Folge des Klimawandels Zugvögel müssen deutlich weiter fliegen

Der Klimawandel zwingt Zugvögel künftig zu immer längeren Reisen. Sie müssen bis zu 400 Kilometer mehr fliegen, um geeignete Brutquartiere zu finden. Die zusätzliche Belastung bedroht die Bestände vieler Arten, fürchten Forscher.


Rund 500 Millionen Vögel kehren jedes Frühjahr aus ihren Winterquartieren in Afrika nach Europa und Asien zurück. Manche legen dabei bis zu 6000 Kilometer zurück. Im Lauf der Evolution haben sich die Tiere perfekt daran angepasst, diese lange und anstrengende Reise zu überstehen. Vor der Wanderung fressen sich die Vögel, die zum Teil nur wenige Gramm wiegen, ein dickes Fettpolster an, teils dopen sie mit Spezialfett. Gleichzeitig schrumpfen manche Organe, damit unterwegs möglichst wenig Energie verbraucht wird.

Stare im Allgäu bei Füssen: Zugvögel fliegen immer weiter
DDP

Stare im Allgäu bei Füssen: Zugvögel fliegen immer weiter

Der Klimawandel könnte die Wege der Vögel in Zukunft noch deutlich verlängern, fürchten britische Forscher. Anhand von Computersimulationen haben die Biologen die voraussichtlichen Auswirkungen der Erderwärmung auf die Wanderwege verschiedener Grasmücken, einer Gattung von Singvögeln, untersucht. Während die afrikanischen Winterquartiere unbeeinflusst bleiben, verschiebt der Temperaturanstieg die Brutgebiete in Europa nach Norden. "Zwischen den Jahren 2071 und 2100 werden neun der 17 untersuchten Arten längere Wanderungen haben, vor allem jene Vögel, die die Sahara überqueren", sagt Studienleiter Stephen Willis von der Universität Durham. "Diese zusätzliche Distanz ist eine beträchtliche Bedrohung."

Die Vögel müssten um bis zu 400 Kilometer längere Strecken zurücklegen, schreiben die Forscher im Fachblatt "Journal of Biogeography". Um die zusätzliche Energie bereitzustellen, müssen die Grasmücken ihre Kalorienvorräte im Vergleich zur Magermasse um fünf bis neun Prozent erhöhen. In der Praxis heißt das, dass die Tiere sich entweder vor der Reise weitere Fettpolster anfressen oder aber während des Fluges zusätzliche Pausen einlegen müssen.

Dass die Berechnungen der Biologen durchaus realistisch sind, zeigen Beobachtungen, denen zufolge manche Arten sich schon jetzt weiter nordwärts orientieren. "Manche Arten werden sich anpassen können, wenn sie zur rechten Zeit genug Nahrung finden", sagt Willis. "Aber der Temperaturanstieg und der Wandel der Lebensräume stellt Vögel vor die größte Herausforderung seit der Eiszeit."

hda/AP



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