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Sauropoden-Fund: Dreadnoughtus, der Titan

Foto: DPA/ Mark A. Klingler/ Carnegie Museum of Natural History

Super-Sauropode Der schwerste aller Saurier

Fünf Jahre dauerte es, die Knochen von Dreadnoughtus schrani zu bergen. Am Ende rekonstruierten Paläontologen die Knochen zum vollständigsten je gefundenen Skelett eines Titanosaurus: 60 Tonnen schwer, 26 Meter lang - das bisher schwerste Landtier, dessen Gewicht man akkurat bestimmen konnte.

Dreadnought ist ein leicht altertümliches englisches Wort mit einem breiten Bedeutungsspektrum: Eine Klasse stark gepanzerter Schlachtschiffe heißt so, genau wie eine besonders voluminöse Gitarrenbauform. Was so unterschiedliche Dinge zusammenbringt, ist die ursprüngliche Bedeutung, die man mit "Fürchtenichts" übersetzen könnte: Was Dreadnought heißt, hat soviel Masse, dass es vor kleineren Feinden nicht zittern muss.

So entpuppt sich der Name Dreadnoughtus schrani als Kommentar zur neuen Spezies: Der 2005 entdeckte, in fünf Jahren ausgegrabene und nun in den Scientific Reports von "Nature"  beschriebene neue Vertreter der pflanzenfressenden Sauropoden war ein Gigant unter diesen Langhälsen. Die Forscher bezeichnen ihn als "größtes Landtier, dessen Gewicht akkurat bestimmt werden konnte".

Was diesen spezifischen, im argentinischen Patagonien gemachten Fund auszeichnet, ist aber nicht nur die schiere Größe seiner Knochen - er hat auch fast alle beieinander.

Die größten Puzzle der Welt

Und das ist ungewöhnlich. Die meisten Sauropoden-Fossile sind nur sehr fragmentarisch erhalten. Unsere Vorstellungen von diesen Giganten mit den kleinen Köpfen, langen Hälsen und Schwänzen haben wir uns wie bei einem Puzzle aus Fragmenten vieler Tiere zusammengesetzt. Entsprechend unsicher sind die Schätzungen über Körperdaten, die wir damit verbinden.

So soll beispielsweise Argentinosaurus - wie Dreadnoughtus ein Vertreter der sogenannten Titanosaurier - ein Gewicht von 90, vielleicht sogar 100 Tonnen erreicht haben. Der größte aller Sauropoden (ein neuer, bisher nicht benannter Kandidat für diese Krone wurde in diesem Jahr gefunden) war möglicherweise der schon 1878 von Edward Drinker Cope beschriebene Amphicoelias altus, der es auf 122 Tonnen gebracht haben könnte.

Die größten bisher bekannten Dinosaurierarten (Schätzungen)

Amphicoelias (Diplodocoidea), USA, Oberjura, 40 – 60 Meter, Rückenwirbel 2,30 Meter hoch
Puertasaurus (Titanosauria), Argentinien, Oberkreide, 40 Meter
Argentinosaurs (Titanosauria), Argentinien, Oberkreide, 35 – 40 Meter
Futalognkosaurus (Titanosauria), Argentinien, Oberkreide, 30 – 35 Meter
Supersaurus (Diplodocoidea), USA, Oberjura, 30 – 35 Meter
Sauroposeidon (Brachiosauridae), USA, Unterkreide, 28 – 34 Meter (18 Meter hoch)
Antarctosaurus (Titanosauria), Argentinien, Oberkreide, 33 Meter
Seismosaurus (Diplodocoidea), USA, Oberjura, 32 Meter
Diplodocus (Diplodocoidea), USA, Oberjura, 27 Meter
Dreadnoughtus (Titanosauria), Argentinien, Kreide, 26 Meter
Paralititan (Titanosauria), Ägypten, Oberkreide, 26 Meter
Quelle: Senckenberg Museum, Frankfurt, ergänzt um Dreadnoughtus

Klingt beeindruckend, aber es ist auch jede Menge Fantasie im Spiel. Die Beschreibung von Argentinosaurus basiert auf einem Fossil, von dem gerade einmal ein paar Rücken- und Lendenwirbel, wenige Rippen sowie ein einzelner Beinknochen erhalten sind - insgesamt knapp über neun Prozent des Skeletts. Von Amphicoelias ist sogar nur ein einziger Wirbelknochen gefunden worden. Die Beschreibung dieser Tiere beruht also vor allem auf begründeten Vermutungen.

Wobei die generelle Bauform der Sauropoden natürlich nicht infrage steht. Von einigen Arten gibt es recht vollständig erhaltene Skelette. Besonders große Varianz gibt es bei ihrer Körpermasse: Unter den Sauropoden gab es sehr grazile Modelle und ziemlich massige Dickerchen. Um nicht schätzen zu müssen und stattdessen mit einiger Sicherheit bestimmen zu können, wie viel ein Tier wirklich auf die Waage brachte, braucht man bestimmte Knochen. Und dazu zählen vor allem die Beine.

Dreadnoughtus: der vollständigste der Titanen

Vom kreidezeitlichen Dreadnoughtus sind von dem Skelett, das zur Erstbeschreibung der Art diente (der sogenannte Holotyp), rund 70,4 Prozent erhalten - inklusive des Gehapparats. Es macht diesen Vertreter der Titanosaurier, der vor rund 77 Millionen Jahren lebte, zu einem außergewöhnlichen Fund: Dreadnoughtus ließ sich fast vollständig virtuell zusammensetzen. Die 3D-Virtualisierung bieten die Forscher um Kenneth Lacovara frei zum Download an.

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Was man da zu sehen bekommt, ist die Darstellung eines 26 Meter langen, circa 60 Tonnen schweren Giganten. Ausgewachsen könnte Dreadnoughtus sogar noch einiges draufgelegt haben, denn das gefundene Fossil stammt von einem wahrscheinlich nicht ausgewachsenen Tier.

Der Holtyp gilt als vollständigster bisher gefundene Vertreter der Titanosaurier. An gleichem Ort fand das Team noch ein zweites, kleineres Fossil - und Zahnspuren kleiner Raubsaurier. Die Forscher gehen aber nicht davon aus, dass die Räuber die Todesursache waren: Wahrscheinlich bedienten sich die kleinen Theropoden nur an den Kadavern, bis diese von Sedimenten bedeckt wurden.

Das geschah offenbar sehr schnell, möglicherweise durch das Hochwasser eines Flusses. Es würde die Vollständigkeit der Funde erklären. Aasfresser und Räuber hatten offenbar wenig Zeit, Schaden anzurichten, und auch die Körper waren nicht so zerfallen, dass ihre Knochen hätten verstreut werden können.

Ganz vollständig ist allerdings auch Dreadnoughtus nicht. Ihm fehlt - durchaus typisch für Sauropoden-Funde - ein im Vergleich zum Rest fast zierliches Körperteil, das wir uns wieder nur vorstellen können: der Kopf.

P.S.: In den englischsprachigen Veröffentlichungen und im Video ist von 65 Tonnen die Rede. Gemeint sind damit amerikanische tons, nicht metrische Tonnen. 65 tons entsprechen circa 60 Tonnen.