Meeresschnecken Brutaler Sex bringt mehr Nachwuchs

Die Paarung der Meeresschnecken scheint schmerzhaft: Erst sticht der Begatter mit einem spitzen Stab in den Bauch der Partnerin, dann dringt er mit seinem Dornenpenis in die Geschlechtsöffnung. Trotz der brachialen Prozedur paaren sich die Tierchen häufiger als notwendig.

Zwei Meeresschnecken (Siphopteron quadrispinosum): In den Bauch gestochen
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Zwei Meeresschnecken (Siphopteron quadrispinosum): In den Bauch gestochen


San Francisco/Tübingen - Auch wenn es vielleicht wehtut: Die Meeresnacktschnecke Siphopteron quadrispinosum braucht die richtige Dosis an brutalem Sex für ihre weibliche Fruchtbarkeit. Darüber berichten Wissenschaftler der Universität Tübingen in der Wissenschaftszeitschrift "Plos one". Bei zu viel oder zu wenig Sex sinkt die Zahl der Eier meist deutlich.

Die Paarung der Meeresschnecken-Zwitter scheint sehr schmerzhaft: Erst sticht der jeweils männliche Part mit einem spritzenähnlichen Penisstab - auch Stilett genannt - in den Bauch der Partnerin und injiziert Prostataflüssigkeit. Dann dringt er mit einem Dornenpenis in die Geschlechtsöffnung ein und führt sein Sperma ein. "Wie schmerzhaft das ist, versuchen wir unter anderem noch herauszufinden. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass es nicht sehr angenehm ist", sagte Projektleiter Nils Anthes.

Anthes und seine Kollegin Rolanda Lange waren bei Feldstudien in Australien verblüfft, dass sich die zwei bis drei Millimeter großen Meeresschnecken trotz der brachialen Prozedur häufiger paaren, als es für die Arterhaltung zwingend nötig wäre. Sie starteten eine Versuchsreihe zur Auswirkung der Paarungszahl auf die weibliche Fruchtbarkeit.

Zunahme der Verletzungen

Dabei fanden sie heraus, dass die Schnecke bei ihrer natürlichen Paarungsrate - die etwas höher ist als zur Arterhaltung notwendig - die meisten Eier legte. Bei dreimal so häufigen Paarungsmöglichkeiten dagegen sank die Eierzahl um 23 Prozent. Mögliche Ursachen sehen die Forscher in der Zunahme der Verletzungen oder in einer Überdosis männlicher Sexualhormone.

Bei nur einem Drittel der natürlichen Paarungsmöglichkeiten nahm die Zahl ebenfalls ab, um rund zehn Prozent. Dies könne unter anderem an zu wenig Stimulation liegen, mutmaßen die Tübinger.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Häufigkeit des traumatischen Schnecken-Sexes durch die Balance zwischen negativen Auswirkungen und Vorteilen mehrfacher Befruchtung bestimmt wird. In weiteren Versuchen wollen sie nun klären, wohin die Prostataflüssigkeit genau injiziert wird und was dies im Körper des weiblichen Parts bewirkt.

Denkbar sei etwa, dass damit unter anderem beeinflusst werde, wie sich die beiden Schnecken paaren - ob sie sich gegenseitig befruchten oder nur einer von beiden die männliche Rolle übernimmt. "Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die Schnecken durch die Injektion das andere Tier in die weibliche Rolle puschen", sagte Anthes.

boj/dpa



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