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14. November 2013, 20:27 Uhr

Detaillierte Karte

US-Forscher und Google vermessen die Wälder der Welt

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Aktuelle Karten zeigen, wie sich die Wälder weltweit zwischen 2000 und 2012 verändert haben. US-Forscher und Google-Mitarbeiter belegen mit Hilfe von mehr als 650.000 Satellitenbildern, dass vor allem in den Tropen massenhaft ursprüngliche Natur verschwindet.

Die Wälder schrumpfen. Insbesondere in den Tropen, wo zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten in Regenwäldern leben, geht der Trend in die falsche Richtung: Von Jahr zu Jahr geht mehr Wald verloren.

Von 2000 bis 2012 sind weltweit 2,3 Millionen Quadratkilometer Wald verschwunden. Dagegen ist in dieser Zeit auf lediglich 800.000 Quadratkilometern neuer Wald entstanden. In den Tropen nahm der Waldschwund zu - pro Jahr wurden im Schnitt rund 2100 Quadratkilometer mehr gerodet.

Im Fachmagazin "Science" berichten US-amerikanische Forscher, Behördenmitarbeiter sowie Angestellte von Google vom Zustand der Wälder. Sie analysierten und bearbeiteten mehr als 650.000 Satellitenaufnahmen mit Hilfe von Google Earth Engine. Die räumliche Auflösung der Karte liegt bei 30 mal 30 Metern, die Daten sind frei zugänglich.

Wichtige Erkenntnisse der Datensammlung:

In den Subtropen finden sich weniger ursprüngliche Wälder als in den Tropen. Bäume werden mancherorts eher wie Ackerpflanzen behandelt. Innerhalb der zwölf Jahre Beobachtungszeit wurden 31 Prozent der Waldfläche im Südosten der USA abgeholzt beziehungsweise neu angepflanzt, was die intensive Forstwirtschaft dokumentiert.

Die Wälder der gemäßigten Zone sind nur leicht zurückgegangen, auch hier finden sich viele forstwirtschaftlich genutzte Flächen. In Deutschland sind zwischen 2000 und 2012 laut der Studie 4980 Quadratkilometer Wald verschwunden, 2585 Quadratkilometer wurden in dem Zeitraum aufgeforstet.

Die nun vorgestellte Weltkarte wurde durch drei Veränderungen möglich, sagt Matthew Hansen von der University of Maryland, einer der Autoren der "Science"-Studie. Erstens habe der 1999 gestartete "Landsat 7" mit dem "Enhanced Thematic Mapper Plus" (ETM+) überhaupt die Daten global gesammelt. Zweitens seien Archive der "Landsat"-Satelliten seit 2008 kostenlos verfügbar, so dass die Forscher entsprechend viele Aufnahmen nutzen konnten, um die 128,8 Millionen Quadratkilometer abdeckende Karte zu erstellen. Und drittens könnte die Berechnung, für die ein einzelner Computer früher 15 Jahre gebraucht hätte, durch Cloud Computing innerhalb von Tagen erledigt werden.

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