Fortpflanzungstrick Termiten vermehren sich mit und ohne Sex

Termiten müssen sich nicht zwingend paaren, um Nachkommen in die Welt zu setzen. Königinnennachwuchs gibt's auch ohne Sex. Mit diesem Trick vermeiden sie Inzucht, hat jetzt ein amerikanisch-japanisches Forscherteam gezeigt.


Washington - Es ist eine kurze Regentschaft über ein Termitenreich: Bereits kurze Zeit nachdem sie mit einem Männchen, dem sogenannten König, eine Kolonie gegründet hat, stirbt die Hauptkönigin auch schon. Zeit für ein Techtelmechtel mit dem König hat sie nicht, ihre Töchter kommen per Jungfernzeugung zur Welt. Der König paart sich dann jedoch mit den weiblichen Nachkommen der Königin.

Termite: Kombination aus Jungfernzeugung und sexueller Vermehrung
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Termite: Kombination aus Jungfernzeugung und sexueller Vermehrung

Den Vorteil dieser Taktik beschreiben Wissenschaftler um Kenji Matsuura von der Universität in Okayama nun im Fachmagazin "Science" ( Bd. 323, Nr.5921): Durch die größere Anzahl an Nachwuchsköniginnen können sich die Termiten schneller vermehren. Und weil die Königinnen dank ihrer ungewöhnlichen Geburt ausschließlich die Gene ihrer Mutter mitbekommen, besteht auch keine Inzestgefahr, denn der König ist nicht ihr Vater. Die genetische Vielfalt wird also erhalten.

Den Beweis für ihre These fanden die Forscher im Erbgut der Insekten. Arbeiter und Soldaten stammten eindeutig vom König ab, im Erbgut der jungen Königinnen konnten hingegen keine Übereinstimmungen mit Genen des Königs festgestellt werden.

Bislang beobachteten die Forscher die Kombination aus Jungfernzeugung und sexueller Vermehrung nur bei einer speziellen Termitenart (Reticulitermes speratus). Nun wollen sie auch das Fortpflanzungsverhalten weiterer Arten untersuchen. Davon versprechen sich die Wissenschaftler zum einem weitere Erkenntnisse über die genetischen Hintergründe der Fortpflanzung. Zum anderen erhoffen sie sich Hinweise darauf, wie Termitenbefall in Gebäuden vorgebeugt und bestehende Kolonien an der Ausbreitung gehindert werden können.

Viele Termitenarten ernähren sich von Holz und verursachen jedes Jahr weltweit ökonomische Schäden in Milliardenhöhe. Die unterirdisch lebende Art Reticulitermes speratus beispielsweise stammt aus Japan und ist für ihre Gefräßigkeit bekannt.

Die sogenannte Jungfernzeugung kommt übrigens nicht nur bei den Termiten vor, sondern auch bei anderen Pflanzen und Tieren: Diverse Fische, Schnecken, Eidechsen, Krebse, Vögel und Insekten können sich ohne Paarung vermehren. Lediglich Säugetiere scheinen das Verfahren nicht zu beherrschen.

Die Jungfernzeugung wird durch Hormone ausgelöst. Die dadurch entstandenen Nachkommen sind meist identisch mit den Muttertieren. Bei einigen Tierarten wird jedoch auch die Meiose, also die Reifeteilung durchlaufen, dadurch sind die Nachkommen nur mit dem halben Chromosomensatz ausgestattet. Dies ist zum Beispiel bei Bienen der Fall: Die aus den unbefruchteten Eiern schlüpfenden männlichen Tiere, die Drohnen, sind haploid - sie besitzen also nur den einfachen Chromosomensatz.

chs/ddp



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