Versteinerungen Das Wüstengrab der Meeresgiganten

Robben, Pottwale, Knochenfische - in der Atacama-Wüste in Chile fanden Paläontologen zahlreiche riesige versteinerte Meerestiere. Jetzt meinen sie, den Grund für das urzeitliche Massensterben zu kennen.

Ein Walknochen aus längst vergangenen Zeiten: In der Atacama-Wüste fanden Forscher haufenweise marine Fossilien
AP/ Museo Paleontologico de Caldera

Ein Walknochen aus längst vergangenen Zeiten: In der Atacama-Wüste fanden Forscher haufenweise marine Fossilien


Santiago - Es war ein spektakulärer Fund: Beim Ausbau des Panamerikanischen Highways in der chilenischen Atacama-Wüste stießen Bauarbeiter auf eine riesige Ansammlung mariner Fossilien.

Meist finden sich Versteinerungen mariner Säugetiere nur vereinzelt, Ansammlungen verschiedener Arten an einer Fundstelle sind selten, schreiben die Forscher im Fachjournal "Proceedings B" der britischen Royal Society. Daher gehen sie davon aus, dass die Tiere sehr schnell gestorben sind. Als Ursache vermuten Pyenson und sein Team in ihrer Studie eine giftige Algenblüte.

Mehr als 40 Fossilien entdeckte ein Forscherteam um Nicholas Pyenson von der amerikanischen Forschungseinrichtung Smithsonian Institution im Staub der Atacama-Wüste. Die versteinerten Skelette lagen in vier Schichten am Berg Cerro Ballena - darunter Fossilien von Furchen- und Pottwalen, Robben, Walrosswalen, aquatisch lebenden Faultieren und Knochenfischen.

Schnappschuss marinen Lebens

Für die Forscher ist der Fund ein Glücksfall - er bildet einen Schnappschuss des marinen Lebens der jeweiligen Epoche mit ihren Vernetzungen und Abhängigkeiten ab.

Die Fundstelle in Chile wurde beim Ausbau des Pan-Amerikanischen Highways von 2010 bis 2012 entdeckt. Daher musste sich das Team bei der Arbeit beeilen - mittlerweile liegt die Ausgrabungsstätte unter der neuen Fahrbahn begraben. Die sehr gut erhaltenen Fossilien stammen aus dem späten Miozän. In jener Phase vor etwa sieben Millionen Jahren gab es einen Meeresspiegelanstieg in der Region, die Küstenlinie lag weiter im Landesinneren als heute.

Giftige Algen brachten den Tod

Die Walskelette stammen sowohl von erwachsenen Tieren als auch von Kälbern, berichten die Forscher weiter. Außerdem identifizierten sie mindestens zwei verschiedene Robbenarten, eine ausgestorbene Walrosswalspezies (Odobenocetops) und eine ausgestorbene Art auch im Wasser lebender Faultiere (Thalassocnus). Zustand, Lage und der Fossilien-Mix aus verschiedenen Arten ließen auf einen Tod binnen kurzer Zeiträume - Stunden bis Wochen - der Tiere schließen. Zudem habe sich das Ereignis offenbar mehrfach in Küstennähe wiederholt.

Heutzutage kommt für einen solchen Vorgang vor allem eine Ursache in Frage: eine massive Algenblüte, bei der große Mengen Toxine freigesetzt werden. Tiere im jeweiligen Gebiet sterben daran, werden an die Küste getrieben und von Sediment begraben. Eine solche Ursache erkläre auch, warum die Fossilien keine Fraßspuren großer mariner Aasfresser und keine Verletzungen aufwiesen. Anzeichen für einen Tsunami zeige die Bodenstruktur am Fundort nicht, eine Seuche sei wegen der artübergreifenden Fossilien unwahrscheinlich.

khü/dpa

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
e.schw 26.02.2014
1. Vergiftet und sofort begraben?
Zitat von sysopAP/ Museo Paleontologico de CalderaRobben, Pottwale, Knochenfische - in der Atacama-Wüste in Chile fanden Paläontologen zahlreiche riesige versteinerte Meerestiere. Jetzt meinen sie, den Grund für das urzeitliche Massensterben zu kennen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/fossilienfunde-in-der-atacama-wueste-algenbluete-brachte-den-tod-a-955630.html
Zitat Spiegel Online: Und woraus schließt man auf die zeitliche Einordnung der Funde? Weil es so in das angenommene Evolutions-Schema passt oder weil die Schichten mit keineswegs zuverlässigen Radio-Isotopen datiert wurden? Zitat Spiegel Online: Ebenfalls in Südamerika finden sich Fossilien von riesigen Sauriern an der Erdoberfläche. Wie wärs, wenn man den Untergang dieser Saurier und der in der Atacama gefundenen Tiere korrelieren und auf eine einzige Katastrophe zurückführen würde?
thoscha 26.02.2014
2. Und jetzt..?!
Was ist mit den Funden passiert? Gesichert oder nur gecheckt und dann wieder begraben? Alles für den super Highway. Armes Südamerika. Und wieder nur betrogen...!
bono_the_man 26.02.2014
3. Algen???
Die Indizien sprechen vielleicht eher dafür, dass diese Tiere durch eine abrupte Katastrophe ums Leben kamen. Diese Möglichkeit darf ruhig mal in den Ring geworfen werden.
MannAusmNorden 26.02.2014
4. El Nino schon damals?
Schnelle Algenblüte: Würde ich mal tippen, das da viel warmes Wasser im Spiel war. Schnelles Zuschütten? Braucht man viel Sediment für, und das gibt es bei den dort auc beim El Nino auftretenden Schlammlwinen auch oft. Also gar nicht so unwahrscheinlich, vor allem, weil vor ein paar millionen Jahren der Pazifik ja schon ähnlich aussah wie heute. Und da El Nino auch regelmäßig auftritt erklärt das auch, warum es das öfter gab. Aber die Faultiere? Kann es nicht sein, dass die von einer Schlammlawine mitgenommen wurden und so nicht "semi-Amphibisch" lebten?
zaphod_buddenbrooks 26.02.2014
5. Todesursache?
Die Todesursache liegt doch ziemlich auf der Hand: Fische in der Wüste... Wie soll das lange gutgehen? Klar, dass die verdursten. Die wirklich spannende Frage lautet doch, wie die Fische da überhaupt hingekommen sind. Bei der Größe erscheint es mir unwahrscheinlich, dass sie von Anglern dort hingeworfen wurden. PS: Erzähl mir keiner, Wale seien keine Fische: Die schwimmen wie Fische, haben Flossen wie Fische, riechen nach Fisch. Und sie heißen ja auch nicht ganz zufällig "WalFISCHe", da muss man doch nur mal genau lesen und dann sieht man, dass es Fische sind.
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