vulkan schließen, berichten italienische und französische Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Science". Die Schicht flüssigen Gesteins verläuft vermutlich in acht Kilometer Tiefe.

"Die Entdeckung eines Sammelbeckens dieser Größe und Breite kam völlig unerwartet", erklärt Teammitglied Paolo Gasparini von der Università di Napoli Federico II. "Es liegt unter einem ausgesprochen weiten Bereich unter den Vulkanen der Region Neapel." Offenbar erstreckt sich das Reservoir vom Vesuv bis zu den Phlegräischen Feldern in der Nähe der Stadt.

Der Vesuv verhält sich derzeit relativ ruhig, hat aber in der Vergangenheit immer wieder seine Explosivität unter Beweis gestellt. Am berühmtesten ist der Ausbruch im Jahr 79 nach Christus, bei dem heiße Ascheströme die römischen Städte Pompeji und Herculaneum unter sich begruben. Die letzte große Eruption ereignete sich während des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1944.

Die Lagebestimmung der Magmaschicht hilft Gasparini zufolge zwar nicht, den nächsten Ausbruch des Vulkans vorherzusagen. Allerdings liefert die Entdeckung Anhaltspunkte dafür, welche Zonen unter dem Vesuv seismisch überwacht werden müssen, um eine bevorstehende Eruption möglichst frühzeitig zu erkennen.

Gasparini und seine Kollegen hatten die Region um den Berg mit einer als seismischen Tomografie bezeichneten Methode untersucht. Dabei werden durch künstliche Explosionen seismische Wellen erzeugt, die sich durch die Erdkruste ausbreiten und an verschiedenen Orten gemessen werden. Aus den gesammelten Daten lässt sich ein zwei- oder dreidimensionales Bild vom Innenleben des Vulkans erstellen.



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