Seesterne Forscher kontrollieren Fressmechanismus

Im Meer gehören Seesterne zu den Räubern, die sogar über Korallenriffe herfallen. Nun haben Forscher einen Botenstoff entdeckt, der die gefräßigen Meeresbewohner in Schach halten könnte. Denn er kontrolliert ihr bizarres Fressverhalten.

Seestern unter Wasser (Archiv): Biologen haben einen Botenstoff gefunden, der den Fressvorgang der Tiere steuert
DPA/ Oceana

Seestern unter Wasser (Archiv): Biologen haben einen Botenstoff gefunden, der den Fressvorgang der Tiere steuert


Wie Seesterne Nahrung aufnehmen, klingt nicht appetitlich, ist aber praktisch: Sie stülpen ihren Magen beim Essen nach außen. Durch eine kleine Öffnung gelangt ihr Inneres so in die Außenwelt, sodass ein Teil der Verdauung außerhalb ihres Körpers stattfinden kann. In der Regel haben es die Meeresbewohner auf Muscheln abgesehen, schaffen es mit ihrer Technik aber auch, größere Tiere zu fressen.

Experimente britischer Forscher zeigen nun, dass das Umstülpen des Seestern-Magens sich durch Neuropeptide, Botenstoffe von Nervenzellen, steuern lässt. Die Biologen um Dean Semmens beschreiben ihre Ergebnisse im britischen Fachmagazin "Journal of Experimental Biology". Mit Hilfe der Neuropeptide konnten sie die Tiere veranlassen, ihren Magen nach außen zu stülpen - und schafften es zudem, den Prozess wieder umzukehren.

Die Wissenschaftler sammelten dafür an der britischen Küste Gemeine Seesterne (Asterias rubens) und testeten ihre Reaktion auf ein bestimmtes Neuropeptid. Eine Injektion führte dazu, dass die Meeresbewohner ihren Magen wie auf Kommando wieder einzogen.

Schutz vor gefräßigen Seesternen

Die Erkenntnis könnte dabei helfen, Seesterne von begehrten Meeresfrüchten fernzuhalten. "Die Seestern-Beutezüge haben wirtschaftliche Auswirkungen. Sie fressen unter anderem Muscheln", erklärt Maurice Elphick, Neurowissenschaftler an der Queen Mary Universität in London. "Diese Entdeckung könnte zu chemischen Mitteln führen, die das Fressverhalten von Seestern kontrollierbar machen", sagt der Forscher und Mitautor der Studie.

Auch das gefährdete Great Barrier Reef in Australien ließe sich zukünftig womöglich mit solchen Mitteln besser vor ansteigenden Seesternpopulationen schützen. Denn einige gefräßige Seesternarten bevorzugen ausgerechnet riffbildende Korallen als Nahrung.

kpg

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insgesamt 15 Beiträge
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Eberschmidt 02.08.2013
1.
Zitat von sysopDPA/ OceanaIm Meer gehören Seesterne zu den Räubern, die sogar über Korallenriffe herfallen. Nun haben Forscher einen Botenstoff entdeckt, der die gefräßigen Meeresbewohner in Schach halten könnte. Denn er kontrolliert ihr bizarres Fressverhalten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/forscher-entdecken-botenstoff-der-seestern-magen-kontrolliert-a-914453.html
Beim ersten Lesen der Überschrift habe ich erstmal gelacht. Forscher wollen Seesterne kontrollieren? Was wollen sie denn kontrollieren? Den Ausweis? Wenn ich in eine Polizeikontrolle gerate, muß ich Führerschein und Fahrzeugpapiere vorzeigen und meine Identität belegen - ich werde kontrolliert. Das wollen die Forscher aber nicht mit den Seesternen tun. Sie wollen sie beeinflussen, ihr Verhalten steuern, wie es auch in der Bildunterschrift richtig heißt. Merke: control = Steuerung; check = Kontrolle Ist es denn so schwer?
joachim_m. 02.08.2013
2. optional
Das Great Barrier Riff hat tausende von Jahren gehalten und es wird weiter halten, wenn wir es nicht mit Müll etc. ersticken. Also, was soll der Unsinn? Und was die Muschel anbelangt: Wenn die Menschen aufhören, ständig alle Ökosysteme im Meer durch Überfischung zum Kollaps zu bringen, ist auch genug für alle da. Die Erforschung des Mechanismus des Magensausstülpens ist zwar aus biologischer Sicht ganz interessant, aber jetzt daraus einen Stoff zu entwickeln, Seesterne daran zu hindern, fressen zu können, mit der Folge, dass sie verhungern, ist schlicht ein etischer Supergau, ähnlich dem rücksichtslosen Überfischen der Meere. Ach, ich vergaß, wir haben ja eine freie, neoliberale Marktwirtschaft: Das rechtfertigt dieses Vorgehen natürlich, schließlich schafft das Arbeitsplätze! Insoweit, liebe Seesterne, verhungert dann bitte umgehend, damit die Muschelmärkte wachsen können - und alle werfen auch bitte ihren Abfall ohne Rücksicht auf Verluste ins Meer, damit der Steuerzahler möglichst viel von dem Verhungermittel für Seesterne kaufen muss, um das Riff zu retten, denn auch das schafft unzweifelhaft Arbeitsplätze im Bereich der chemischen Industrie und vor Ort für Leute, die das Pülverchen dann großflächig verteilen. Also, ich bin garantiert kein Ökofreak, aber so einen unethischen Schwachsinn zum Zwecke der Bereicherung kann selbst ich nicht mehr nachvollziehen!
kpkuenkele 03.08.2013
3. Und wer injiziert das Peptid?
Ein Neuropeptid, was den Millionen von Tieren am Great Barrier Riff einzeln injiziert werden muss, wird den Labormassstab wohl nie verlassen. Da könnte man die Seesterne noch einfacher absammeln. Wie heisst es bei den Nobelpreisverleihungen immer so schön: "... Wird möglicherweise in der Zukunft gegen Alzheimer und Parkinson helfen." Vielleicht gibt's ja doch noch einen Verwendungszweck... ;-)
alleen 03.08.2013
4.
wollen die nun jedem einzelnen Seestern eine Injektion verpassen?
amidelis 03.08.2013
5. Perfekt
Man gießt irgendwelche Chemikalien ins Medium um Seesterne zu kontrollieren! Man hat noch keine Ahnung was diese Peptide woanders anrichten. Dann stellen wir fest es gibt keine Seesterne mehr und der Rest lebt auch nicht mehr!
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