Forscher-Empfehlung Rettet Australien - esst mehr Kamele!

Als Beitrag zum Umweltschutz haben australische Wissenschaftler Kamelfleisch-Konsum gepriesen. So ließen sich die außer Kontrolle geratenen wildlebenden Tiere verringern. Krokodilen wollen Forscher hingegen Ekel antrainieren - vor Agakröten. Die sind nämlich giftig.


Sydney - "Esst noch heute Kamel, ich habe es auch getan", sagte Murray McGregor vom Desert Knowledge Cooperative Research Centre in Canberra. "Das Fleisch ist köstlich. Es schmeckt ein bisschen wie Rindfleisch. Es ist sehr mager und damit ausgesprochen gesunde Kost". Das Forschungszentrum plant am Mittwoch eine Grillparty für ranghohe Beamte in der australischen Hauptstadt, bei dem es Kamelfleisch servieren will.

Kamele in Australien (1910): "Das Fleisch ist köstlich"
AFP

Kamele in Australien (1910): "Das Fleisch ist köstlich"

Die Forscher sind in einer dreijährigen Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass die mehr als eine Million Wild-Kamele in Australien inzwischen eine Gefahr für die Umwelt darstellen. Sie bringen demnach das fragile Ökosystem der Wüsten aus dem Gleichgewicht und richten auch bei der Wasserversorgung schweren Schaden an. Die Höckertiere wurden im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts als Lastenträger auf den Kontinent gebracht, bevor Lastwagen und Güterzüge die Arbeit übernahmen. Seitdem leben sie in freier Wildbahn.

Auch eine andere nach Australien eingeschleppte Tierart bereitet Biologen große Sorgen: die Agakröten. Die bis zu zwei Kilogramm schweren Riesenkröten (wissenschaftlich: Bufo marinus) sind erst seit 1935 in Australien verbreitet und besitzen keine natürlichen Feinde - bis auf eine Ausnahme: Krokodile. Allerdings sind die Agakröten so giftig, dass Krokodile oftmals nach deren Verzehr verenden.

Weil die Krokodile keine angeborene Abneigung gegen die Kröten haben, wollen Wissenschaftler ihnen nun Ekel vor ihnen antrainieren. Sie füttern die Krokodile mit kleinen und weniger giftigen Exemplaren, damit sie es lernen, den ausgewachsenen und tödlichen Kröten auszuweichen. Erste Versuche seien sehr vielversprechend, sagte ein Forscher. Das werde den Krokodilen "zum Überleben verhelfen".

Im Kampf für den Umweltschutz kommen australische Wissenschaftler immer wieder auf ungewöhnliche Ideen: Erst im Oktober hatte der Umweltberater der Regierung angeregt, statt Schafen und Rindern Kängurus zu verspeisen, um den Klimawandel aufzuhalten. Die vom Zuchtvieh ausgestoßenen Gase trügen erheblich zu den Treibhausgasemissionen des fünften Kontinents bei, warnte er - dagegen sei der Methangasausstoß von Kängurus verschwindend gering. Wenn dann die Nachfrage nach Schafen und Rindern zurückginge, würden auch weniger der Tiere gezüchtet, was vorteilhaft für das Klima wäre.

hda/AFP



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