Flugwunder Singvogel rauscht mit Tempo 50 durch die Nacht

Nur 25 Gramm leicht und doch ein Weltrekordler: Der Steinschmätzer schafft den längsten Vogelzug unter den Singvögeln. Wie Biologen jetzt beobachten konnten, legt der Vielflieger pro Jahr bis zu 30.000 Kilometer zurück. Dabei mag er keine Gruppenreisen.

Dauerläufer: Der Steinschmätzer legt große Strecken zurück
DPA/ Heiko Schmaljohann

Dauerläufer: Der Steinschmätzer legt große Strecken zurück


Störche tun es, Schwalben und Gänse auch. Jedes Jahr ziehen sie von ihren Brutgebieten in Winterquartiere und zurück. Doch Vogelzug ist nicht gleich Vogelzug. Rotkehlchen sind dabei die typischen Kurzstreckenflieger, sie zieht es höchstens bis an die Mittelmeerküste. Langstreckenflieger, zu denen auch Mauersegler zählen, reisen bis ins südliche Afrika - oder die Antarktis. Der kleine Steinschmätzer schlägt sie alle.

Pro Jahr lege er rund 30.000 Kilometer zurück, berichten Wissenschaftler des Wilhelmshavener Instituts für Vogelforschung nun in den britischen "Biology Letters".

"Das ist ganz erstaunlich für diesen kleinen Singvogel, meistens fliegt der Steinschmätzer außerdem allein und nicht in großen Trupps wie etwa Gänse", sagte Biologe Heiko Schmaljohann aus dem Team von Institutsleiter Franz Bairlein in Wilhelmshaven. Warum dies so ist, müssten weitere Untersuchungen zeigen.

Die Forscher hatten Vögel aus Alaska und dem östlichen Kanada mit winzigen "Fahrtenschreibern" ausgerüstet und ihre nächtlichen Flugbewegungen über Monate verfolgt. Steinschmätzer können demnach stundenlang mit Tempo 50 reisen und dabei in einer Nacht je nach Wind rund 300 Kilometer weit vorankommen.

Mini-Fahrtenschreiber protokollierten auch Tag- und Nachtphasen

In Alaska brütende Steinschmätzer flogen zum Überwintern über Nordrussland, Asien, das Kaspische Meer bis zur Arabischen Halbinsel. Exemplare aus Ostkanada machten sich als zähe Atlantik-Überflieger auf den Weg über Grönland und die Britischen Inseln bis ins westliche Afrika. "Damit haben wir erstmals die Verbindung dieser Vögel von Nordamerika bis nach Afrika dokumentiert", sagte Schmaljohann.

Die Mini-Fahrtenschreiber ohne GPS-Funktion auf dem Rücken der Vögel hatten die Hell- und Dunkelphasen während des Fluges aufgezeichnet. Daraus ließen sich die jeweiligen Positionen berechnen. Zur Auswertung der Geräte mussten die Tiere erneut eingefangen werden. Von 46 "gestarteten" Fahrtenschreibern konnten nur vier wieder eingesammelt werden.

nik/dpa

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