Leben nach den Dinosauriern Der rasante Aufstieg der Säugetiere

Nur winzige Säugetiere überlebten das Ende der Kreidezeit, als ein enormer Meteorit die Erde traf. Wie schnell sich das Leben auf der Erde erholte und die Grundlage für neue Arten bildete, zeigt eine neue Studie.

Untersuchte Schädelknochen: Eine Million Jahre nach dem Meteoriteneinschlag wogen die schwersten Tiere 50 Kilo
HHMI Tangled Bank Studios

Untersuchte Schädelknochen: Eine Million Jahre nach dem Meteoriteneinschlag wogen die schwersten Tiere 50 Kilo


An einem einzigen Tag änderte die Geschichte unseres Planeten ihren Lauf: Ein gewaltiger Asteroid krachte vor 66 Millionen Jahren in die Erde und riss in Mittelamerika einen 200-Kilometer-Krater. Die Folge war ein verheerendes Massensterben, das die Dinosaurier und 75 Prozent aller damaligen Spezies hinwegraffte.

Nun haben US-Forscher eine außergewöhnliche Fossilienstätte untersucht und dort bereits Tausende gut erhaltene Relikte von Tieren und Pflanzen aus der Zeit kurz nach dem Einschlag geborgen. Ihre Analysen zeigen: Bald schon erholte sich das Leben - nun allerdings unter der Vorherrschaft der Säugetiere.

Unsere frühesten Vorfahren

Die Resultate schildert ein Artikel in der aktuellen Ausgabe von "Science" . Tyler Lyson und Ian Miller vom Denver Museum of Nature and Science im US-Bundesstaat Colorado haben die Studie geleitet. Zusammen mit Kollegen kombinierten sie die Untersuchung von tierischen und pflanzlichen Fossilien mit genauen Datierungen. Sie zeigen, wie sich in nur einer Million Jahren der Aufstieg der Säugetiere vollzog - eine Evolution, die schließlich bis zum Menschen führte.

An der Fundstelle Corral Bluffs nahe der Stadt Colorado Springs entdeckte Lyson 2016, dass sich Knochen im Gestein, in sogenannten Konkretionen verbergen. Dieser Typ meist eiförmiger Steine bildet sich um einen organischen Kern und umschließt das gesamte Fossil. "Als ich dort so einen Stein aufschlug, lächelte mich der Schädel eines Säugetiers an", erzählt Lyson. Einmal entdeckt, stolperten die Forscher regelrecht über weitere Funde. Nur Minuten später hatten sie weitere Schädel aus ihrem steinernen Versteck befreit.

Die Paläontologen knackten immer mehr Konkretionen und fanden auch Schädel von Säugern der frühesten Generation, direkt nach der geologischen Zeitenwende. Bislang waren die Funde dieser Ära lediglich kleine fossile Fragmente, beispielsweise Zahnsplitter von Säugetieren. Entdeckungen wie die in Corral Bluffs sind selten. "Man kann sein gesamtes Berufsleben verbringen ohne nur einen Schädel aus dieser Zeit zu finden", so Miller.

Mehr Körpermasse durch Hülsenfrüchte

Das größte bekannte Säugetier, das sich unter der Herrschaft der Dinosaurier entwickeln konnte, dürfte nach heutiger Schätzung lediglich acht Kilogramm auf die Waage gebracht haben. Den Einschlag des Asteroiden überlebten hingegen nur viel kleinere Säuger. Lyson und Miller gehen von einem maximalen Körpergewicht von nur 500 Gramm aus.

Doch schon 100.000 Jahre später sind in Corral Bluffs bereits die Fossilien von Säugern belegt, die zwölfmal schwerer waren. Und die Tiere legen weiter an Gewicht zu: 700.000 Jahre nach der Zeitenwende erreichen sie bereits ein Maximalgewicht von mehr als 25 Kilogramm, weitere 300.000 Jahre später wiegen sie so viel wie ein heutiger Wolf, also rund 50 Kilogramm.

Die Datierung lieferte auch Belege, dass die Erholung von Pflanzen und Tieren nach dem Asteroideneinschlag eng miteinander verbunden war. So finden die Forscher in der ersten Phase nach dem Impact eine zunächst von Farnen bedeckte Landschaft, später folgen Palmen, und immer artenreichere Pflanzengemeinschaften.

Offenbar lieferten die neuen Pflanzen den Säugern eine immer bessere Nahrungsquelle. Auf 700.000 Jahre nach dem Einschlag datieren die ältesten Belege für die nährstoffreiche Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler. Womöglich waren unsere frühesten Vorfahren also ebenfalls Bohnenfresser.

Anmerkung der Redaktion: In der Bildunterschrift dieses Textes hieß es zunächst, die Tiere hätten bereits 300.000 Jahre nach dem Einschlag 50 Kilo gewogen. Tatsächlich dauerte es eine Million Jahre, bis sie dieses Gewicht erreicht hatten.

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insgesamt 64 Beiträge
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Paddel2 24.10.2019
1. Maß statt Hysterie
Artikel wie diese sollten sich die ganzen Klimahysteriker mal durchlesen. Der Meteroiteneinschlag vor 66 Mio. Jahren war größer und gewaltiger als alles, was der Mensch anrichten kann und trotzdem hat das Leben überlebt und sogar einen riesigen Sprung gemacht. Deswegen gilt es auch bei der Klimakrise Maß und Vernunft zu wahren und nicht leichtfertig unsere Freiheit und unseren Wohlstand zu opfern. PS: Wer das schreibt ist kein Klimaleugner. In Zeiten linksgrüner Intoleranz und Schubladendenken muss man ja darauf hinweisen.
apeface 24.10.2019
2. Die Frage ist jetzt
wer übernimmt die Herrschaft nach den Säugetieren? Beste Chancen haben wahrscheinlich die Kakerlaken. Die sind sehr robust. Auch gegen Strahlung und Umweltgifte. Man sollte ihnen die Daumen drücken, wenn es soweit ist. Aber etwas gedulden müssen werden sie sich damit schon noch.
Shelumia 24.10.2019
3.
Das ökologische System der Erde wird es nicht interessieren, wenn der Mensch durch Klimakatastrophe Nukleare Kriege etc. Selbst ausgelöscht hat wie man an diesem Beispiel des großen Artensterbens sieht!
hzj 24.10.2019
4. Nach dem Einschlag waren die Dinos tot
Zitat von Paddel2Artikel wie diese sollten sich die ganzen Klimahysteriker mal durchlesen. Der Meteroiteneinschlag vor 66 Mio. Jahren war größer und gewaltiger als alles, was der Mensch anrichten kann und trotzdem hat das Leben überlebt und sogar einen riesigen Sprung gemacht. Deswegen gilt es auch bei der Klimakrise Maß und Vernunft zu wahren und nicht leichtfertig unsere Freiheit und unseren Wohlstand zu opfern. PS: Wer das schreibt ist kein Klimaleugner. In Zeiten linksgrüner Intoleranz und Schubladendenken muss man ja darauf hinweisen.
Nach dem selbst herbeigeführten Klimawandel und ein paar ultimativen Kriegen um die Verteilung der letzten Ressourcen sind als erstes die persönliche Freiheit und der Wohlstand weg und wenig später sind auch die Menschen und die meisten anderen Säugetierarten ausgestorben. 1 Mio Jahre später gibt es dann wieder eine neue dominierende Art auf der Erde, die den Klimawandel überlebt hat. Das werden keine Menschen sein. Mit Maß und Vernunft auf den Klimawandel zu reagieren, geht nur über Reduzierung der klimarelevanten Abgase und entsprechenden Umbau unserer gesellschaftlichen und industriellen Strukturen. Die Klimawandelsfolgen bringen die Klimawandelsleugner genau so um, wie die "linksgrünen Intoleranzler".
andre_36 24.10.2019
5.
Zitat von Paddel2Artikel wie diese sollten sich die ganzen Klimahysteriker mal durchlesen. Der Meteroiteneinschlag vor 66 Mio. Jahren war größer und gewaltiger als alles, was der Mensch anrichten kann und trotzdem hat das Leben überlebt und sogar einen riesigen Sprung gemacht. Deswegen gilt es auch bei der Klimakrise Maß und Vernunft zu wahren und nicht leichtfertig unsere Freiheit und unseren Wohlstand zu opfern. PS: Wer das schreibt ist kein Klimaleugner. In Zeiten linksgrüner Intoleranz und Schubladendenken muss man ja darauf hinweisen.
Ich glaube, niemand sorgt sich darum, dass die Erderwärmung das Leben grundsätzlich auslöschen würde. Als Menschen gilt unsere erste Sorge natürlich dem Überleben der Menschheit. Und bitte: gewöhnen Sie sich nicht den unsinnigsten Begriff des Jahres an; Klimaleugner. Man kann das Klima nicht leugnen, höchsten dessen Veränderung.
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