Forscher-Warnung Viele Flussdeltas werden verschwinden

Das Wasser steigt und zugleich sackt der Boden ab - eine fatale Kombination. Viele Flussdeltas dürften in den nächsten Jahren überschwemmt werden, warnen Forscher. Ursachen sind der klimabedingte Anstieg des Meeresspiegels und Eingriffe des Menschen in die Flüsse und Mündungen.

NASA

London - Weltweit leben fast 500 Millionen Menschen auf den Materialaufschüttungen an Flussmündungen. Großstädte liegen genauso wie Landwirtschaftsgebiete auf Flussdeltas. So besteht Bangladesch zu einem großen Teil aus dem Ganges-Delta, dem weltweit größten aller Flussdeltas. Viele dieser Deltas könnten durch den klimabedingten Anstieg des Meeresspiegels zerstört werden, warnen jetzt Forscher im Fachblatt "Nature Geosciences".

James Syvitski von der University of Colorado in Boulder und seine Kollegen haben Messungen vor Ort, Satellitenbilder und historische Landkarten von 33 Flussdeltas analysiert. Als wichtigsten Indikator für die Beurteilung der Stabilität eines Deltas nennen sie Veränderungen der Höhe der Landfläche im Vergleich zum Meeresspiegel. Ob sich ein Delta anhebt oder absenkt, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend ist, wie viel Material vom zuführenden Fluss ins Delta transportiert wird und ob der Mensch weiter oben in den Flusslauf eingreift.

Durch Flussbegradigungen, Dämme und andere Wasserschutzmaßnahmen wird immer weniger Geröll von Flüssen in Deltas geschwemmt, wo es sich ablagern kann. Daher können die Deltas weniger wachsen als früher. Generell schwemmt das Meer ständig einen Teil des Deltas weg, was unkorrigierte Flüsse durch Materialablagerungen ausgleichen können. Fällt diese Zufuhr weg, überwiegt der Abbau.

Ein weiterer Faktor ist die Verdichtung des Sediments infolge menschlicher Eingriffe. Wenn Öl- und Gasvorkommen in Flussdeltas abgebaut werden, sackt das Sediment zusammen und das Delta sinkt ab.

Der entscheidende Faktor aber sei der Anstieg des Meeresspiegels, schreiben die Forscher. Das Abschmelzen von Gletschern und Eis an den Polkappen sowie die mit dem Temperaturanstieg verbundene Ausdehnung des Wassers lassen das Meer immer mehr Land erobern. Nicht nur Inselregionen, die lediglich einige Zentimeter über dem Meeresspiegel liegen, sind davon bedroht. Nach Prognosen des Weltklimarats IPCC wird der Meeresspiegel in den kommenden Jahrzehnten um 20 bis 70 Zentimeter steigen.

hda/ddp



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