Folgen des Japan-Bebens Melodie der Zerstörung

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6. Teil: Erschütterte Erdbebenforscher: Das Beben lässt Theorien wanken


Vieles sprach dafür, dass es so schlimm nicht werden konnte. Beben der Stärke 9 schienen unmöglich vor der Küste Japans, glaubten Experten - aus folgenden Gründen:

  • Spuren solch starker Erdstöße fanden sich weder am Meeresgrund, noch an Land. In den vergangenen Jahrhunderten gab es kein Beben, das annähernd so stark war wie das vom 11. März. Gegen Tsunamis sollten meterhohe Mauern schützten, die weite Küstenstrecken in Japans Nordosten umschließen.
  • Auch die Art der Erdplatten-Kollision vor Japan sprach gegen ein Mega-Beben: Der Meeresboden des Pazifiks taucht außergewöhnlich steil unter den asiatischen Kontinent. Das liegt an dem hohen Alter von 140 Millionen Jahren: Das Gestein ist kalt und schwer. Bei ihrem steilen Wegsacken sollten sich die Platten der Lehrmeinung zufolge weniger stark aneinander reiben, entsprechend schwächer würde es beben - so die Theorie.

Doch es kam anders: Das Beben der Stärke 9,0 war das viertstärkste, das je gemessen wurde. Die Tsunami-Mauern wurden einfach überspült.

Jetzt müssen Forscher erkennen, dass ihre Theorien falsch waren - und dass sie Hinweise auf die drohende Gefahr ignoriert haben: Die Theorie der starkbebenfrei abtauchenden alten Platte sei eigentlich schon nach dem Tsunami-Beben von Sumatra Weihnachten 2004 obsolet geworden, bemerkt nun Emile Okal, Geophysiker an der University of Evanston in den USA im Wissenschaftsmagazin "Nature". Denn vor Sumatra sei die Erdplatten-Konstellation ähnlich wie vor Japan. Auch dort tauche eine schwere alte Platte steil ab - trotzdem bebte es 2004 so stark wie selten.

Zudem hätte misstrauisch machen müssen, dass sich der Nordosten Japans unter dem Druck der Erdplatten immer stärker gewölbt habe, sagt Okal. "Nur starke Beben konnten diesen Druck abbauen", ergänzt sein Kollege Thomas Heaton vom California Institute of Technology. Doch bei weitem nicht alle Spannung sei jetzt abgebaut - trotz Hunderter Nachbeben, die wie ein Trommelfeuer Nordost-Japan erschüttern. Es drohten also weitere Starkbeben.

Die neuen Erkenntnisse müssten auch anderen Regionen eine Warnung sein, meint Okal: Auch vor Tonga und im Nordosten der Karibik etwa müsste das Risiko starker Beben nun neu bestimmt werden. Die Erdplatten-Konstellation gleiche der vor Japan.

Je genauer Forscher den Untergrund erkunden, desto mehr Spuren früherer Katastrophen entdecken sie. In Nordost-Japan gab es schon manche Tsunamis, wie historische Aufzeichnungen und geologische Kartierungen zeigen - doch ausgerechnet die Entdeckung des schlimmsten Ereignisses ging unter: 2001 berichteten Geologen um Koji Minoura von der Tohoku Universität in Sendai, dass die nun betroffene Region im Jahr 869 von einem Mega-Tsunami überschwemmt worden war.

Weil das Ereignis so lange her sei, schrieb Minoura, wäre "die Wahrscheinlichkeit eines großen Tsunamis eindeutig hoch". Eine erschreckend treffende Prognose, wie sich nun herausgestellt hat. Doch erst jetzt erlangt die Studie Berühmtheit.

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shivling 18.03.2011
1. "Bleistiftförmige" Inseln...
Es ist ja schön, wenn die Meeresbodendarstellung zum besseren Verständnis des Reliefs überhöht wird (in dem Fall mindestens 1000fach...), das sollte dann im Text aber nicht zu dem Blödsinn von Inseln, die wie Bleistifte aus der See ragen, führen. In Wirklichkeit sind diese alle flach wie Kuhfladen.
Myrlin 18.03.2011
2. Wir
Wir alle, bis auf die jungen Ausnahmen, kennen sowas ähnliches. Das Erwachsenwerden. Im laufe der Jahre sammelt sich die Erfahrung. Sowohl gutes als auch schlechtes. Und wir werden schlauer. Als Menschheit sieht dieses genauso aus. Nur in einem langsameren Tempo. Die Menschheit ist meines erachtens noch ein gutes Stück entfernt davon, Erwachsen zu werden. Nicht, das wir viele 'Spielzuege' haben, überhaupt nicht. Aber wir verstehen diese Spielzeuge nicht ganz richtig. Minenbau, Atomenergie, Kapitalismus, Politik wie Diktatur, Demokratie und anderes, Fliessbandarbeit, Fortschritt, Egoismus, Macht. USW. . Viele viele Sachen, deren wahre Bedeutung wir erst allmählich kennenlernen. Und dazu noch unser Planet, den wir eigentlich mehr pflegen sollten. Was mich eigentlich am meisten stört ist der verwässerte Begriff der Verantwortung. Viele Berufe wie Ploitikberufe, Bankberufe, Groosindustriellberufe berufen sich auf ihre Verantwortung um ihre Absicherung und laufenden Löhne zu verteidigen. Verantwortung aber begründet sich auf die Tat, besonders, wenn sie positiv ist vom Ergebnis her. Sehe die Arbeiter in Japan im Atomkraftwerk. Diese Menschen TUN und leben mit der selbstgewählten VERANTWORTUNG. Dementsprechend hätten diese Menschen den gleichen Lohn verdient, wie die reichsten Männer dieser Erde. Denn sie tragen ihre Verantwortung wie aufrechte Männer und sehen dabei dem wahrscheinlichem Tode ins Auge. Aber diesen Lohn bekommen sie nicht. Die eigentlichen Verantwortlichen dieser Welt reden, argumentieren, dementieren, reden wieder und tun dies auch in der Zukunft. Taten schaffen andere. Meistens mehr effektiv und besser als die 'Verantwortlichen'. Was passiert einem Verantwortlichem Menschen innerhalb der 'Elite' wenn er seiner Verantwortung nicht gerecht wird? Eigentlich nichts. Keine Strafe und Lebenssicherung in der weiteren Politik wie EU oder ein lukrativer Posten innerhalb der Industrie. Was passiert einem Verantwortlichem Menschen ausserhalb der 'Elite' wenn er seiner Verantwortung nicht gerecht wird? Je nach Situation der baldige Tod ohne familiäre absicherung (Sehe Japan), Arbeitslosigkeit, Probleme in der 'Hierachie' und mehr. Ich lese oft von 'Helden' die unter Einsatz ihres Lebens anderes Leben gerettet haben. Einen Orden und ein paar hundert Euro max. als Lohn. Und einen Artikel in der Presse. Was tun die Verantwortlichen? Die bauen einen sche.sshaufen nach dem anderen. Ihr Lohn? Ca. 10.000-100.000 mal soviel. Nennt sich kapitalistisch geprägte Gesellschaftssteuerung. (Etwas sehr sehr schlaues. Das es nicht funktionieren kann muss ja nicht jeder wissen.) Und jetzt? Nix. Was soll auch kommen??? Lass die Elite mal weitermachen. Die haben alles im Griff. In der Hoffnung, das der Patient Menschheit lange genug lebt um seine Krankheiten zu überwinden. Fantas: Gestern niemand, heute hier und morgen tot.
Langdon_Olga 18.03.2011
3. Niveau... Niveau... wo... wo... ?
"Melodie der Zerstörung" Ein weiterer Beweis dafür das sich der Spiegel nicht mehr von der Bild unterscheidet. Schämen Sie sich !
powerkraut 18.03.2011
4. ..
Zitat von shivlingEs ist ja schön, wenn die Meeresbodendarstellung zum besseren Verständnis des Reliefs überhöht wird (in dem Fall mindestens 1000fach...), das sollte dann im Text aber nicht zu dem Blödsinn von Inseln, die wie Bleistifte aus der See ragen, führen. In Wirklichkeit sind diese alle flach wie Kuhfladen.
Im Text steht: "bleistiftförmig vom Meeresboden", nicht "aus der See". Die Aussage ist also richtig und erklärt, warum keine Tsunamis auf die Inseln treffen sondern die Welle vorbeiläuft, ohne sich aufzutürmen.
symolan 18.03.2011
5. Artikel gelesen
Zitat von Langdon_Olga"Melodie der Zerstörung" Ein weiterer Beweis dafür das sich der Spiegel nicht mehr von der Bild unterscheidet. Schämen Sie sich !
Haben sie den Artikel gelesen oder sich lediglich enerviert?? Man glaubt es kaum, es hat einen Zusammenhang. Nach Lektüre des Artikels scheint mir das nicht pietätlos, wie es andere offenbar empfinden. Aber wie soll ich sagen, in Sachen Pietät kennt man in ihrem Land tiefere Hemmschwellen als andernorts.
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