Fotostrecke

Ölkatastrophe um "Deepwater Horizon": 795 Millionen Liter Öl

Foto: David Valentine

Golf von Mexiko Tausende Quadratkilometer Meeresboden sind mit Öl bedeckt

Ein großer Teil des Öls, das nach der "Deepwater Horizon"-Havarie ins Meer strömte, hat sich offenbar am Meeresgrund abgesetzt. Eine Fläche von mindestens 3200 Quadratkilometern sei betroffen, berichten Forscher.

Nach der "Deepwater Horizon"-Katastrophe im Golf von Mexiko haben sich große Mengen des ausgetretenen Öls auf dem Meeresboden im Umkreis des Bohrlochs abgelagert. Es handelt sich dabei um jenen Teil des Öls, der sich nach der Explosion unter Wasser in schichtartigen Ölfahnen sammelte. Er stieg nicht an die Oberfläche, sondern sank auf einer Fläche von mindestens 3200 Quadratkilometern auf den Boden, berichten Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" . Vermutlich sei ein noch viel größeres Gebiet verschmutzt. Da sich das Öl aber nicht flächendeckend absetzte, sondern eher mosaikartig, seien die Ablagerungen nur schwer aufzuspüren.

Die Bohrplattform "Deepwater Horizon" war am 20. April 2010 explodiert und kurz danach gesunken. Wochenlang strömten in etwa 1500 Meter Tiefe Rohöl und Erdgas aus dem Bohrloch in den Golf von Mexiko. Experten schätzen die Gesamtmenge an ausgetretenem Öl auf etwa fünf Millionen Barrel. Das entspricht etwa 795 Millionen Liter Öl. Etwa zwei Millionen Barrel (etwa 318 Millionen Liter) des ausgetretenen Öls sammelten sich in einer Tiefe von etwa 1000 bis 1300 Metern in vertikalen Schichten. Was mit diesem Öl passierte, sei bisher nicht genau geklärt, schreiben die Wissenschaftler um David Valentine von der University of California in Santa Barbara.

Ölabbau geht schleppend voran

Die Forscher werteten Messdaten von mehr als 3000 Sedimentproben aus, die an insgesamt 534 Entnahmestellen im Umkreis des Bohrlochs gewonnen worden waren. Sie bestimmten daraus die Hopan-Konzentration in den Sedimenten. Hopan ist ein Kohlenwasserstoff, der als Biomarker auf das Vorhandensein von Öl hinweist. So zeigten sie, dass Verschmutzungen westlich des Bohrlochs bis in mindestens 40 Kilometer Entfernung fleckenartig auftreten.

Fotostrecke

Golf von Mexiko: Die Mega-Ölpest der USA

Foto: REUTERS/ U.S. Coast Guard

Anhand der Menge, der räumlichen Verteilung sowie weiterer chemischer und ozeangrafischer Betrachtungen kommen die Forscher zu dem Schluss, dass das Öl auf den Sedimenten vor allem aus den vertikalen Ölfahnen stammt, die sich unter Wasser gebildet haben. Vermutlich sei nur ein kleinerer Teil von der Wasseroberfläche herabgesunken. Die Wissenschaftler spekulieren, dass Biomasse, die sich bei Algenblüten gebildete hat, wie ein Fällmittel gewirkt und die Ölpartikel an den Meeresboden transportiert habe.

An einigen Stellen sprießen neue Pflanzen

"Wenn sich Öl auf den Sedimenten ablagert, stirbt das Leben am Meeresboden auf sehr lange Zeit ab", erläutert Jörg Feddern, Ölexperte bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Ein mikrobieller Abbau des Öls finde kaum statt, weil unter den Teermatten weder Sauerstoff noch Nährstoffe für die Bakterien vorhanden seien. Die ökologischen Folgen für die Region seien auch vier Jahre nach dem Unglück kaum abzuschätzen.

Im Mai 2014 hatte eine Studie ergeben, dass Bakterien, entgegen der Hoffnung vieler Fachleute, das ausgetretene Öl nur unzureichend gefressen hatten.

Eine weitere Untersuchung vom Juli 2014 hat gezeigt, dass die Ölpest nach dem Unglück auch viele Korallen geschädigt hat. Demnach setzten Ölpartikel oder die zu deren Zersetzung verwendeten Chemikalien Tiefseekorallen noch in einer Entfernung von 22 Kilometern zu.

Die Pflanzen an dem betroffenen 75 Kilometer langen Küstenstück des US-Staats Louisiana erholten sich dagegen vergleichsweise rasch. Zunächst hatte das ausgeströmte Öl zahlreiche von ihnen absterben lassen, wodurch auch die Küstenlinie zum Teil erodierte. Betroffen war Marschland, wo salztolerante Pflanzen bis an die Wasserlinie heranreichen. Eine Bestandsaufnahme im Januar 2012 zeigte , dass sich einige Bereiche ganz erholt hatten, die Pflanzenbedeckung also komplett zurückgekehrt war. Dies ging auf das Aussprießen von Seitentrieben zurück. Wo die Erosion infolge des Ölunfalls schon zugeschlagen hatte, wuchs allerdings nichts mehr.

jme/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.