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Microraptor gui: Vogel im Bauch

Foto: DPA / PNAS

Fossilienfund Bauch eines Mini-Dinosauriers birgt Vogelknochen

Forscher haben die versteinerten Überreste eines kleinen Dinosauriers entdeckt, der kurz vor seinem Tod einen Vogel gefressen hat. Der seltene Fund könnte etwas darüber verraten, wie Tiere in der Kreidezeit das Fliegen lernten.

Peking - Microraptor gui, ein gefiederter Mini-Saurier, hat in der frühen Kreidezeit kleine Vögel gejagt. Das können Paläontologen mit großer Sicherheit sagen, nachdem sie ein Fossil dieser Dinosaurierart entdeckt haben, in dem die versteinerten Überreste eines Vogels eingeschlossen sind.

Der ungewöhnliche Fund stammt aus dem Nordosten Chinas, wie sie im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences"  berichten. Er liegt in der sogenannten Jehol-Gruppe, einer Gesteinsschicht, die einen Zeitraum von vor 131 bis 120 Millionen Jahren abbildet.

Der kleine Saurier wog rund anderthalb Kilogramm, der von ihm verspeiste Vogel 60 bis 70 Gramm, schreiben die Forscher um Zhonghe Zhou vom Institut für Paläontologie in Peking.

Ein solcher direkter Nachweis, was ein Tier in der Vorzeit gefressen hat, ist extrem selten. Meist schließen Forscher über Zahnmerkmale, Bissspuren an fossilen Knochen oder versteinerten Kot auf die Ernährungsgewohnheiten einer Art. Doch bei diesem Fund haben sie einen direkten Nachweis, denn die Überreste des Vogels liegen eindeutig zwischen den Rippen des Dinosauriers.

Im Astwerk aktiv

Die Lage des Vogelskeletts deutet außerdem darauf hin, dass der Saurier seine Beute als einen großen Happen verschlungen hat. Die Wissenschaftler betonen, dass sie nicht folgern, dass sich Microraptor gui hauptsächlich oder ausschließlich von diesen kleinen Vögeln ernährt hat. Wahrscheinlich sei er, wie die meisten Raubtiere, bei der Wahl seiner Beute recht flexibel gewesen.

Der Fund könnte dennoch etwas über die Lebensweise von Microraptor gui verraten. Denn die Anatomie des erbeuteten Vogels deutet darauf hin, dass dieser in Bäumen lebte - und nicht auf dem Boden nach Futter suchte. Der Dinosaurier müsste demzufolge auch im Astwerk aktiv gewesen sein.

Microraptor gui hatte lange Federn an Vorder- und Hinterbeinen. Einige Forscher vermuten, dass er sich im Gleitflug von Baum zu Baum bewegen konnte - und zudem ein guter Kletterer war. Der neue Fund stützt die Theorie, dass sich die Flugfähigkeit mit Gleitflügen von Bäumen herab entwickelt haben könnte.

wbr/dpa
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